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Diese Akten enthalten die Genehmigung der dritten Startbahn - sind sie bald reif für den Reißwolf.

Selbst Startbahngegner brechen nicht in Jubel aus: Schritt geht nicht weit genug

Söders Absage ist „Populismus mit Hintertürchen“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder, die dritte Startbahn am Münchner Flughafen sei vorerst beerdigt und werde zumindest in seiner Amtszeit nicht mehr angepackt, stößt selbst bei den Ausbaugegnern auf unterschiedliche Resonanz.

Erding/Flughafen – Landrat und CSU-Kreisvorsitzender Martin Bayerstorfer spricht von einer „super Nachricht“, die ihn aber auch nicht überrasche. „Die Zahlen geben die Notwendigkeit einer dritten Bahn schon langer nicht mehr her, und seit Corona erst recht nicht“, sagt er unserer Zeitung. Beim Planfeststellungsbeschluss vor über zehn Jahren habe es noch viel mehr Starts und Landungen gegeben. Allerdings will Bayerstorfer nicht sagen, was in zehn, 20 Jahren ist. „Das kann niemand vorhersagen.“

Grünen-Kreisvorsitzende Helga Stieglmeier, viele Jahre Vorsitzende von Aufgemuckt und Mitstreiterin des erfolgreichen Bürgerentscheids 2012, sagte, Söders Aussage sei dessen „üblicher Populismus mit Hintertürchen“. Gefreut hätte sie sich dann, „wenn er den Planfeststellungsbeschluss aufgehoben hätte“. Nur das bedeute das endgültige Aus. Deswegen sei das auch keine Einladung zu Schwarz-Grün in Bayern.

Parteikollege Johannes Becher aus Moosburg, Flughafen-Experte der Landtagsfraktion, sagt: „Die Ankündigung verlängert die Hängepartie und das Damoklesschwert für alle, die dort leben.“

Ins gleiche Horn stößt der für Erding zuständige FW-Landtagsabgeordnete Benno Zierer aus Freising. „So kennen wir unseren Ministerpräsidenten.“ Der habe sich erneut davor gedrückt, die Piste endgültig aufzugeben. Zierer erinnert daran: „Es war die FW-Landtagsfraktion, die die dritte Startbahn auf Eis gelegt hat.“ Nun gelte es, das Vorhaben auch aus dem Landesentwicklungsplan zu streichen.

Berglerns Bürgermeister Anton Scherer spricht von einer „positiven Nachricht“, die aber nicht unvermittelt komme. „Corona hat den Luftverkehr stark verändert. Ich glaube, dass viele umdenken – auch in der Wirtschaft“. Er hofft, dass Söders Wort auf Dauer gilt. Im Moment sei der Bedarf angesichts des massiven Stellenabbaus „absolut nicht gegeben.“

Neben der CSU war vor allem die FDP immer für die dritte Startbahn. Dennoch nennt Kreisvorsitzender Christian Korn die Entscheidung richtig. „Es gab bei den Liberalen immer auch Stimmen gegen den Ausbau. Mir hat den Bedarf bisher niemand schlüssig erklären können.“ Das gelte erst recht, seit durch Corona die Zahlen massiv eingebrochen sind. „Die Bahn ist notwendig wie ein Kropf“, so Korn. Allerdings hält er nichts davon, „irgendetwas für immer auszuschließen“. Die nächsten Jahrzehnte brauche man das Vorhaben aber sicher nicht anzufassen. HANS MORITZ

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