Flughafen München

Beinahe-Crash: Durchstarten ist ein "ganz normales Manöver"

  • Marcus Mäckler
    vonMarcus Mäckler
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München - Weil ein Flugzeug die Bahn blockiert, muss eine Boeing kurz vor der Landung nochmal durchstarten. Für viele Passagiere der Air-Berlin-Maschine war der „Zwischenfall“ am Flughafen München sicher unangenehm. Laut Flugsicherung passiert das ziemlich häufig. 

Wollte man das Ganze ein wenig überspitzen, könnte man sagen: Manchem Passagier des Flugs AB 6111 dürfte der gerade weggeschlürfte Tomatensaft wieder hochgekommen sein. Die Maschine, eine Boeing 737, aus Köln war schon fast in München gelandet, als der Pilot plötzlich nochmal durchstartete. Kurz zuvor hatte er eine Warnung des Fluglotsen bekommen: Nicht aufsetzen – Landebahn blockiert.

Wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) unserer Zeitung bestätigte, war es schon am Dienstag, 13. Oktober, zu diesem Zwischenfall gekommen. Auf besagter Landebahn des Flughafens München stand ein kleineres Flugzeug, das – trotz Flugerlaubnis – nicht rechtzeitig vom Fleck kam. Dem Piloten der voll besetzten Air-Berlin-Maschine blieb nichts anderes übrig, als seine Maschine wieder hochzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt, kurz vor halb acht, war das Flugzeug etwa 75 Meter über dem Boden.

An Bord befanden sich 128 Fluggäste, die Maschine hat 144 Plätze, war also fast ausgebucht. Was für die Passagiere durchaus außergewöhnlich gewesen sein dürfte, bezeichnet eine Sprecherin von Air-Berlin als „ganz normales Manöver, das mehrmals täglich durchgeführt wird“. So sieht das auch die Flugsicherung. Dass eine Maschine den Landeanflug abbrechen muss, passiert laut DFS-Sprecherin Sandra Teleki im Schnitt zwei bis vier Mal am Tag – alleine am Flughafen München. Natürlich könne sie verstehen, dass solche Situationen für Fluggäste beunruhigend seien. „Für die Piloten und die Crew ist das aber nichts Ungewöhnliches.“

Mehrere Gründe für so genannten "Fehlanflug"

Ein anderes Flugzeug auf der Landebahn ist laut Teleki nur eine von vielen Ursachen, die den Abbruch eines Landeanflugs nötig machen. Ein so genannter Fehlanflug wird zum Beispiel auch dann eingeleitet, wenn sich ein Fahrwerk nicht ausfahren lässt oder wenn zu starke Windböen eine Landung gefährlich machen.

Das Manöver von Flug AB 6111 war laut Teleki vergleichsweise harmlos. Es komme auch vor, dass Maschinen kurz auf der Landebahn aufsetzen und dann wegen eines Risikos wieder durchstarten müssten. Im Flug-Jargon wird ein solches Manöver als „Touch-and-Go“ bezeichnet. Davon blieb die Air-Berlin-Maschine verschont. Laut DFS-Sprecherin Teleki drehte der Flieger eine zusätzliche Runde und konnte dann ohne weiteren Zwischenfall landen. Keiner der Passagiere wurde verletzt.

Ob und wie die Fluggäste im konkreten Fall über die Ursache des Fehlanflugs informiert wurden, konnte die Air-Berlin-Sprecherin am Freitag nicht sagen. In der Regel mache der Pilot im Anschluss an das Manöver eine Durchsage. Für solche Fehlanflugsverfahren gebe es genaue Handlungsanweisungen. Priorität eins für die Piloten: Die Maschine ohne weitere Komplikationen wieder auf den Boden bringen.

Rubriklistenbild: © dpa

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