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Barmherzige Brüder bedauern Züchtigung von Schülern

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Züchtigungen waren früher Teil der Erziehung – auch in Algasing. Foto: MM
Züchtigungen waren früher Teil der Erziehung – auch in Algasing. Foto: MM

Dorfen - Im ehemaligen Schülerheim im Kloster Algasing sind Kinder gezüchtigt worden. Der Orden der Barmherzigen Brüder hat sich dafür jetzt entschuldigt.

Im Sog der seit Wochen immer mehr aufgedeckten Missbrauchsfälle in Einrichtungen der Katholischen Kirche, aber auch in Privatschulen, haben sich jetzt auch ehemalige Schüler des früheren Erziehungsinstituts (Volksschule mit Schülerheim) der Barmherzigen Brüder in Algasing gemeldet. Zwar ist es dort ganz offenbar zu keinem sexuellen Missbrauch gekommen, aber Züchtigungen der Schüler waren - wie seinerzeit üblich - Teil der Erziehung.

„Manchmal höre ich heute noch die Schreie meiner Mitschüler“, erinnert sich der Taufkirchener Otto Traut an seine Schulzeit in Algasing. Der Hass auf manche Ordensbrüder sei damals wegen der Schläge so weit gegangen, „dass ich mir schwor, sie umzubringen. Nur so konnte ich den Hass damals abbauen“, so Traut. Jetzt, fast 50 Jahre später, geht der Taufkirchener mit seinen Erlebnissen an die Öffentlichkeit.

Es war vorwiegend wegen schlechter Noten, weshalb Traut nach seinen Erzählungen mit einem Rohrstock am Rücken und Hintern geschlagen wurde. „Und das nicht nur einmal, sondern ständig.“ Traut hat seiner Erlebnisse auch der Ordensleitung mitgeteilt. Die Barmherzigen Brüder haben Traut mittlerweile einen Brief geschrieben und sich bei ihm für das erlittene Unrecht entschuldigt.

Auch gegenüber dem Dorfener Anzeiger hat Provinzial Frater Emerich Steigerwald eingeräumt, „dass das vor 50 Jahren geltende, damals allgemein tolerierte Züchtigungsrecht auch in Algasing praktiziert worden ist“. Aus Schreiben ehemaliger Schüler habe der Orden erfahren, „dass einzelne in Algasing tätige Ordensangehörige und einzelne weltliche Lehrer offenbar über das damals übliche Maß des Züchtigungsrechts hinausgegangen sind“. Den Schmerz und die Demütigung und Hilflosigkeit, die Schüler bei diesen Züchtigungen empfunden haben, hätten diese dem Orden eindringlich geschildert, so der Provinzial. „Auch wenn die Erfahrungen der ehemaligen Schüler dadurch nicht mehr ungeschehen gemacht werden können, möchten wir den Betroffenen sagen, dass das geschilderte Verhalten gegen die geltenden Grundsätze der Hospitalität der Barmherzigen Brüder verstößt. Wir bedauern das geschilderte Verhalten zutiefst und bitten die betroffenen ehemaligen Schüler hierfür um Verzeihung“, so Steigerwald.

Anton Renner

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