Pressegespräch vor Ort: SOB-Manager Christian Kubasch, Kommunikationsassistentin Sabrina Nebauer und SOB-Geschäftsführer Christoph Kraller im Gespräch mit Redakteur Anton Renner am Dorfener Bahnhof. Foto: Weingartner

Bahnausbau im Schneckentempo

Dorfen - Der Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf ist seit vielen Jahren geplant. Doch er schleppt sich im Schneckentempo dahin. Auch wenn die Planungen jetzt wieder angelaufen sind - an eine wirklich schnelle Realisierung glaubt nicht einmal die Südostbayernbahn.

Der Dorfener Bahnhof ist symptomatisch für den Gesamtzustand der Strecke zwischen Markt Schwaben und Mühldorf. Die Bahnhofsgebäude sind heruntergekommen, die Bahnsteige zu schmal und für Behinderte ist das Einsteigen in einen Zug ohne Hilfe nicht möglich. „Die Infrastruktur leidet darunter, dass die Bahnstrecke seit 30 Jahren ausgebaut wird“, sagt der Geschäftsführer und Sprecher der Südostbayernbahn (SOB), Christoph Kraller, sarkastisch bei einem Treffen am Dorfener Bahnhof. Das Unternehmen mit Sitz in Mühldorf betreibt ein Streckennetz mit einer Länge von 550 Kilometern und ist für 81 eigene Stationen verantwortlich. Auf der Strecke München-Mühldorf fährt die Südostbayernbahn im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft.

Bahnchef Josel
kommt nach Dorfen

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer bringt einen Top-Manager der Deutschen Bahn nach Dorfen. Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für Bayern, kommt am Dienstag, 26. März, um 18 Uhr ins Gasthaus am Markt, um mit Politiken, Wirtschaftsvertretern und Bürgern über den geplanten Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf zu diskutieren. Schurer hat zu dem Gespräch auch Landräte und Bürgermeister aus der Region eingeladen. Nach Dorfen kommen wollen auch Vorstandsmitglieder der Wacker Chemie in Burghausen.  MdB Schurer: „Der Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing (ABS 38) als Teilabschnitt der transeuropäischen Magistrale Paris-Bratislava spielt eine entscheidende Rolle. Dieser Ausbau ist für die Unternehmen im südostbayerischen Chemiedreieck eine Grundvoraussetzung für den Erhalt und die Schaffung neuer Arbeitsplätze und trägt auch wesentlich zur Entlastung etwa der Bahnstrecke München-Rosenheim bei.“

Alleine 2011 hat die Südostbayernbahn in ihre eigene Infrastruktur 36,3 Millionen Euro investiert. Doch auf der Münchener Strecke, die zum DB Netz gehört, sind der Regionalbahn die Hände gebunden. Kraller macht daher auch kein Hehl daraus, dass die Situation für die Bahnreisenden auf diesem Streckenabschnitt „eine Zumutung“ ist. Doch die Südostbayernbahn darf nichts machen - nicht einmal einen behindertengerechten Zugang am Dorfener Bahnhof. „Hier besteht Bestandsschutz“, zeigt Christian Kubasch, Geschäftsführer und Leiter Infrastruktur bei der Südostbayernbahn, die Situation auf. Wegen der Ausbaupläne dürfe auf der Strecke nichts gebaut und verändert werden. Der Bahnsteig in Dorfen sei zu schmal, müsste höher gebaut und verbreitert werden. Die Gleise müssten dazu verlegt werden. „Das bezahlt keiner zur Zeit“, so Kubasch. Dass die Situation so sei, „ist eine politische Entscheidung“. Die Planung für einen Ausbau sei zwar angelaufen, „aber das dauert womöglich noch ewig“. Und wenn die Planung abgeschlossen sei, wäre ja noch immer noch kein Geld da. Die geschätzten Kosten gehen bis zu einer Milliarde Euro. Eine Prognose, wann mit einem zweigleisigen Ausbau zu rechnen ist, will keiner der Chefs der Südostbayernbahn abgeben. Denn die Planung dauere mindestens zwei Jahre. „Wenn nach der Planung nicht gebaut wird, sind alle Pläne bald wieder Makulatur - das hatten wir schon einmal“, sagt Kraller.

Anton Renner

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