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Der neue BBV-Kreisobmann Jakob Maier mit seinen Schützlingen in der Färsenaufzucht.

BBV-Kreisobmann Jakob Maier im Porträt 

In Sorge um die kleinen Höfe

Die Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen und die Zukunft kleiner Höfe sind für Jakob Maier wichtige Themen der Landwirtschaft. Der Niederdinger ist der neue BBV-Kreisobmann.

Niederding – Die Zukunft des Bauernstandes ist die größte Sorge von Jakob Maier. „Mir geht es hauptsächlich darum, dass wir die kleineren Familienbetriebe erhalten oder den Strukturwandel zumindest verlangsamen können“, sagt der neue Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Fünf Jahre lang ist der Niederdinger Stellvertreter seines Vorgängers Hans Schwimmer gewesen. Aufzuhalten sei der Strukturwandel in Bayern nicht, weiß auch Maier. „Möglicherweise lässt er sich verzögern“, sagt er.

Die Nöte der Bauern kennt Maier nur zu gut. Manche der Landwirte haben noch keinen Hofnachfolger, manche hören auf, manche handeln nach der Devise „Wachsen oder Weichen“. In Bayern sei die Struktur anders als in Nord- oder Ostdeutschland. Laut Bericht des Deutschen Bauernverbandes sind in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg im Schnitt 226 Kühe in einer Herde, in Bayern gerade einmal 37. „Die Rahmenbedingungen sollten aber auch für einen normalen Familienbetrieb so sein, dass der Hofnachfolger so weitermachen kann wie bisher, ohne die Produktion verdoppeln zu müssen.“ Dazu gehört auch, dass kleine Betriebe die Möglichkeiten für mehrere wirtschaftliche Standbeine bekommen.

Seit 2001 ist der parteilose Jakob Maier Ortsobmann der Gemeinde Oberding, 2012 wurde er zum 2. Kreisobmann gewählt. Vor der eigenen Tür in Niederding erlebte der heute 53-Jährige den Ausbau der Therme Erding, des Flughafens München und die geplante Erweiterung durch die dritte Startbahn mit. „Dadurch ist mir die Problematik bewusst geworden, was es bedeutet, wenn hier so große Infrastrukturprojekte umgesetzt werden. Das betrifft zum einen die Projekte selber und dann die Ausgleichsflächen, die zu schaffen sind.“

Bereits damals habe er angefangen, sich in das Thema intensiv einzuarbeiten und mit Varianten zu beschäftigen, um der Natur einen Ersatz für versiegelte Flächen zu bieten. Zu den Möglichkeiten gehören für ihn die sogenannten „produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahmen“ – kurz PIK. Dabei werden, vereinfacht ausgedrückt, Flächen weiter landwirtschaftlich genutzt. Gleichzeitig schafft man in diesen Bereichen aber unter anderem auch Ackerrand- oder Blühstreifen, um beispielsweise brütenden Vögeln Schutz zu bieten. „Das geht aber nur, wenn die Landwirte sich beteiligen“, so Maier. Im Landkreis Erding wurden beim Bau der Flughafentangente Ost bereits PIK angewendet.

Auf Maier, der die Landwirtschaft von der Pike auf gelernt hat, strömt als neuer Obmann nun viel mehr Arbeit ein. „Das lasse ich auf mich zukommen“, sagt er, „die Zeit dafür werde ich mir nehmen“. Dass der Vater zweier erwachsener Kinder neuen Situationen aufgeschlossen gegenübersteht, hat er schon 1996 gezeigt. Damals hatte er sich mit zwei Nachbarn zusammengetan und in einer Betriebsgemeinschaft eine Biogasanlage und eine Milchviehhaltung mit 130 Tieren betrieben. Die Außenwirtschaft haben sich die drei Partner ebenfalls geteilt.

„Diese Kooperation war damals für Bayern so ungewöhnlich, dass andere Bauern und Verbände busseweise auf den Hof gerollt kamen, um sich über den Betrieb zu informieren“, erinnert sich der Landwirt. Heute betreibt Maier mit einem Partner die Biogasanlage und mittlerweile eine Färsenaufzucht, mit dem Milchvieh hat er vor zehn Jahren aufgehört.

Um den Nachwuchs bei den Landwirten im Landkreis macht sich der neue Obmann noch keine Sorgen „die Schülerzahlen an den Landwirtschaftsschulen sind noch stabil“. Seinen eigenen Hof könnte sein 27-jähriger Sohn übernehmen, der zurzeit im niedersächsischen Vechta auf seine Ausbildung zum Landwirt noch den Studiengang „Geographien ländlicher Räume“ draufsetzt.

Und was tut der neue Obmann in seiner spärlichen Freizeit? „Ich lese gern“, sagt Maier. Da seien aber auch viele Fachpublikationen dabei, um sich über die unterschiedlichen Bereiche im Bauernverband noch umfassender zu informieren.

Henry Dinger

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