Interview: Über die Flüchtlingsbetreuung sprach Marcus Schuler (M.) mit Marie Jordan (l.) und Joseph Kronseder. prä

Flüchtlingshilfe Dorfen

„Asylsuchende suchen sinnvolle Tätigkeit“

Dorfen – Zehn Helfergruppen kümmern sich in Dorfen derzeit um die hier lebenden Flüchtlinge. Das wurde beim dritten Informationsabend der Flüchtlingshilfe Dorfen neben anderen aktuellen Fakten bekannt. Einige Helfer gewährten einen Einblick in den Alltag ihrer Arbeit.

Der Jakobmayer-Saal war mit unterschiedlichsten Besuchern aller Generationen voll belegt. Nicht nur die Flüchtlingshilfe wertet dies als Zeichen der ungebrochenen Hilfsbereitschaft der Bürger. Zunächst berichtete der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe, Adalbert Wirz, über aktuelle Daten. Derzeit seien rund 190 Flüchtlinge auf sechs Unterkünfte verteilt. Um effektiver arbeiten zu können, habe der Verein inzwischen zehn Helfergruppen eingerichtet, die die Flüchtlinge bei speziellen Problemen und Aufgaben unterstützten, etwa beim Schrift- und Behördenverkehr, bei der Arbeitssuche, Kinderbetreuung oder Freizeitgestaltung. Der Verein sucht für verschiedene Bereiche „noch dringend“ weitere Helfer.

Über ihren Alltag bei den Flüchtlingen berichteten Marie Jordan und Joseph Kronseder im Interview mit Marcus Schuler. Jordan ist für die Einrichtung in Zieglhäusl zuständig. Dazu gekommen sei sie „zufällig als Vertretung“ einer Helferin. Die meisten der 18 Flüchtlinge dort seien aus Afghanistan. Langeweile sei ein großes Problem. Arbeiten würden alle gerne, aber sie dürften noch nicht, sagte Jordan. Die Bewohner hätten sich zum Zeitvertreib ein kleines Spielfeld für Volleyball und Fitnessgeräte gebastelt. Da werde ein Besenstiel mit gefüllten Plastikwasserflaschen am Ende zur Hantel. Es fehle „einfach noch an Integration“, sagte Jordan. Sie berichtete davon, dass sie „viel gelacht“ habe, mit den Flüchtlingen, aber es gebe dann auch die „wahren Geschichten“ der Menschen. Da merke man schon, dass einen das vereinnahme. Und man müsse „so oft Nein sagen, das ist schon schlimm“.

Den Schriftverkehr zu bewältigen gehöre zu den „wichtigsten“ Aufgaben, sagte Kronseder (Wailtl-Keller). Den Asylbewerbern selbst brenne das „wahre Leben“ unter den Nägeln. Sie wollten „nicht unterhalten, sondern ernsthaft beschäftigt werden und eine möglichst sinnvolle Tätigkeit haben“. Das sei der „nächste große Schritt“, dass Firmen und öffentliche Einrichtungen Praktika anböten.

Den guten Besuch wertete Bürgermeister Heinz Grundner als „klares Zeichen der ungebrochenen Solidarität und Hilfsbereitschaft in Dorfen“. Er dankte den Helfern der Flüchtlingshilfe für ihre großartige Arbeit. Es müsse noch stärkeren Dialog mit der Bevölkerung geben, vor allem da, wo Einrichtungen geschaffen werden. Grundner sagte aber auch, man müsse die Sorgen der Anwohner ernst nehmen. prä

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