Hohes Ansehen genießt die Ausbildung in der Bundeswehr-Lehrwerkstatt im Fliegerhorst. Jetzt ist der 54. Jahrgang gesichert. 38 junge Leute können in einem Jahr anfangen. Foto: ham

Ausbildungswerkstatt bleibt am Leben

Erding - Bei der Bundeswehrreform gibt es für Erding auch gute Nachrichten: 2013 darf ein weiterer Jahrgang in der Ausbildungswerkstatt im Fliegerhorst antreten. Der Bestand ist so bis mindestens 2017 gesichert. Das Verteidigungsministerium gab Grünes Licht.

Als Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière vor fast einem Jahr völlig überraschend das faktische Aus für den Fliegerhorst Erding verkündete, da drohte auch der Ausbildung in der Kreisstadt ein schwerer Schlag. Über 50 Jahrgänge hatte die renommierte Ausbildungswerkstätte bis dahin zu versierten Fachleuten in der Luftfahrt gemacht. Auch wenn der Fliegerhorst erst bis 2019 stillgelegt werden soll, das Aus für die Lehrwerkstatt schien wochenlang besiegelt. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde die Werbetafel vor der Kaserne entfernt. Selbst der Jahrgang 2012 schien massiv gefährdet.

Diese Streichung blieb in Erding nicht ohne Reaktion. Kommunal-, Landes- und Bundespolitik machten sich für den Erhalt der Einrichtung stark, die Bürgermeister Max Gotz 2010 mit dem Ausbildungspreis der Stadt Erding bedacht hatte. Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt kam höchstpersönlich an den Standort - nicht mit leeren Händen, wie sich alsbald herausstellen sollte: Nach zähem Ringen war der 53. Jahrgang gesichert. Am 3. September traten 38 junge Leute ihre Ausbildung an.

Diese Woche bekam der Standortälteste, Oberst Michael Rethmann, einen Brief auf den Tisch, mit dessen Inhalt er schon nicht mehr gerechnet hatte. „Es stimmt, auch 2013 wird es noch einmal einen Jahrgang geben“, bestätigte der Kommandeur Informationen unserer Zeitung. Nicht nur das: „Es wird wieder die volle Stärke sein. Wir können 38 Lehrverträge herausgeben“, so Rethmann.

Er gibt zu: „Ehrlich gesagt hätte ich mit der Zusage nicht gerechnet. Denn bislang hatte es geheißen, an aufzulösenden Standorten werde nicht länger ausgebildet. Umso größer ist die Freude hier am Standort.“ Die Werbetafel soll wieder aufgestellt werden, ab sofort wird der berufliche Nachwuchs auch per Zeitungsannonce gesucht.

Die Entscheidung wurde an höchster Stelle getroffen. „Das wurde im Bundesverteidigungsministerium entschieden“, berichtet Rethmann, der bereits vor Monaten einen Antrag auf Fortbestand gestellt hatte.

Über die Gründe der neuerlichen Zustimmung kann man nur spekulieren. Bekanntlich sollen die Einheiten, die derzeit noch in Erding stationiert sind, vor allem nach Manching verlegt werden. In erster Linie geht es um die Reparatur, Wartung und Instandsetzung des Kampfjets Tornado. In Manching ist die Infrastruktur, wie mehrfach berichtet, derzeit bei weitem noch nicht in der Lage, die Truppenteile aufzunehmen. Offensichtlich wird sich der Aufbau noch Jahre hinziehen, so dass in Erding 2013 ein weiterer Jahrgang dreieinhalb Jahre lang ausgebildet werden kann.

In der Ausbildungswerkstatt werden die Berufe Instandhaltungs- und Triebwerkstechniker sowie Elektroniker angeboten. Im Fliegerhorst werden im ersten Jahr die handwerklichen Grundfertigkeiten ausgebildet. Im weiteren Verlauf werden die jungen Leute schrittweise auf die Besonderheiten ihres Berufs vorbereitet.

Erst in den letzten eineinhalb Jahren wird der Azubi unter der Leitung erfahrener Soldaten und ziviler Mitarbeiter an die Instandsetzung eines noch aktiven Kampfflugzeugs herangeführt, um dann seine Prüfung vor der Industrie- und Handwerkskammer abzulegen.

Bei der Industrie, nicht zuletzt am nahen Flughafen München, setzt man auf den Berufsnachwuchs aus der Erdinger Kaserne. Es wird weit über Bundeswehrbedarf hinaus ausgebildet.

(Hans Moritz)

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