In neuem Glanz steht das Gasthaus Rauch jetzt da.
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In neuem Glanz steht das Gasthaus Rauch jetzt da.

Gasthaus Rauch in Grucking fünf Monate lang umgebaut und komplett saniert

155 Jahre alt – und alles neu

Die Familie Rauch hat die Pandemie genutzt und ihr Gasthaus in Grucking komplett saniert. Aber eigentlich hatten sie das sowieso vor.

Grucking – Gerade während einer Pandemie ein großes Gasthaus umfangreich umzubauen und zu sanieren, erscheint Außenstehenden zunächst unverständlich. Doch die Wirtsleute Rudolf und Marlene Rauch, die bislang glimpflich durch die für alle Gastronomen schwierige Zeit gekommen sind, hatten diese Bauarbeiten schon drei Jahre zuvor geplant und vorbereitet.

„Wir hätten auch, wenn Corona nicht gekommen wäre, für einige Monate unser Haus schließen müssen, hätten aber eine Art Notbetrieb vorgesehen“, erzählen sie. Mitte März 2020 sperrten sie zu, begannen mit dem Umbau, wie vorgesehen, im November. Und seit Ostern 2021 bieten sie sonntags Essen zum Mitnehmen an.

Das U-förmige Anwesen an der Kirchstraße in Grucking besteht seit 1866 als Gasthaus. Den Namen Rauch trägt es seit Juli 1921, als der Pferdehändler Alois Rauch zusammen mit seiner Frau Maria Fenk das Lokal übernommen hatte. Er führte das Haus sehr erfolgreich, und so konnte 40 Jahre später sein jüngster Sohn Rudolf ihm als Wirt nachfolgen. Nun ist Enkel Rudi junior seit 2002 Chef, der jetzt umgebaut hat. „Wir haben die bisherige Durchfahrt im seitlichen Hof komplett überbaut. Dort befinden sich jetzt neben dem Eingang für Lieferanten ein Büro, diverse Räume für die separate Kühlung verschiedener Lebensmittel, eine Tiefkühlzelle sowie ein Aufenthaltsraum für das Personal“, erklärt der 50-jährige Wirt. „Auf dem Dach haben wir verschiedene Technik, wie das Lüftungssystem, montiert, und seitlich angebaut ist eine Metall-Außentreppe als Fluchtweg für den oben liegenden Saal.“ Von diesem Anbau führt der Weg direkt in die großräumige Küche. Hier werden, wenn wieder alles regulär läuft, vier bis fünf Personen arbeiten, die über Bildschirme sehen können, welche Bestellungen eingehen. „Auch hier ist so gut wie alles neu“, weiß Marlene Rauch (42).

Die Wirtsleute Marlene und Rudi Rauch hatten die Sanierung ohnehin geplant.

Die ehemalige Fachlehrerin für Soziales und Werken – was früher einmal Hauswirtschaft hieß – steht ihrem Mann mit Rat und Tat zur Seite und gibt einen Einblick in das große Bauprojekt. Denn auch das komplette Erdgeschoss wurde umgebaut: Neben der bisherigen alten Gaststube, die mit viel Liebe und Aufwand saniert worden ist, befindet sich auf der anderen Seite des Eingangs-Flurs nun ein ganz neuer Wirtsraum – mit einer zentralen Ausschank-Theke anstelle der bisherigen drei auf dieser Etage.

„Damit wir professionell umbauen konnten, mussten wir tatsächlich alle Böden und Leitungen erneuern, eine andere Verkabelung wurde nötig, sichtbare Stahlträger und Lüftungsrohre wurden eingezogen“, erklärt Rudi Rauch. Der gelernte Landwirt ließ zudem den gesamten Verputz an den Wänden sowie sämtliche Türen austauschen. In einer Ecke ist noch jene frühere, gekachelte Kammer zu entdecken, wo einst die Milch der Kühe gesammelt und transportfertig gemacht wurde, einige Utensilien an den Wänden erinnern noch daran. Von dort gibt’s sowohl Zugang zu neuen Sanitärräumen als auch zum so genannten Weinstall, einem urigen Raum für kleinere Gesellschaften bis zu 100 Plätzen. Wer von hier aus ins Freie tritt, entdeckt eine großzügige Überdachung in voller Hausbreite, unter der Empfänge selbst bei Regenwetter abgehalten werden können. Dennoch hoffen die Wirtsleute vor allem auf schönes Biergarten-Ambiente. Denn im Innenhof lassen sich, wie bisher schon, rund 100 Plätze an Tischen und Bänken unter freiem Himmel schaffen.

Was im bisherigen Wirtshaus oft kritisiert wurde, war die steile Stiege zum 200 Personen fassenden Saal im ersten Stock. Jetzt führt eine deutlich breitere Treppe über drei Ebenen bequem nach oben, mit Haltestangen an beiden Seiten sicher begehbar. Hier oben, wo nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise amerikanisches Kriegsmaterial gelagert war, wurden eine neue Brüstung eingezogen und der Fußboden saniert. Im Erdgeschoss, das jetzt insgesamt 120 Gästen Platz bietet, gibt es durchgehend eine Bodenheizung. Im Rahmen der energetischen Sanierung haben sich die Wirtsleute auch für ein Wärmerückgewinnungssystem entschieden.

Was die Wirtsfamilie Rauch jetzt noch braucht, sind Gäste: „Derzeit“, so Marlene Rauch, „bieten wir an Sonntagen Essen zum Mitnehmen an. Aber wir freuen uns natürlich besonders auf die Zeit, wenn wir wieder Gäste bei uns im Lokal oder wenigstens im Biergarten begrüßen dürfen, je nach aktueller Inzidenz“.

Einer der beiden Rauch-Söhne, der 16-jährige Felix, bereitet sich auch schon auf seine Zukunft hier vor, er lernt Koch. Sein jüngerer Bruder Moritz (13) geht noch zur Schule. „Ihn zieht’s aber eher zu unserer Landwirtschaft“, meint sein Vater Rudi sichtlich stolz. Auch nicht schlecht, schließlich kann nur gut gekocht und später hier verzehrt werden, was in Feld oder Stall gut produziert worden ist.

Friedbert Holz

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