Wiesn-Ticker: Fahrgeschäft wegen Störung außer Betrieb - und es ist ausgerechnet dieses

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Gemeinderat Bockhorn

Bahnpläne „eine Provokation“

Bockhorn – Unzufrieden mit der Informationspolitik der Deutschen Bahn ist der Gemeinderat Bockhorn. Vor allem für Schwarzhölzl wird der Ausbau der Bahnstrecke nach Freilassing bitter.

Die Gemeinde Bockhorn ist an der Ausbaustrecke (ABS) 38 der Bahnlinie von München über Mühldorf nach Freilassing „nur“ mit einem winzigen Strecken-Teilstück beteiligt – im Ortsteil Schwarzhölzl dafür umso mehr. In dem Weiler stehen einige Häuser sowie eine Brücke direkt an der Bahnlinie. Über den Planungsstand stand ein Experte der Deutschen Bahn den Gemeinderäten in der Sitzung am Donnerstag Rede und Antwort. Doch außer seiner wiederholten Aussage, dass er „dazu nichts sagen“ könne, erfuhr das Gremium kaum Neues von dem Gast.

Nach Angaben des DB-Experten Markus Baumann „wird die gesamte Strecke zweigleisig ausgebaut und durchgehend elektrifiziert. Alle Haltestationen werden den neuen Anforderungen angepasst, sprich ausgebaut. Immerhin sollen hier einmal Züge mit bis zu 160 km/h sowie längere Güterzüge als heute fahren können.“

Auch die in Zukunft bis Dorfen führende neue S-Bahn (wir berichteten) soll diese Schienen befahren. Das dafür benötigte zweite Gleis soll rund vier Meter nördlich des bisherigen verlaufen, im Fall Schwarzhölzl also noch näher an der bestehenden Bebauung. Dann müsste auch die dortige Ortsverbindungsstraße verlegt werden sowie die Brücke „wohl einer neuen weichen“, so Baumann. Dies hänge auch von der Entscheidung der Nachbargemeinde Walpertskirchen ab.

Von dort war eine leine Abordnung der Initiative gegen die dort geplante Spange in die Sitzung gekommen. Die Gäste notierten alle Ausführungen des DB-Experten, sie murrte auch hörbar, als Baumann von 156 Zügen am Tag sprach (derzeit rund 70), die einmal dort rollen würden. „Wir wissen von Schätzungen, die bei 240 liegen“, war aus dem Walpertskirchener Lager zu hören.

Die Räte wollten wissen, wie viel Lärm mehr die veränderte Situation für die Bürger in Schwarzhölzl bringen werde. „Bekommen wir dort aktiven Lärmschutz – zum Beispiel eine Wand – oder nur passiven – zum Beispiel Lärmschutzfenster?“, fragte Lorenz Angermaier (Bürgerliste Kirchasch). „Wie konkrete Lärmschutz-Maßnahmen aussehen, wird ein Gutachter berechnen. Dafür gibt es aber keine Dezibel-Messungen vor Ort, sondern eine bestimmte Formel. Diese impliziert auch eine gewisse Kosten-Nutzen-Analyse – mehr weiß ich dazu nicht“, antwortete Baumann.

Bernhard Stein (CSU) forderte Klarheit darüber, ob in Schwarzhölzl ein Haltepunkt samt Park+Ride-Platz vorgesehen sei, wie ihn die FDP Erding vorgeschlagen hatte. Auch da blieb der Experte wortkarg: „Nicht die DB legt das fest, sondern die Bayerische Eisenbahngesellschaft.“

Walter John (Grünbacher Liste) erkundigte sich, ob das zweite Gleis südlich der bestehenden Linie verlegt werden könnte. Der geplante Verlauf sei doch eine „Provokation für die Leute dort“, meinte er. „Das geht nicht“, antwortete Baumann, „denn damit wäre der Kurvenradius dort enger als geplant, die Züge müssten langsamer fahren. Zudem hält die Bahn den nördlichen Raum bereits seit 1907 für ein zweites mögliches Gleis parat“.

Letztlich blieb den Räten nur noch die Frage, wo und wie Einsprüche gegen die Planung erfolgen können. „Gehen Sie zu Ihrem Bundestagsabgeordneten, der soll sich für Sie in Berlin beim Bundesverkehrsministerium einsetzen. Bis 2019 soll die Entwurfsplanung stehen, und im Planfeststellungsverfahren haben alle Betroffenen die Möglichkeit zum Einspruch.“

Wann er denn mit einem Baubeginn rechne? Baumann achselzuckend: „Das kann heute niemand sagen, bei der A 94 lagen damals rund 30 Jahre zwischen erster Planung und fertiger Fahrbahn“.

Friedbert Holz

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