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Bauernhof-Kindergarten Hofzwerge Flanning

Buddeln, Hühner füttern, fürs Leben lernen

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In Flanning wird der erste Bauernhof-Kindergarten der Region eröffnet. Bisher sind Maria Kaisers „Hofzwerge“ eine Spielgruppe.

Josef hat viel zu tun. Auf einem Bauernhof geht die Arbeit ja auch nie aus. Mit seinem Frontlader bugsiert er vorsichtig eine Ladung Erde über einen Graben, der aufgefüllt werden muss. „Sonst kann man da nicht mit dem Rasenmäher drüberfahren“, sagt der junge Landwirt und neigt die Bulldogschaufel zum Abladen. Wieder ist ein Meter Wiese auf dem Kaiser-Hof eben. Den grünen Bulldog lässt Josef einfach mit der leeren Schaufel nach unten gekippt stehen. Klar: Als Vierjähriger hat er eben viel zu tun. Jetzt muss er unbedingt das kleine Karussell der Hofzwerge auf Touren bringen.

Die „Hofzwerge“, das ist derzeit eine Spielgruppe mit 16 Mädchen und Buben im Alter von zwei bis vier Jahren. Ab September wird daraus der erste Bauernhof-Kindergarten weit und breit. Zur Pädagogik gehören dort Pferde und Ponys, Felder und Hühner, ein Heuboden und manchmal auch „Opa Bep“. Wenn er mit seinem John Deere vorbeifährt, „dann sind wir abgemeldet“, erzählt Hofzwerge-Chefin Maria Kaiser über ihren Schwiegervater Josef, der bisher die Landwirtschaft betreibt. Die Kinder finden die Arbeit der Bauern und ihre Maschinen einfach spannend.

Pädagogik mit echter Hofarbeit

Drei Generationen der Familie Kaiser leben und arbeiten auf dem Hof in Flanning (Gemeinde Bockhorn). Die 38-jährige Erzieherin wohnt mit ihrem Mann Josef und den Kindern Rosa (7) und Valentin (9) ebenso dort wie ihre Schwiegereltern Elisabeth und Josef. Hinter dem traditionell bayerischen Bauernhaus steht ein großes Tipi, darum herum Schaukel, Sandkasten, Baumstämme zum Sitzen und Balancieren – das Reich der Hofzwerge.

„Es ist so reich, dass man jeden Tag etwas anderes findet. Die Natur und der Hof bieten so vieles“, erzählt Maria Kaiser über ihre pädagogischen Ansatz. „Wir haben echte Arbeit bei uns am Hof.“ Die Mädchen und Buben seien zum Beispiel mit Feuer und Flamme dabei, den Graben mit der Wärmeleitung zuzuschaufeln, der zum künftigen Austragshäuschen der Schwiegereltern führt. „Den Kindern ist die Baustelle am liebsten“, berichtet Kaiser. Ein Haufen Erde, kleine Schaufeln, ab und zu auch der Tret-Bulldog – mehr braucht es nicht.

„Die Kinder können sich hier gut entwickeln, ohne dass ich extra eine Turnstunde ansetze.“ Das beste Beispiel für ein Motorik-Training auf Hofzwerge-Art sei das Schubkarrenschieben. „Da merkt man erst, wie viele Schwierigkeiten manche Kinder damit haben.“ Die Zwei- bis Vierjährigen in Flanning sind natürlich schon Profis.

Die Stars auf dem Kaiser-Hof sind aber die Tiere. „Wir drehen täglich eine Hofrunde, bei der wir nach ihnen schauen“, sagt Maria Kaiser. Die Hasen haben gerade Junge bekommen, Pferde und Ponys schauen neugierig auf jeden Besucher, und die Hühner wissen: Wenn eine kleine Horde Hofzwerge in bunten Matschhosen durchs Gatter kommt, dann gibt’s was zu fressen.

