Symbol der Gewalt: Rechtsextreme mit Springerstiefel, Baseballschläger und Bierflaschen. Foto: MM

Bedrohung von Rechts: Die Angst kommt wieder hoch

Dorfen - Der Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl macht auch die Menschen im Landkreis betroffen. Der offenbar rechtsextreme Hintergrund des Attentats lässt Erinnerungen an rechte Gewalttaten und Umtriebe in Dorfen hochkommen.

Zuletzt im März 2007 wurde Dorfen vom braunen Mob heimgesucht. An die 100 Neonazis machten damals die Isenstadt zum vierten Mal innerhalb von nur knapp zwei Jahren zum Aufmarschgebiet von Ideologen rechtsextremer Gesinnung. Seither ist die Isenstadt von Neonazi-Treffen verschont geblieben. Dennoch sieht Michaela Meister, Sprecherin des Bündnisses „Dorfen ist bunt“ und SPD-Stadträtin, keinen Grund sich zurückzulehnen. Eine Bedrohung von Rechts sei latent vorhanden. Überdies gebe es nach wie vor viele Dorfener, die rechtes Gedankengut verharmlosen würden. Das es nichts zu verharmlosen gebe, habe in erschreckender Weise der Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef gezeigt.

Für das Bündnis „Dorfen ist bunt“ stehe daher im Mittelpunkt der Arbeit die „konsequente Aufklärung“. Es gelte, die Menschen auf die Gefahren aus der rechtsextremen Szene aufmerksam zu machen und deren menschenverachtende Ideologien aufzuzeigen, umschreibt Meister die Ziele.

Das dies in Dorfen durchaus auch notwendig ist, zeigen die vergangenen Jahre. So schoss etwa im Januar 2000 ein der rechten Szene zugeordneter Mann einem in Dorfen lebenden Türken mit einer Gaspistole ins Gesicht. Anfang April des gleichen Jahres wurde von rechtsextremen Jugendlichen ein Brandanschlag auf das Dorfener Gemeindehaus verübt, in dem ausländische Mitbürger wohnten. Und Ende 2000 fand die Polizei bei Hausdurchsuchungen in Dorfen Waffen und Nazi-Propagandamaterial. Der letzte gravierende Zwischenfall ereignete sich im Februar 2004. Ein 16-Jähriger schrie einen dunkelhäutigen neunjährigen Buben mit „Heil Hitler“ an und feuerte anschließend mit einer Soft-Air-Pistole auf ihn.

All das sind Dinge, die jetzt, nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef, wieder hochkommen. Für die tägliche Polizeiarbeit hat das Attentat in Niederbayern noch keine direkten Auswirkungen. Für den Dorfener Polizeichef Johann Grasser ist der Anschlag jedoch Bestätigung für sein persönliches Handeln: „Angst habe ich keine, aber Vorsicht ist immer geboten.“ Dies gelte sowohl für den Dienstalltag als auch für das Privatleben. Schließlich seien Drohungen, auch Morddrohungen, gegen Polizeibeamte nichts ungewöhnliches.

Auch wenn im Landkreis die NPD momentan an Zugkraft verloren hat, die rechte Szene hat hier nach wie vor eine Heimat. Zwar sind die einstigen Führer der Rechtsextremisten, Robert Dietrich und Felix Benneckenstein aus Erding weggezogen, was zum Zerfall der „Jungen Offensive Herzogstadt“ führte. Doch die verbliebenen Neonazis haben sich in der Gruppierung „Freie Kräfte Erding“ gebündelt. Sie wird von dem der Skinhead-Szene angehörenden Erdinger Maximilian D. angeführt. Die Gruppe hat engen Kontakt zu den „Freien Nationalisten München“. Führer dieser rechtsextremistischen Gruppierung ist Philipp Hasselbach, ein früherer Vertrauter von Norman Bordin, der die Nazi-Aufmärsche in Dorfen organisierte.

Die Polizei hat die Neonazis im Landkreis unter ständiger Kontrolle. Dadurch sollen, so hofft man, Gewalttaten schon im Vorfeld verhindern zu können. (ar)

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