Jeden Dienstag kommt ein Warenkorb mit Essenspenden in den Lebensmittelladen. Besitzerin Elisabeth Auer (r.) füllt ihn mit Tochter Isolde zusätzlich auf. Und dann erhalten Bedürftige eine Spende. Andreas Dietz von Füreinander-Miteinander (2. v. r.) und Kaminkehrer Martin Bauer freut’s. foto: graf

Bei der Auer Lilli ist der Kunde noch Mensch

Grünbach - Elisabeth Auer kümmert sich um ihren Tante-Emma-Laden wie auch um bedürftige Menschen. Mit 80 Jahren denkt sie nicht an Ruhestand.

Kaminkehrer Martin Bauer kommt gerne in den Lebensmittelladen an der B 388 in Grünbach. „Wenn sich bei der Auer Lilli nichts rührt, dann steht die ganze Welt still. Und wenn die Isolde lacht, dann geht in Grünbach die Sonne auf“, scherzt der Dorfener charmant. Die Auer Lilli ist Inhaberin Elisabeth Auer, 80 Jahre alt und nicht nur aktiv für ihr eigenes Geschäft. Auch Bedürftigen hilft sie gerne. Dazu passt ihre Geschäftsphilosophie: „Hier ist der Kunde noch König und vor allem Mensch“, sagt sie und mixt einen Latte Macchiato für einen dieser „Menschen“.

Kürzlich feierte sie ihren 80. Geburtstag und steht auch sonst noch mitten im Leben. Der Wecker klingelt jeden Morgen um 4 Uhr, eine Stunde später ist die Auer Lilli für ihre ersten Kunden da – meist Berufspendler, Lkw-Fahrer und Lieferanten.

Unterstützung beim Auspacken und Einräumen bekommt sie von Tochter Isolde. Auch die zwei Enkel helfen im Laden. Aber vieles wie die tägliche Bestellung möchte sie sich nicht nehmen lassen. Ganz nebenbei gehört die Ladeninhaberin 25 Vereinen an. Als Geheimnis ihrer geistigen und körperlichen Vitalität, nennt die Auer Lilli tägliches Beten, Zeitunglesen und einen guten Ratsch mit den Kunden.

Dies brachte ihr wiederum eine neue Mitgliedschaft in einem weiteren sozialen Verein ein, für den sie sich seit einem Jahr aktiv einsetzt: Füreinander-Miteinander aus Wartenberg. Vereinssprecher Andreas Dietz kennt sie seit vier Jahren von der täglichen Zeitungslieferung. 2008 erzählte er von der Gründung, und Auer war ohne Zögern dabei. Das Vereinslogo und das Konzept hätten ihr sofort gefallen, schwärmt sie. Nun ist sie eines der ältesten und gleichzeitig aktivsten Mitglieder des Sozialvereins.

Elisabeth Auer hilft wo sie nur kann: So dient ihre Garage als Annahmestelle für Kleider- und Sachspenden. An ihrem 80. Geburtstag verzichtete sie auf Geschenke und wollte stattdessen Spenden für wohltätige Zwecke, unter anderem für Füreinander-Miteinander.

Außerdem kommt Dietz jeden Dienstagnachmittag und bringt Grundnahrungsmittel vorbei, die eventuell nach der Essensausgabe von Tischlein deck dich (der Wartenberger Tafel) übrig geblieben sind: Zu diesen Orangen, Mehlpackungen und Kartoffeln packt die Auer Lilli Kleinigkeiten aus ihrem Laden wie Schokolade, Käse und Wurst. Diesen Warenkorb verteilen Dietz und die 80-Jährige an sieben bedürftige Vereinsmitglieder. „Jeder, der in unserem Verein aktiv mithilft und zudem wirklich Hilfe benötigt, dem wird auch ganz unbürokratisch geholfen. Wir sehen hier keinen als Bittsteller, sondern als Interessenten“, sagt Dietz.

Seit 1875 ist der Auersche Lebensmittelladen ein Familienbetrieb, der früher auch noch eine Glaserei sowie eine Landwirtschaft mit ein paar Kühen und 1000 Hühnern beherbergte. Nach dem frühen Tod ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Katharina im Jahre 1977 wurde der Bauernhof aber aufgelöst.

Vater Anton Auer hatte sogar eine sehr gut gehende Schneiderei geführt. 1930 wurde er zum Bürgermeister von Grünbach berufen. 1945 habe sich ihr Vater wegen einer politischen Rede drei Tage lang vor der SS im Wald verstecken müssen, erzählt Elisabeth Auer: „Sonst wäre er erschossen worden.“

Sie selbst arbeitete ab 1953 als Gemeindesekretärin im Grünbacher Rathaus. Nach der Gebietsreform wurde sie Kassenverwalterin im Bockhorner Rathaus. Als erste weibliche Standesbeamtin traute sie bis zur Pensionierung im Jahr 1994 viele Grünbacher und Bockhorner. Noch heute kommen viele ihrer getrauten Paare in den Laden und danken ihr.

Auch, wenn Mutter Katharina Auer kurz vor ihrem Ruhestand verstarb – eine Schließung des Ladens kam für Elisabeth nicht in Frage. Schließlich gibt es zwischen Taufkirchen und Erding keine andere Einkaufsmöglichkeit. Ihre oberste Devise lautete stets: „Niemals aufgeben, einfach weiter kämpfen auch wenn’s manchmal hart ist.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Flughafen München im Corona-Schatten: Bilanz des Schreckens am Airport
Nach dem Abflachen der Corona-Pandemie wird am Flughafen München wieder geflogen. Die Bilanz des aktuellen Jahren ist die schlechteste seit Jahren.
Der Flughafen München im Corona-Schatten: Bilanz des Schreckens am Airport
Tui Fly: „140 000 Sitzplätze in die Sonne und zurück“
Der Ferienbeginn in immer mehr Bundesländern sowie in den angrenzenden Nationen lässt auch den Ferienflieger Tui Fly aus dem Corona-Loch kommen. Der für den Münchner …
Tui Fly: „140 000 Sitzplätze in die Sonne und zurück“
Luftfracht bricht um die Hälfte ein
Während des dreimonatigen Corona-Lockdown sind die Passagierzahlen am Münchner Flughafen zeitweise um 99 Prozent eingebrochen. Nicht ganz so verheerend wirkte sich die …
Luftfracht bricht um die Hälfte ein
Fraunberger Kita: Zwei neue Krippengruppen und eine größere Mensa
Die Erweiterung der Krippe im Kinderhaus St. Florian um zwei Gruppen steht schon seit längerer Zeit an. Am Dienstagabend verabschiedete der Gemeinderat Fraunberg …
Fraunberger Kita: Zwei neue Krippengruppen und eine größere Mensa

Kommentare