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Ein Betonband mit Pilotcharakter

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Ständig gefüttert von Lastwagen-Fuhren, spuckt der gelbe Fertiger die Betondecke für die Fahrbahn aus. foto: kressierer
Ständig gefüttert von Lastwagen-Fuhren, spuckt der gelbe Fertiger die Betondecke für die Fahrbahn aus. foto: kressierer

Pastetten - Deutlich mehr als der übliche Autobahnbau findet gerade auf der A 94 zwischen Forstinning und Pastetten statt. Auf dem 6,5 Kilometer langen Abschnitt wird eine Technik angewendet, die wegweisend für den Autobahnbau der Zukunft sein wird.

Langsam bewegt sich der Betondeckenfertiger Richtung Osten. Alle paar Minuten kommt ein Lastwagen angefahren und kippt frischen Beton ab, der umgehend in die vorgefertigten Bewehrungsstahlgitter auf einer zehn Zentimeter dicken Asphaltdecke gekippt wird. Lange warten können die wenigen Arbeiter nicht. Das Material muss schnell verarbeitet werden. Der Fertiger glättet den frischen Beton. Dabei ist er in allen Dimensionen exakt austariert. Schließlich muss das vorgeplante leichte Gefälle der künftigen Autobahnstrecke eingehalten werden.

Fast im Schneckentempo rollt der gelbe Koloss immer weiter. Hinter sich spuckt er eine frische und glatte Betonfläche aus. An dieser Stelle, unter einer Brücke zwischen Pastetten und Poigenberg, kann man das lange Betonband über weit mehr als einen Kilometer zurückverfolgen. Die bewehrte Betondecke wird in einem weiteren Arbeitsschritt noch mit einem DSHV-Asphalt versiegelt. Die vier Buchstaben stehen für Dünne Schicht im Heißeinbau-Verfahren. Dünn heißt in diesem Fall 1,5 Zentimeter. Im dauerhaften Einsatz geht man von einer Lärmminderung um 4 dB aus.

Ein kostengünstiger Belag, mit dem man bei Lärmsanierungen andernorts bereits gute Erfahrungen gemacht hat, wie Markus Kreitmeier von der Autobahndirektion Südbayern erklärt. Ministerialrat Siegfried Scheuer pflichtet ihm bei und spricht mit Blick auf die A 94 zwischen Forst-inning und Pastetten von einer „freiwilligen Leistung“. Das heißt in diesem Fall: Der Freistaat baut auf einem Teilstück der nördlichen Fahrbahn dieses Abschnitts einen geräuschärmeren Belag ein. Einen qualitativ höherwertigeren Belag, als der, der im Planfeststellungsverfahren gefordert wird, wie es offiziell heißt.

Der Streckenabschnitt bis Fendsbach dient den südbayerischen Autobahnbauern auch dazu, unterschiedliche Belage zu testen. Insgesamt werden gegenwärtig drei verschiedene Unterlagen erstellt. Von Forstinning aus bis etwa zum Erlbach entsteht eine unbewehrte Betondecke mit Rillen und Fugen. Ab dem Erlbach im weiteren Verlauf Richtung Osten wird auf der Nordfahrbahn die bewehrte Betondecke plus DSHV-Asphalt aufgetragen, auf der Südfahrbahn eine unbewehrte Betondecke mit DSHV. Die Bewehrung bewirkt, dass das aufgrund der äußeren Einflüsse unvermeidbare Reißen des Betons feiner verteilt wird und nicht in Form von großen Rissen auftritt, die dann schneller einen Sanierungsbedarf nach sich ziehen. Hier, an der A 94, kämen, so Scheuer zusammenfassend, Technologien zum Einsatz, die im bundesdeutschen Autobahnbau zum Teil noch ganz neu sind. Daher komme dem Abschnitt ab Forstinning aus Sicht der Ingenieurskunst ein Pilotcharakter mit vielleicht wegweisender Bedeutung zu.

Aus diesem Grund werden an der Nordseite Messinstrumente eingebaut, die nach der Inbetriebnahme im kommenden Herbst dem Bundesamt für Straßenwesen über Temperaturen und Zugkräfte Auskunft geben sollen. Die Messwerte sollen aussagekräftige Daten liefern, wie in Zukunft einmal ein Kompromiss zwischen Komfort (für die Autobahnnutzer) und Haltbarkeit (des Fahrbahnbelags) ausschauen muss.

Dass die Zukunft beim Beton liegen werde, so ließ Scheuer durchblicken, sei wohl unbestritten. Er sei tragfähiger und den nicht nachlassenden Belastungen durch den Schwerlastverkehr besser gewachsen. Probematisch seien bei der Betonbauweise bislang immer die Fugen gewesen. Die jedoch fielen bei der auf der A 94 angewandten Technik weg. „Wir hoffen, dass der Unterhaltsaufwand künftig geringer sein wird“, so der Fachmann von der Obersten Baubehörde.

An diesem Tag nimmt der Fertiger gut 500 Meter in Angriff. Dazu werden 1400 Kubikmeter Beton benötigt. Für einen Kubik sind 350 Kilo Zement nötig. 20 Lastwagen sind täglich unterwegs. Für die Zuschlagstoffe sind weitere rund 140 Fuhren nötig, rechnet Kreitmeier vor. Gut ein Dutzend Studenten der TU München und der Bundeswehrhochschule in Neubiberg sind an diesem Tag seine aufmerksamen Zuhörer. Die angehenden Bauingenieure wollen sich über Autobahnbetonbau informieren und finden ihren Hörsaal diesmal quasi auf die neue A 94 verlegt. jödo

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