Starke Forschungsarbeit zur Weltwirtschaftskrise in Erding: Katharina Bauer aus Berglern (r.) erhielt den Forscherpreis des Historischen Vereins. Vorsitzende Heike Kronseder überreichte ihr die Urkunde. foto: kuhn

Forscherpreis

Forscherpreis für Katharina Bauer

Erding - Katharina Bauer (18) aus Berglern spielt Geige und ist vielseitig interessiert. Nun verlieh ihr der Historische Verein Erding den Forscherpreis.

Als Gymnasiastin hatte Katharina Bauer im Fach Geschichte eine Arbeit abgeliefert, die der Vereinsvorstand derart überragend fand, dass er sie mit dem mit 250 Euro dotierten Forscherpreis 2015 würdigte. Bauers Thema: „Die Weltwirtschaftskrise 1929 am Beispiel von Erding: Massenarbeitslosigkeit und ihre Bekämpfung durch den Freiwilligen Arbeitsdienst“.

Die Preisträgerin, die im ersten Semester Jura studiert, schilderte lebhaft, wie diese Arbeit zustande gekommen ist. Es sei um Katastrophen gegangen, und die Weltwirtschaftskrise sei eine solche gewesen. Veröffentlicht ist ihre Seminararbeit in der aktuellen Jahresschrift des Vereins. In ihrer Laudatio hob Vorsitzende Heike Kronseder vor allem Bauers akribische Quellenarbeit hervor. „Ich habe alles aus den Akten im Staatsarchiv zusammentragen müssen“, erzählte die Preisträgerin und bekannte: „Es freut mich, dass sich meine Mühe so gelohnt hat.“

Allein 50 Akten hat die Schülerin seinerzeit studiert, dazu kamen einige wenige Sekundärquellen, wie ein noch nicht veröffentlichtes Manuskript von Paul Adelsberger zur Weltwirtschaftskrise in Erding.

Bauer beschreibt ausführlich, wie es nach einem einstimmigen Beschluss des Stadtrates 1932 zum Bau des Turn- und Sportplatzes in den Geislinger Ängern kam. Der Arbeitsdienst stellte das Personal, Träger der Maßnahme war die Kommune. Auch kam Erding zu einer Reit- und Fahrbahn für Pferdesportveranstaltungen. Die junge Berglernerin listete akribisch auf, wann Arbeits- und Pausenzeiten waren, wer die Arbeitskleidung zu bezahlen hatte, und wie es um den Versicherungsschutz bei Unfällen stand. Bürgermeister in Erding war damals Max Lehmer, und der stellte bis zum 17. Dezember 3132 „Arbeitstagschichten“ fest.

Die junge Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Ganze gar nicht so schlecht war. Weil sogar die Zusammensetzung der Mahlzeiten vorgeschrieben war, habe Krankheiten durch Ernährungsmängel vorgebeugt werden können. Dass zum Programm auch die Schulbildung gehörte, bewertet Bauer ebenfalls positiv.

Sie ging auch auf den Missbrauch durch die Nationalsozialisten ab April 1933 ein. Aus dem Freiwilligen Arbeitsdienst, den Bauer als „zutiefst gemeinnützig“ beschreibt, wurde der „Reichsarbeitsdienst“ und damit eine halbmilitärische Organisation der NSDAP. (Klaus Kuhn)

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