Nie wieder: Am 2. Juni 2013 wurde Erding von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht, hier der Blick auf die Landgerichtstraße in Altenerding.
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Nie wieder: Am 2. Juni 2013 wurde Erding von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht, hier der Blick auf die Landgerichtstraße in Altenerding.

Auch in Eitting hält man von Mauern wenig

Berglern nach Erdinger Entscheidung besorgt: „Wollen eingebunden werden beim Hochwasserschutz“

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Vehement ihre Miteinbeziehung in die Planungen zum Hochwasserschutz fordert die Gemeinde Berglern. Sie ist nach einer Entscheidung im Erdinger Stadtrat besorgt. Auch in Eitting hält man wenig von einer Mauerlösung.

Berglern/Eitting – Wasser fließt bergab. Das ist eine Binsenweisheit, die jetzt zum Thema zwischen der Großen Kreisstadt Erding und der Gemeinde Berglern werden könnte. Wie berichtet, hat der Stadtrat vergangene Woche einen mobilen Hochwasserschutz abgelehnt, es läuft nun doch auch auf Mauern hinaus. Die Sorge in Berglern ist, dass das Hochwasser der Sempt nur durchgeleitet wird und ohne jede Rückhaltung im Ort ankommt. Unsere Zeitung hat auch mit Eittings Bürgermeister Reinhard Huber gesprochen. „Eventuell haben wir in fünf Jahren wieder ein Hochwasser, und nichts ist erreicht außer ein paar Gutachten“, sagt er.

Bürgermeister Anton Scherer ist gerade im Wasserwirtschaftsamt, als der Erdinger Anzeiger nachfragt. Er habe die Miteinbeziehung seiner Gemeinde bei den Planungen eingefordert, berichtet Scherer. Er stehe dazu auch in Kontakt mit der Landtagsabgeordneten Ulrike Scharf und den Bürgermeisterkollegen.

Berglerns FW-Vorsitzender Markus Geier machte vergangene Woche im Gemeinderat den Anfang: „Was ist von der Sempt-Allianz übrig geblieben?“, fragte er – und rannte damit auf der Verwaltungsbank offene Türen ein. Scherer äußerte sich ähnlich verstimmt: „Ich habe das Thema angesprochen. Wir wollen da eingebunden werden.“

Er informierte den Gemeinderat kurz über den Sachstand aus seiner Sicht: Durch Mauern entlang der Sempt, die über einen Meter hoch werden sollen, werde den aktuellen Planungen zufolge ein Hochwasser praktisch durchgeleitet. Es sei richtig, dass das dann eins zu eins in den tiefer gelegenen Gemeinden und damit auch in Berglern ankomme, was mit Sicherheit nicht widerspruchslos hingenommen werde. Das stellte Geier zumindest vorläufig zufrieden.

Gemeinderat Albert Furtner (FW) ist in der Sache bereits vor Ort aktiv und berichtete über einen nach Pfingsten geplanten Ortstermin unter Beteiligung des Wasserwirtschaftsamts. Furtner, wegen seines Vorschlags für eine eigene Gemeindeverwaltung für Berglern auch in der Kritik (wir berichteten) im Gemeinderat, erhielt für jahrelanges Engagement in Sachen Hochwasserschutz besonderes Lob auch von Scherer.

Die Pressestelle der Stadt Erding widerspricht auf Nachfrage unserer Zeitung dem Eindruck in Berglern, ein Hochwasser werde von Erding nur durchgeleitet. Es handle sich um ein Gewässer zweiter Ordnung, bei dem das Wasserwirtschaftsamt federführend sei. Stadtsprecher Christian Wanninger verweist auf Nachfrage auf die verschiedenen Varianten, die das Wasserwirtschaftsamt vorgestellt habe und auch darauf, dass immer mit Wänden werde gearbeitet werden müssen.

Allerdings hat die Vorstellung der Varianten im vergangenen Juli nur im Erdinger Stadtrat stattgefunden. Eine direkte Kommunikation mit den flussabwärts gelegenen Gemeinden gab es nicht, was unter anderem in Berglern für wenig Begeisterung sorgt. In der Präsentation des Wasserwirtschaftsamts im Stadtrat war davon die Rede, dass eine Hochwasserschutzmaßnahme, welche auch immer, gerichtsfest sein müsse. Die Gemeinden oberhalb von Erding haben sich zur Wehr gesetzt, was auch dokumentiert ist. Die Gemeinden unterhalb von Erding kommen in der Präsentation nicht vor.

„Eine Sempt-Allianz hätte ich für gut befunden“, sagt Eittings Bürgermeister Huber. Er finde es dagegen nicht gut, „dass einer über den anderen schimpft“. Bislang sei beim Hochwasserschutz „noch kein Strohhalm gepflanzt“ worden. Huber kann die Sorgen in Berglern nachvollziehen. Von Mauern oder mobilen Wänden hält er wenig. Bei Letzteren könne beim Aufbauen schnell mal eine Leckstelle auftreten.

„Für mich wäre das einzig Richtige irgendein Bauwerk, zum Beispiel in Pretzen oder Wörth. Das Wasser muss schon da oben gebremst werden“, sagt Huber, ein Mann vom Fach, der früher beruflich – bei Uniper – viel mit Wasser und Hochwasser zu tun hatte. Er plädiert neben besagtem Bauwerk auch auf ein Rückhaltebecken.

Als prominentes Vergleichsbeispiel nennt Huber den Sylvensteinspeicher, der für große Städte wie Passau oder Freising Schutz biete. „Das Wasser muss am Ursprung zurückgehalten werden“, betont Huber.

Eitting habe seine eigene Wehranlage, die geschlossen werden könne, um bei Bedarf weniger Wasser durchzulassen. Vor 31 Jahren sei eine Flutmulde gebaut worden. Hinsichtlich der Lage in seiner eigenen Gemeinde ist Huber nicht überaus besorgt – „es sei denn, es kommt noch mehr Wasser als jetzt schon“.

Eine kritische Stelle in seiner Gemeinde ist am Eittinger Kittenberg. Beim Jahrhunderthochwasser 2013 stand dort Wasser in Kellern, zuletzt sei im Januar die Straße überschwemmt gewesen. Mauern würden das Wasser eins zu eins weiterschieben, so Huber. Dann steige das Grundwasser. Ein Problem, das dann eben auch am Kittenberg auftrete.

Huber ist kein Fan diverser Richtwerte, die das Wasserwirtschaftsamt erstellt. Er nennt die Verbindungsstraße zwischen Eichenkofen und Eitting, für die aber die Stadt Erding zuständig sei. Der daneben verlaufende Fehlbach sei offiziell für 35 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ausgelegt, die Straße werde aber schon bei 14 Kubikmetern immer wieder überflutet. „Irgendwann passiert vielleicht mal ein Unfall mit Personenschaden“, befürchtet Huber.

Klaus Kuhn, Markus Schwarzkugler

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