Der ganze Betrieb ist ein Sinnesparcours

„Alles ist da“, sagt Jungbauer Josef Kaiser, „man braucht bloß die Schuhe ausziehen und über den Hof gehen“. Einen Sinnesparcours müsse man hier nicht bauen. Der gelernte Schmied und Schreiner ist auch Landwirt mit Leib und Seele. Heuer wird er den Hof vom Vater übernehmen. Der 34-Jährige sieht noch einen anderen Aspekt an der Arbeit seiner Frau: „So ein Bauernhof-Kindergarten steht auch für die so oft geforderte Diversifizierung in der Landwirtschaft.“ Anders als etwa Urlaub auf dem Bauernhof seien solche Angebote aber noch nicht so bekannt.

Seit sechs Jahren betreibt Maria Kaiser in Flanning die Spielgruppe. Unter den anfangs sieben Mädchen und Buben waren auch die eigenen Kinder. „Ich habe gemerkt, dass sich das gut ergänzt“, erzählt die Erzieherin über das Miteinander von Landwirtschaft und Kinderbetreuung.

In der Spielgruppe betreuen die Erzieherin und ihre Mitarbeiterinnen Maria Ascher und Karin Hafner die Kinder derzeit an drei Vormittagen zehn Stunden in der Woche. Ab September bietet Kaiser sehr viel mehr: Der „Naturkindergarten auf dem Bauernhof“, wie es offiziell in der Genehmigung heißt, wird von Montag bis Donnerstag jeweils von 7.45 bis 14.15 Uhr geöffnet haben. Zusätzlich wird eine Spielgruppe an zwei Vormittagen für Zwei- bis Dreijährige eröffnet.

„Ich war immer am liebsten draußen“, erzählt Maria Kaiser über ihre frühere Arbeit in der Kinderinsel in Pretzen. „Ein Waldkindergarten wäre mir aber zu viel. Da ist man noch mehr der Natur ausgesetzt.“ Der Bauernhof biete einfach mehr Rückzugsmöglichkeiten. Bisher ist das große Tipi mit Feuerschale in der Mitte der Mittelpunkt des Hofzwerge-Tages. Das Indianerzelt wird aber einem festen Holzbau weichen.

Matschhose gehört zur Grundausstattung

Doch auch mit dieser neuen Unterkunft als Rückzugsort wird Maria Kaiser ihren pädagogischen Prinzipien treu bleiben. Die Hofzwerge sollen Naturerlebnisräume finden, spielen, beobachten und ausprobieren. „Des is a Königskerze“, sagt die kleine Ramona, und ihr Spielkamerad Johannes kennt sich aus, was die Hühner brauchen.

Nicht nur der Hof selbst, sondern auch die Natur in der Umgebung bietet vieles. In diesem Sommer waren die Biber an der nahen Strogen spannend. Da war kein Marsch zu weit. „Die Eltern glauben immer nicht, wie weit wir gehen“, erzählt Maria Kaiser lachend.

Natürlich ist Naturkindergarten nicht immer eine Schönwetterveranstaltung. Mützen, Matschhosen und Gummistiefel gehören zur Grundausstattung. Die Schlussrunde findet daher auch an solchen nasskalten Apriltagen wie heuer im Tipi statt. Das Feuer in dem großen Korb in der Mitte ist gerade abgebrannt. Die Betreuerinnen sammeln pitschnasse Handschuhe auf und stecken sie den Kindern in die Kapuzen, damit die Mama ja nichts vermisst. Schnell sind die Mädchen und Buben mucksmäuschenstill. Maria Kaiser erzählt die Geschichte von drei Ziegenböcken, die einem gefräßigen Riesen entkommen. Die Kulisse dafür hat sie zuvor aus einem großen Tuch, Moos und weiteren einfachen Gegenständen aufgebaut. Auch der kleine Josef hört staunend zu. Die Ruhe hat er sich ja auch verdient. Nach so viel Arbeit.

Informationen finden Interessierte aufwww.hofzwerge.de

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