Sechs Millionen Euro sollte die Sanierung des Kratzerwirts in Berglern ersten Schätzungen zufolge kosten. Coronabedingt ist das mittlerweile zu teuer für die Gemeinde.
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Doch keine Sanierung? Coronabedingt wird die Gemeinde die nötigen s echs Millionen Euro für den Kratzerwirt vermutlich nicht stemmen können. Entscheiden muss der Gemeinderat.

Sanierung zu teuer

Kratzerwirt in Berglern: Rücken jetzt die Bagger an?

Sechs Millionen Euro sollte die Sanierung des Kratzerwirts in Berglern ersten Schätzungen zufolge kosten. Coronabedingt ist das mittlerweile zu teuer für die Gemeinde.

Berglern– Läutet Corona das Totenglöckchen für den Kratzerwirt in Berglern? Genau so sieht es aktuell aus. Die Kämmerei hat arge Bauchschmerzen, die sechs Millionen Euro, verteilt auf die Jahre 2022 und 2023, in der mittelfristigen Finanzplanung zu belassen, zumal zunächst bei „Zuweisung vom Land“ eine Null als Einnahme stand, was mit Sicherheit falsch ist.

Und selbst wenn: „Ich glaube nicht, dass wir uns das leisten können, um es auf den Punkt zu bringen.“ Bürgermeister Anton Scherer (BBL) senkte in der Sitzung des Berglerner Hauptausschusses den Daumen und stellte offen die Frage: „Die sechs Millionen raus nehmen?“ Anna Mayr (PuB) dachte schon ganz radikal: „Kann man das aus der Hand geben? Kann man das los werden?“

Corona macht die Finanzierung unmöglich

Beim Etat 2019 stand der erste Betrag von drei Millionen Euro schon drin, da hatte die Rechtsaufsicht keine Bedenken, der Haushalt wurde genehmigt. Aber dann kam Corona und ein Etat 2020, der bei weitem die gesetzliche Mindestzuführung vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt nicht erwirtschaftet. Dass die Beträge für die Sanierung in der mittelfristigen Finanzplanung stehen bleiben, führte letztlich zur Ablehnung des Haushalts durch Anna Mayr.

Das Interesse der übrigen Ratsmitglieder an der Ausschusssitzung war groß, sie nahmen intensiv an den Beratungen teil. Christine Kohlschütter (FW) verlangte nachdrücklich, dass der Ausschuss eine solche Grundsatzentscheidung nicht treffen sollte: „Das gehört ins große Gremium.“

Keine gesicherten Zahlen für die Planung

Das war auch der wichtigste Grund, weshalb die Beträge zunächst noch in der mittelfristigen Finanzplanung stehen bleiben, geschönt durch einen fiktiven Zuschussbetrag des Landes auf der Einnahmeseite. Das ist nicht unzulässig, schon bei den ersten Überlegungen zu einem Nutzungskonzept war deutlich geworden, dass es eine satte Förderung vom Freistaat Bayern geben wird: 60 Prozent der zuschussfähigen Kosten. Auch wenn diese Information als gesichert gelten kann, haben Rat, Ausschuss, Planer, Bürgermeister und Verwaltung ein gemeinsames, derzeit völlig unlösbares Problem: Weder für die Ausgaben- noch für die Einnahmeseite gibt es auch nur annähernd gesicherte Zahlen.

Die genannten sechs Millionen Euro sind eine über ein Jahr alte Kostenschätzung des Architekten Udo Rieger. Sie wurde bereits mehrfach angezweifelt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem Alten Schulhaus in Wartenberg. Der Markt Wartenberg hatte mit dem gleichen Architekten gearbeitet.

Entscheidung im Gemeinderat

Bei der Bürgerversammlung 2019 schon war deutlich geworden, dass die Sanierung des historischen Gebäudes eines der umstrittensten Projekte in der Gemeinde überhaupt ist. Für und Wider prallten damals hart aufeinander, immer an der Frage orientiert, ob die Gemeinde sich mit diesem Vorhaben, so schön die ersten Ideen von Architekt Rieger auf dem Papier auch aussahen, nicht finanziell einen Bruch hebt.

Noch ist der Haushalt fürs Jahr 2020 in Berglern nicht durch den Gemeinderat, und Scherer griff den Wunsch von Kohlschütter auf und versprach: „Das wird auf jeden Fall noch mal auf die Agenda kommen.“

Klaus Kuhn

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