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Neue Unterkunft: An der Langen Feldstraße zogen am Freitag die ersten von 60 Flüchtlingen ein.

Asylunterkunft in Altenerding

Richter handelt sich mit Flugblatt Ärger ein

Altenerding - In Altenerding regt sich Protest gegen die neue Asylunterkunft an der Langen Feldstraße. Gestern zogen die ersten Flüchtlinge ein. Der Wortführer der Gegner hat sich bereits kräftig Ärger eingehandelt.

Am 10. Juli hatte die Stadt die Öffentlichkeit über die neue Unterkunft an der Langen Feldstraße in der Nähe mehrerer Kindergärten und Schulen informiert. Umgehend regte sich Protest einiger Eltern und Anwohner. Beklagt wurden die Informationspolitik des Landratsamtes sowie die Entscheidung, so nahe an Schulen und Betreuungseinrichtungen Flüchtlinge unterzubringen. Unmittelbar nach ersten Vorwürfen war Max Gotz – obwohl als Oberbürgermeister gar nicht zuständig – bemüht, die Wogen im direkt angrenzenden Kindergarten zu glätten.
Dennoch konnte es der CSU-Politiker nicht verhindern, dass sich der Widerstand organisierte. Mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Die verteilt seit Donnerstag ein Flugblatt mit dem Titel „60 Männer in Asylcontainern in Altenerding“. Die Autoren sprechen von einer „Nacht- und Nebelaktion ohne Vorankündigung“. Explizit ist von 60 Männern die Rede. Die Eltern und Anwohner, heißt es weiter, fühlten sich überrumpelt. Der Standort sei problembehaftet. Andererseits sei auch die Unterbringung in den alten Klassenzimmer-Container vom Gymnasium Dorfen „menschenunwürdig“. In dem Flugblatt, das ausgerechnet ein Logo ziert, auf dem sich stilisierte Figuren in Form einer Weltkugel die Hände reihen, werden die Bürger aufgerufen, sich in Unterschriftenlisten einzutragen und bei der Stadt Protest kund zu tun.
Die Form ärgert Gotz massiv. „Die wissen doch gar nicht, ob es 60 Männer sind. So werden nur Ängste geschürt.“ Am Freitag zogen die ersten Bewohner ein, darunter Familien mit Kindern.
Das Flugblatt wird auf jedem Fall einem Beteiligten Ärger bescheren. Denn als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts fungiert ein Richter am Amtsgericht Erding. Als ladungsfähige Adresse im Impressum gibt er die seines Arbeitgebers an: das Justizgebäude an der Münchener Straße 27. Er vermengt damit private und dienstliche Interessen.

Amtgerichtsdirektorin Ingrid Kaps, von der Heimatzeitung mit dem Flugblatt konfrontiert, zeigte sich wenig begeistert. „Das geht nicht. Die Adresse hat da nichts verloren.“ Allerdings machte sie auch klar: „Er agiert als Privatperson und hat keinen Bezug zum Amt hergestellt. Zudem ist nur die Adresse, nicht das Objekt angegeben.“ Nach einem Gespräch mit dem betroffenen Kollegen sagte Kaps unserer Zeitung, der Strafrichter habe seine Privatadresse schützen wollen. Man sei übereingekommen, dass die Anschrift sofort entfernt wird. Auch Gotz kennt das Schreiben: „Ehrlich, ich bin sprachlos.“

Hans Moritz

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