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Echte Kameradschaft kennengelernt: Stephan Weindler ist seit Ende 2014 in der Freiwilligen Feuerwehr St. Wolfgang aktiv. Dennoch hat ihn nun die schnelle Hilfe, die seine Eltern nach dem Brand ihres Wohnhauses bekamen, schwer beeindruckt.

Hilfe unter Feuerwehrkameraden

Ausgebrannt aber nicht alleine

Nach einem Feuer in ihrem Haus hatten Stephan Weindlers Eltern nur noch das, was sie in der Brandnacht am Leib trugen. Seine Kameraden von der Feuerwehr St. Wolfgang sammelten in Windeseile das Wichtigste zusammen.

Von Henry Dinger

St. Wolfgang – Es ist der Morgen des 28. Mai, ein warmer Frühsommertag. In St. Wolfgang schaltet Stephan Weindler sein Handy ein und wird von der Flut der angesammelten Nachrichten schier erschlagen. Eine Nachbarin seiner Eltern teilt ihm mit, dass seine Angehörigen bei einem Brand in ihrem Wohnhaus im oberpfälzer Örtchen Oberviechtach nur knapp mit dem Leben davongekommen sind. Er ruft sofort bei der Nachbarin an. Seine Eltern hatten unwahrscheinliches Glück, sie mussten wegen einer Rauchgasvergiftung nur kurz im Krankenhaus bleiben. Nach und nach erfährt Weindler die schlimmen Details des Unglücks.

Das Wohnhaus der Weindlers im oberpfälzischen Oberviechtach wurde bei dem Brand in der Nacht zum 28. Mai schwer in Mitleidenschaft gezogen

„Meine Eltern schliefen in ihren Betten und sind wegen des beißenden Rauchs aufgewacht. Die Flammen hatten sich schon bis in die Nähe des Nachtkastls gefressen“, erzählt er immer noch hörbar schockiert. Am frühen Morgen kamen der 66-jährige Vater und die 61-jährige Mutter bei Nachbarn unter. Sie hatten nur noch die Sachen, die sie am Leib trugen. Glück im Unglück: Auch Kater Sammy überlebt, obwohl er bei den Löscharbeiten dreimal ins Haus rannte, vermutlich um seine Herrchen zu suchen. Später taucht er aus dem Keller wieder auf – klatschnass, aber lebendig.

Das Haus, in dem Ehepaar zur Miete wohnte, ist nicht mehr zu retten. Der erste Stock und der Dachstuhl sind ausgebrannt, das Erdgeschoss durch das Löschwasser komplett abgesoffen. Lokale Medien sprechen von einem Sachschaden von über 100 000 Euro, dabei sind der Hausrat und die persönlichen Sachen des älteren Paars vermutlich noch nicht mal mit eingerechnet. Da das Gebäude zunächst als einsturzgefährdet galt, konnten die Brandermittler auch erst nach einigen Tagen einen technischen Defekt in der Elektrik des alten Hauses als Ursache ermitteln. Besonders tragisch: Bereits vor 25 Jahren verlor die Familie ihre gesamte Habe bei einem Brand. „Damals hatten Einbrecher eine Propangasflasche aufgedreht und entzündet“, erzählt Weindler,

Nach Trauma beiFeuerwehr aktiv

der das Feuer als Zwölfjähriger miterlebt hat. „Das Bersten der Fensterscheiben höre ich bis heute, das Trauma sitzt tief“. Die Täter wurden nie gefasst.

Vielleicht war es dieses Trauma, das den heute 39-Jährigen bewogen hat, in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv zu werden. Erst in seinem Heimatort Oberviechtach, später in Ingolstadt und seit Ende 2014 in St. Wolfgang. „Ich bin erst Mitte 2014 hier her gezogen“, erzählt er.

Er und die meisten seiner Kameraden der St. Wolfganger Wehr sind über eine WhatsApp-Gruppe vernetzt. In diese Gruppe schreibt der junge Mann gleich am Sonntagmorgen um 8.45 Uhr einen Hilferuf. „Die Antworten kamen fast postwendend“, beschreibt der Familienvater. „Im Chat und in Privatnachrichten hieß es: Was braucht Ihr? Welche Größe?‘.“

Weindler zeigt sich nach wie vor „schwer beeindruckt“ von der Welle der Hilfsbereitschaft. Noch am gleichen Tag wird im Gerätehaus ein Sammelpunkt für die Spenden eingerichtet. „Herren- und Damenkleidung, Schuhe, Hygieneartikel – alles, was sofort benötigt wurde, haben die Kameraden gebracht.“ Am Montag packten Weindler und seine Frau ihren Suzuki Swift bis zur Dachunterkante voll und machten sich auf den Weg in die Oberpfalz. Dort wurden die Sachen schon dringend erwartet. „Meine Familie und ich möchten uns bei meinen Kameraden für diese überwältigende Hilfsbe-

Hilfe für Kameradenselbstverständlich

reitschaft bedanken“, sagt Weindler. Er findet es deswegen so beeindruckend, weil er noch nicht lange im Ort lebt und eigentlich kaum jemand seine Eltern persönlich kennt, „nur manche von der Hochzeit vielleicht. Die Hilfe hat eine Eigendynamik entwickelt, die ich nicht erwartet hätte“.

Auch die Eltern bedanken sich in einen persönlichen und emotionalen Brief bei den Helfern in der Goldachgemeinde. St. Wolfgangs Feuerwehrkommandant Florian Axenböck freut sich über den Dank, sieht die Hilfe aber nicht als etwas Außergewöhnliches. „Für uns ist das eigentlich selbstverständlich. In St. Wolfgang hat man sich schon immer gegenseitig geholfen. Wenn jemand ein Problem hatte, hat man in der Gemeinschaft versucht, es zu lösen.“ Dabei sei es egal, wer das ist, allerdings sei gerade bei der Feuerwehr die Kameradschaft und der Zusammenhalt wichtig. „Bei einem Einsatz muss sich einer auf den anderen verlassen können“, sagt Axenböck. Das setze sich auch in der Freizeit fort.

Für Stephan Weindler, der in seinem Leben schon einige Orte kennengelernt hat, steht aber dennoch fest: „Hammer. Sowas habe ich bis jetzt nur in St. Wolfgang erlebt.“

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