Über die Landwirtschaftsschule Erding informierten (v. l.) Gerhard Stock (Kreisgeschäftsführer BBV), Dr. Josef Schächtl (Sachgebietsleiter Bildung und Landwirtschaft an der Schule), Stefanie Greimel (Wirtschafterin für Landbau), Otto Roski (Schulleiter) und Irmgard Posch (Kreisbäuerin).
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Über die Landwirtschaftsschule Erding informierten (v. l.) Gerhard Stock (Kreisgeschäftsführer BBV), Dr. Josef Schächtl (Sachgebietsleiter Bildung und Landwirtschaft an der Schule), Stefanie Greimel (Wirtschafterin für Landbau), Otto Roski (Schulleiter) und Irmgard Posch (Kreisbäuerin).

Landwirtschaftsschule Erding wirbt für sich – Großer Bedarf an Weiterbildung

Absolventen „auch draußen sehr gefragt“

„Hier wird ein größeres Blickfeld geboten, in dieser Schule wird fürs Leben gelernt“, sagt Otto Roski, Leiter der Landwirtschaftsschule Erding. Und: „Unsere Absolventen auch draußen sehr gefragt“.

Tankham – „Unser Berufsbild hat sich verändert: Wer heute als landwirtschaftlicher Betriebsleiter tätig ist, muss immer mehr Unternehmer sein – arbeiten auf dem Hof allein reicht nicht mehr.“ Das sagt ganz selbstbewusst Stefanie Greimel (23), die zusammen mit der Landwirtschaftsschule Erding auf den elterlichen Betrieb nach Tankham (Gemeinde Bockhorn) eingeladen hatte. Auch sie hat diese Schule besucht, nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung in zwei anderen Betrieben. Nun darf sie sich Wirtschafterin für Landbau nennen. Und sie wirbt für den Besuch dieser Schule, getragen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).

„Weil Gesetze immer mehr vorgeben und die Gesellschaft von Landwirten immer mehr fordert, ist es notwendig, dass zukunftsfähige Betriebe auch das entsprechende Rüstzeug bekommen – in Theorie und in Praxis“, erklärt Dr. Josef Schächtl. Er ist Lehrer an der Schule in Erding, leitet das Sachgebiet Bildung und Landwirtschaft. „Düngeverordnung, Artenschutz, das Verbot von Glyphosat, Vorgaben zur Ferkel-Kastration oder die Diskussion ums Tierwohl als einige Themen verlangen fachliche und persönliche Kompetenz, die wir den Schülern vermitteln.“

Heuer haben bereits 72 Landwirte den Berufsabschluss absolviert

In diesem Jahr haben bereits 72 Landwirte den Berufsabschluss zum Landwirt absolviert, informiert Schulleiter Otto Roski. „Es besteht nachweislich ein großer Bedarf an Weiterbildung zum staatlich geprüften Wirtschafter oder zum Landwirtschaftsmeister. Wir sind daher sehr froh, dass unsere Schule im Zug einer generellen Rationalisierung erhalten bleibt – denn zu uns kommen Schüler nicht nur aus dem Landkreis Erding, sondern auch aus den Nachbarkreisen München, Freising und Ebersberg, in Zukunft selbst aus Mühldorf und Fürstenfeldbruck.“

Auch Stefanie Greimel ist dankbar für ihre Ausbildung dort. „Wir haben hier auf dem Hof rund 140 Schweine in der Zucht, natürlich auch Ferkel, bearbeiten 60 Hektar Ackerland und drei Hektar Wald. Zudem betreiben wir Mais-Trocknung, und meine Mutter arbeitet selbstständig als Caterer“, erzählt sie und ist überzeugt: „Schließlich ist es heutzutage besser, mehrere Standbeine zu haben und damit für mögliche Krisen besser gewappnet zu sein.“

„Wichtig war für mich, auch mal von daheim raus zu kommen“

Die 23-Jährige hat an der dreisemestrigen Ausbildung nicht nur geschätzt, dass sie den elterlichen Betrieb, den sie einmal übernehmen will, „besser durchleuchten“ konnte. Sie hat auch Möglichkeiten zur Optimierung entdeckt, konnte sich Anregungen holen, wie der heimische Hof umgestaltet oder erweitert werden könnte. „Früher hatten wir zum Beispiel Milchvieh, jetzt sind Schweine meine Leidenschaft, trotz der Pest, die derzeit umgeht“, sagt sie und ergänzt: „Wichtig war mir aber auch, mal von daheim raus zu kommen, unter Gleichgesinnte, mit denen ich mich austauschen und ein gemeinsames Netzwerk aufbauen konnte.“

Gerhard Stock, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) , sieht noch weitere Vorteile im Besuch der Landwirtschaftsschule: „Wer hier seine Ausbildung genossen hat, die von Tierhaltung über Rechts- und Betriebslehre bis zu Kenntnissen in Mitarbeiterführung, Rhetorik und Präsentation reicht, kann später nicht nur einen landwirtschaftlichen Betrieb führen. Hier wird ein größeres Blickfeld geboten, selbst für branchenfremde Berufe, in dieser Schule wird fürs Leben gelernt.“ Und so sind, wie Schulleiter Roski gerne bestätigt, „unsere Absolventen auch draußen sehr gefragt“.

Greimel jedenfalls kann die Ausbildung an der Schule nur jedem Landwirt empfehlen. Es gibt nach ihrer Meinung in der heutigen Wirtschaftslage keine Standardlösung mehr. „Individuelle Wege sind zu suchen, je nach persönlichen und betrieblichen Voraussetzungen – ein ,Weiter so wie bisher‘ ist in der modernen Landwirtschaft jedenfalls nicht mehr angesagt.“

Dass der Schulbesuch kostenfrei ist, komme als Anreiz noch dazu, doch erst einmal sollte die Überzeugung dafür da sein.

Friedbert Holz

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