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Rund 300 Startbahngegnern sah sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (M.) gestern Abend bei seiner Ankunft in Erding gegenüber. .

Aufgemuckt-Demo in Erding: Stumm, aber nicht lautlos

Erding - „Lieber verstummt als verdummt“ - getreu dem Spruch auf einem Protestplakat demonstrierten am Montag rund 300 Startbahngegner in Erding.

Rund 300 Startbahngegner hatte das Aktionsbündnis Aufgemuckt am Montagabend in der Erdinger Altstadt mobilisiert. Sie wollten Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der auf Einladung der CSU-Mittelstandsunion im Gasthaus Erdinger Weißbräu zur Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur sprach, zeigen, was sie vom Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern pro dritte Startbahn hielten. Und der Minister bekam einiges zu sehen, aber kaum etwas zu hören - außer dem Fluglärmgenerator.

Mit Transparenten ausgestattet, hatten sich die Demonstranten aus zahlreichen Bürgerinitiativen und Verbänden der Region gegenüber dem Weißbräu-Biergarten postiert - und blieben weitgehend stumm, als sich Herrmann, flankiert von zwei Bodyguards, zu Fuß auf den Weg zu ihnen machte.

Der Minister war rund 50 Meter zuvor auf der Langen Zeile aus seinem Wagen gestiegen und scheute den direkten Kontakt nicht. Tumulte gab es nicht, ein Eier- und Tomatenwurf wie vergangene Woche gegen CSU-Generalsekretär Alexander Dobrinth in München blieben aus.

Stumm, aber nicht lautlos: Bilder von der Demo

Nach einem kurzen Händeschütteln erklärte Aufgemuckt-Sprecher Hartmut Binner dem Minister jedoch kurz und knapp: „Der Dialog ist abgebrochen. Wir sprechen nicht.“ Als Zeichen, dass sie es ernst meinen, hatten sich zahlreiche Demonstranten den Mund mit Pflaster zugeklebt.

Herrmann wirkte überrascht, fasste sich aber schnell wieder und sagte zu den zahlreich anwesenden Medienvertretern: „Ich nehme das Ende des Dialoges zur Kenntnis, wenn er nicht gewünscht ist.“ Die Demonstration sei in einem Rechtsstaat legitim. Jetzt liege der Planfeststellungsbeschluss auf dem Tisch und es gebe die Möglichkeit, dagegen zu klagen. Dies werde wohl auch passieren, so der Minister. Das Verfahren sei klar und transparent gewesen - mit Pro und Contra. Es gebe nicht den geringsten Anlass für einen Vergleich mit Stuttgart 21.

Aufgemuckt-Sprecherin Helga Stieglmeier hatte die Demonstranten eine Stunde zuvor auf den Protest eingestimmt und freute sich, dass trotz der kurzfristigen Organisation rund 300 Startbahngegner gekommen waren. „Wir sind nicht mehr bereit, als Feigenblatt für einen Scheindialog herzuhalten“, erklärte sie den Grund für den stummen Widerstand in Erding. Dies habe nichts damit zu tun, „dass wir uns den Mund verbieten lassen. Aber wir reden seit vier Jahren und werden nicht gehört.“

Am Ende wurden sie aber doch noch laut: Ein Pfeifkonzert und „Abwählen“-Rufe begleiteten Herrmann in den Erdinger Weißbräu. Und nächste Woche will Aufgemuckt wieder lautstark protestieren: Vor dem Ferienausschuss des Münchner Stadtrates am 10. August. (zie)

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