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Beruf und Berufung: Diakon Sebastian Lenz, hier in der Berglerner Pfarrkirche St. Peter und Paul, denkt auch im Alter von 71 Jahren nicht ans Aufhören. 

35-jähriges Dienstjubiläum

Der Erste und Letzte: Diakon Sebastian Lenz

Sebastian Lenz ist seit 35 Jahren Diakon. Diese Arbeit ist für ihn eine Berufung. Seine Laufbahn ist etwas Besonderes: Nur er hat als Diakon einen Pfarrverband geleitet.

BerglernAuch im Alter von 71 Jahren denkt Diakon Sebastian Lenz nicht ans Aufhören.Sein Dienstjubiläum feierten die Berglerner Gläubigen mit ihm am zweiten Advent. Nach der Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Peter und Paul trafen sich alle zu einem Stehempfang zu Ehren des beliebten Geistlichen, der mit seiner Frau Veronika in Schwaig lebt.

Was hat sich innerhalb der letzten 35 Jahre in Ihrem Beruf verändert?

Diakon Sebastian Lenz: Es hat sich vieles verändert. Ich habe ja 1990 die Aufgabe bekommen, als Pfarrverbandsbeauftragter zu agieren. Das ist der Verantwortliche für einen Pfarrverband. Ich bin Diakon, habe also Theologie studiert und bin verheiratet, habe Kinder und auch Enkelkinder. Dass ich Pfarrverbandsbeauftragter wurde, war das erste Mal in der Erzdiözese München-Freising, da diesen Posten sonst nur Priester übernehmen dürfen.

Wie waren die Reaktionen darauf?

Lenz: Das war damals schon bei vielen ein Erstaunen. Der Pfarrer vor mir ist gestorben, und so haben sie auf die Schnelle jemanden gebraucht, der einspringt, also sozusagen aus Personalnot. Das war dann schon ein Aufschauen und viele dachten sich: „Warum darf der das machen“? Einige Priester waren damit nicht einverstanden, dass ein Diakon diese Aufgabe übernimmt. Ich war selber sehr überrascht und habe mich auch viel fortgebildet, um mich einzuarbeiten. Das war schon nicht einfach. Aber ich habe es so weit gebracht, dass ich fünf große und vier kleine Kirchen renovieren konnte. Ab 2000 hat Pater Christian Kummer schließlich den Pfarrverband mit mir geleitet. Nach so langer Zeit als Diakon war der Beruf für mich schon eine Selbstverständlichkeit. Es gab viele Zuzüge und neue Menschen in den Gemeinden. Die Taufen wurden aber immer weniger. Das ist schade.

Was gefällt Ihnen besonders an ihrem Beruf?

Lenz: Einfach dieses „Dasein“, dieses „Ich bin da für dich“. Vorgestern hatte ich wieder einen Notfallseelsorgeeinsatz. Ich bleibe bei den betroffenen Leuten, so lange es nötig ist. Das ist eine schwierige, aber für mich ganz wichtige Aufgabe. Das gehört einfach zu meinem Beruf dazu. Diakon bedeutet auf Deutsch „der Diener“, ich begleite also die Menschen. Ob das jetzt in schönen Zeiten, wie der Heirat ist, oder in schlimmen Zeiten, wie in Krankheit oder Unfällen. Das ist meine Passion.

Gibt es bestimmte Aufgaben, die Ihnen nicht gefallen?

Lenz: Ja, sicher. Die schwierigsten Aufgaben sind wie gesagt die Notfallsituationen. Was mir auch nicht gefällt, ist, dass man so wenig Rückmeldung bekommt. Es werden ja immer weniger Kirchgänger.

Wie lange wollen sie noch Diakon bleiben?

