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Walpertskirchener Spange: Bauern, Bürger und Gemeinde sind sauer auf die Bahn

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Stellte das Verfahren vor: BBV-Referent Franz Sedlmeier (r.) aus München.
Stellte das Verfahren vor: BBV-Referent Franz Sedlmeier (r.) aus München. © Roland Albrecht

Bauern, Bürger und Gemeinde Bockhorn sind sauer auf die Bahn wegen der Streckenführung der Walpertskirchener Spange. Ein Anwalt spricht von Planungswillkür.

VON FRIEDBERT HOLZ

Kirchasch – Ein wichtiger Termin im Erdinger Land rückt näher: Am 14. Oktober läuft die Frist ab für Einwendungen gegen die Bahn-Linien von Erdinger Ringschluss und Walpertskirchener Spange. Deshalb hat der Bayerische Bauernverband (BBV) ins Gasthaus Bauer nach Kirchasch eingeladen, um betroffene Landwirte und Bürger zu informieren. Bei dem Termin herrschte dicke Luft.

„Jeder Betroffene hat die Hol-Schuld, sich im Internet oder bei seiner Gemeinde über den geplanten Verlauf der Bahnstrecken zu informieren. Einwände als Grundstückseigentümer oder aus anderen Gründen gegen die jeweilige Trasse können bis zu diesem Termin bei der Planfeststellungsbehörde vorgebracht werden. Danach kommt es zum so genannten Erörterungstermin und letztlich zum Planfeststellungsbeschluss, quasi der Baugenehmigung“: Kaum hatte der Bewertungsreferent des BBV, Franz Sedlmeier aus München, den rund 50 Gästen im Saal das Verfahren erklärt, machte sich beim Reiz-Wort Walpertskirchener Spange auch schon lautstark Unmut breit. Josef Vieregg, Sprecher der Bürgerinitiative gegen die geplante Bahn-Querverbindung, monierte, dass die Gemeinde Bockhorn sowie deren Landwirte und Anwohner „bisher gar nicht ins Verfahren eingebunden sind, da noch keine Trasse festliegt“. Schon bisher sei dieses Bauwerk „auf dünnem Eis gelegen“, nach dem wahrscheinlichen Ende des Projekts 3. Startbahn liege sie gar „im Wasser“. Niemand verstehe den Sinn der Linie, die durch bestes Ackerland führe.

Geplant ist diese als Abzweig von der Strecke München-Salzburg zum neuen Erdinger Bahnhof, quasi als späterer Flughafen-Zubringer für Südbayern und Nachbar Österreich. Auch Bockhorns Bürgermeister Lorenz Angermaier ist sauer: „Wir haben von der Bahn nur eine nördliche Trasse in der Vorentscheidung präsentiert bekommen. Weder wurden uns Alternativen aufgezeigt noch wurde erklärt, weshalb gerade diese Linienführung gewählt wird. Das sollte nochmals geprüft werden.“

Anwalt Johannes Daseking von der Rechtsberatungsfirma Landvokat aus München, eingeladen als rechtlicher Betreuer für die Landwirte und erfahren in ähnlichen Großbauvorhaben, vermutete: „Hier handelt es sich um einen politischen Winkelzug – die Behörde hat sich erst einmal auf eine Trassen-Variante festgelegt und muss sich erst später, sofern dagegen Widerstand aufkommt, juristisch damit beschäftigen.“ Er riet deshalb allen Betroffenen, Einspruch zu erheben. „Offensichtlich“, so Daseking, „geht es hier um eine mittelbare Betroffenheit, um eine Form von planerischer Willkür“. Wie im Fall der Spange eine Trasse vorzugeben, weil diese vielleicht aus Sicht des Bahnhofs Erding oder aus anderen Interessen „am besten passe“, müsse geprüft werden. Dabei, regte eine Besucherin an, könnten sich auch Bürger aus Erdings Stadtviertel Williamsville beteiligen: „Hier gibt es einige, denen die bisherige Planung überhaupt nicht gefällt.“

Stadtrat Rainer Mehringer wollte das so nicht stehen lassen: „Wir verstehen alle Betroffenen und haben uns sehr um einen Kompromiss bemüht. Jahrelang haben wir uns mit dem Thema beschäftigt, und auch im Stadtrat ist nicht jeder glücklich mit der Entscheidung. Letztlich aber kann es bei einer solchen Entscheidung keinen absoluten Sieger geben.“

Bockhorns 2. Bürgermeister, Thomas Fisch aus Grünbach, meinte: „Vielleicht sollten wir bei der Behörde auch Verfahrensfehler einklagen. Denn wir haben bislang keinerlei Unterlagen zu einem Streckenverlauf erhalten, die Vorentscheidung würde aber zu unseren Lasten gehen.“ Auch hier ist sich Anwalt Daseking sicher, dass das von der Behörde juristisch zu prüfen sei. „Ich rechne sowieso mit einer langen Reihe von Aktenordnern, die gefüllt sein werden mit Einwänden gegen die Streckenführungen, auch im Norden vom Flughafen bis nach Erding.“

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