Rund 50 Gegner der geplanten Wasserkraftanlage demonstrierten gegen deren beabsichtigten Bau. foto: seidel

Anwohner machen gegen Wasserkraft mobil

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Anwohner machen gegen Wasserkraft mobil

Berglern – Unter einem unglücklichen Stern steht die geplante Wasserkraftanlage beim Altwasser an der Sempt. Nach jahrelangem Diskurs mit den Bezirksfischern und dem Landratsamt protestieren nun Anwohner gegen das baureife Projekt.

Für die Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend, zu der sich rund 50 Berglerner, eingefunden hatten, war kein Beschluss vorgesehen. Zwar ist nach letzten Einigungen Baurecht gegeben, Bürgermeister Simon Oberhofer wollte den Tagesordnungspunkt aber lediglich zur Information nutzen, da zahlreiche neue Gemeinderäte an der Projektentwicklung nicht beteiligt waren.

Zur Geschichte: Einen ersten Denkanstoß lieferte der damalige Bürgermeister Herbert Knur bereits 2009. Zwei Jahre später lag eine Studie der Planungs- und Beratungsgesellschaft Selhoff GmbH vor. Dipl.-Ingenieur Göran Brandhorst führte damals hierzu aus, dass zwar der C O2-Ausstoß verringert werden könne, ein wirtschaftlicher Erfolg jedoch angesichts der hohen Investitionskosten nicht zu erreichen sei. Problematisch sei ferner, dass das Gefälle der Sempt auf einer Länge von mehreren 10 Metern vertieft und für die Fische eine Umgehung geschaffen werden müsse. „Das Wasserkraftwerk ist keine Anlage zum Gelddrucken“, so das damalige Fazit von Brandhorst.

„Wenn sich die Gemeinde dafür entscheidet“, hatte in besagter Sitzung der damalige Bürgermeister Herbert Knur erklärt, „wäre der Hauptgrund, dass der derzeit noch sehr im Argen liegende Einsatz von erneuerbaren Energien verbessert werden soll“.

In einer Bürgerversammlung wurde das Projekt danach vorgestellt und fand, mit wenigen Ausnahmen, Zustimmung, so dass der Gemeinderat den Auftrag für die Planungsunterlagen gab. Das Verfahren zog sich hin, nicht zuletzt, da die Bezirksfischer, Pächter des Semptabschnitts, erhebliche Einwendungen vorbrachten. Mit ihnen konnte sich der jetzige Bürgermeister Oberhofer dahingehend einigen, dass durch den Einbau einer Schneckenturbine die Fischdurchgängigkeit gewährleistet sei, so dass Baurecht erteilt wurde.

Der Realisierung stehen nun sowohl der Unmut der Bürger als auch ein Umdenken im Gemeinderat entgegen. Anton Scherer (BBL) beklagte am Donnerstag zum einen, dass die Sitzung nicht ausreichend vorbereitet worden sei, und bemängelte fehlende Fakten. Die sollen hinsichtlich der Kosten und Wirtschaftlichkeit erneut durch ein Ingenieurbüro geprüft werden, erklärte Oberhofer.

Heinrich Bauer (PuB) protestierte unter Applaus der Zuhörer, dass in der Bürgerversammlung die Änderung des Sempt-Gefälles nicht ausreichend erörtert worden sei. Der Beschluss sei aufgrund der weitgehenden Zustimmung unter falschen Voraussetzungen gefasst worden. Elisabeth Bauer befand, „dass man jede Planung revidieren kann, wenn man der Meinung ist, es ist nicht ideal für die Bürger“. Einzig Albert Furtner erinnerte daran, „dass wir alle umweltfreundlichen Strom wollen“.

Oberhofer kürzte die Diskussion dahingehend ab, dass es nur galt, über den aktuellen Stand zu berichten. „Ich denke, die Information ist angekommen“, erklärte er, „wir brauchen darüber nicht zu diskutieren“. gert seidel

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