Lenz: Ich bin ja schon ein Rentner-Diakon. Ich will auf jeden Fall weitermachen, solange es mir noch gut geht und solange ich gesund bin. Ich freue mich jeden Sonntag, wenn ich beim Gottesdienst dabei bin und predigen kann. Das ist bei mir schon in Fleisch und Blut übergegangen. Auch wenn ich keine Predigt halte, bereite ich jede Woche eine vor, das geht schon gar nicht mehr ohne. Ein Sonntag ohne, dass ich eine Predigt vorbereitet habe, das wird es bei mir nicht geben. Es ist einfach meine Berufung, das Wort Gottes zu verkünden.

Welche Wünsche haben Sie für die katholische Kirche?

Lenz: Ich fände es wünschenswert, wenn man den Zölibat in die Freiwilligkeit umsetzen könnte. Ich kenne so viele gute, ehemalige Priester, die den Zölibat nicht halten konnten und geheiratet haben. Vor allem bei dem momentanen Personalmangel an Priestern wäre das eine sinnvolle Lösung. Ich war ja der erste und letzte Diakon bis jetzt, der einen Pfarrverband leiten durfte. Wenn das öfter der Fall wäre, hätte die Kirche nicht so ein Personalproblem.

Haben Sie Wünsche für den Pfarrverband?

Lenz: Unser Pfarrverband ist zum Glück gut mit Personal besetzt. Es könnte noch einiges an den Kirchen gemacht werden, aber im Allgemeinen läuft das schon sehr gut hier. Das haben wir auch unserem Pfarrer Gregor Bartkowski zu verdanken, der hier im Pfarrverband sehr angesehen ist.

Ist Ihnen nach der langen Zeit etwas besonders im Gedächtnis geblieben?

Lenz: Ja, das Besondere war auf jeden Fall, als ich den Pfarrverband Aufkirchen übernehmen durfte. Ich habe viele Leute kennengelernt, die mir bei meinen neuen Aufgaben geholfen haben, zum Beispiel Pfarrer Johann Hagl in Markt Schwaben, mit dem ich auch heute noch guten Kontakt pflege. Diese sechs Jahre würde ich niemals missen wollen. Ich würde es wieder machen.

Was gehört zu Ihren Aufgaben als Diakon?

Lenz: Alles, was ein Priester auch macht, außer die Umwandlung in der Eucharistiefeier. Also Wortgottesfeiern, Taufen, Trauungen, Beerdigungen gehören beispielsweise zu meinen Aufgaben.

Gibt es noch etwas, das Sie gerne zu Ihrem Jubiläum sagen wollen?

Lenz: Ja, dass ich den Leuten dankbar bin, dass sie mich ohne Vorurteile von Anfang an angenommen haben. Die Annahme von der Gemeinde ist das A und O. Ich kann nichts machen, wenn schon zu Beginn Barrieren aufgebaut wurden, aber ich wurde mit offenen Armen empfangen. Ich bin auch heute noch mit dem Pfarrverband Aufkirchen verbunden. Man wächst einfach mit den Gemeinden zusammen.

Zur Person:

Sebastian Lenz wurde am 1. August 1946 in Unterstrogn bei Erding geboren. Er besuchte acht Jahre lang die Volkshochschule, anschließend wechselte er auf das Gymnasium bei den Redemptoristen in Gars am Inn. Er verpflichtete sich bei der Bundeswehr, sein Wunsch nach Theologie blieb weiter in ihm. Nach seiner Bundeswehrzeit studierte er vier Jahre Religionspädagogik in München. Die Weihe zum Diakon folgte 1982. Er war in Markt Schwaben und Klettham tätig. Im Herbst 1990 kam seine Berufung als Pfarrverbandsbeauftragter in Aufkirchen. Nach 23 Jahren wechselte er zum Pfarrverband Wartenberg. Seit dem 1. Dezember 2017 ist er im Ruhestand und als Seelsorgemithilfe tätig. Mit seiner Frau Veronika (geborene Hintermaier) hat Lenz die drei Kinder Bernadette, Martin und Michael großgezogen sowie mittlerweile fünf Enkelkinder.

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