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Powerfrau Hanni Rampfl mit ihrem Hauptgewinn Reinhard, Tochter Vrone und Sohn Christoph, daneben Oma Rosi Sailer. Nicht auf dem Bild ist Tochter Theresa. 

Familie aus Bockhorn

Bei den Rampfls ist jeden Tag Muttertag

Muttertag steht bei Familie Rampfl in Bockhorn nicht nur einmal im Kalender: Mama Hanni, die durch eine schwere Erkrankung seit langer Zeit im Rollstuhl sitzt, freut sich das ganze Jahr über die Unterstützung ihrer Familie. Ihren Mann hat sie in der Losbude kennengelernt.

von Gerda und Peter Gebel

Bockhorn – Sie ist zwar an den Rollstuhl gebunden, aber mit ihrer positiven Einstellung und viel Humor meistert die lebensfrohe Powerfrau Hanni Rampfl aus Bockhorn den Alltag trotz aller Einschränkungen. „Ich habe schon viel Glück gehabt im Leben“, sagt sie. Seit zwölf Jahren ist die 51-Jährige auf den Rollstuhl angewiesen.

Glück, das ist für sie das Leben inmitten ihrer Familie mit Ehemann Reinhard (47) und den Kindern Vrone (24), Theresa (22) und Christoph (20). In ihrem Heimatort Bockhorn haben sich die Rampfls ein gemütliches Heim geschaffen, das durch verschiedene Umbauten nun auch für Hannis Aktivrollstuhl gut zu befahren ist.

Eigentlich wollte die dreifache Mutter überhaupt nicht heiraten. Als junge Frau erklärte sie ihrer Mutter Rosi Sailer: „Mama, ich heirate mal nicht, weil die gscheiten sind schon weg und a Glump will ich nicht.“

Die gelernte Kinderpflegerin widmete sich mit Begeisterung ihrem Beruf, daneben engagierte sie sich beim Malteser Hilfsdienst. In einer Losbude der Malteser trifft sie 1992 auf den Mittbacher Reinhard Rampfl, der dort als Losverkäufer aktiv ist. „Das ist der Mann, den ich heiraten werde“, erklärte sie ihrer Freundin kurzentschlossen. Und tatsächlich, aus den beiden wird schnell ein Paar, und schon im nächsten Jahr wird geheiratet. Welch ein Glück, denn „ich habe mir damals den Hauptgewinn in der Losbude geschnappt“, schwärmt Hanni noch heute.

In den Jahren danach widmet sie sich vor allem der Erziehung der eigenen drei Kinder, steigt dann im Fahrdienst beim Christianum-Pflegedienst ein. Schon bald leitet sie die Einsatzplanung und übernimmt auch selbst viele Fahrten. Unterstützung findet die Familie immer bei Hannis Eltern Rosi und Jakob Sailer, die nur wenige Meter entfernt wohnen. „Wir haben schon immer gut zusammengehalten“, erklärt Oma Rosi (68).

Der Wendepunkt im Leben der Rampfls bahnt sich am 11. November 2006 an. Plötzliche, unerträgliche Kopfschmerzen überfallen Hanni Rampfl während eines BRK-Lehrgangs in München. Sie wird ohnmächtig und findet sich im Krankenhaus wieder, mit einer halbseitigen Lähmung der rechten Seite. „Glück gehabt, dass das passiert ist mit lauter Ersthelfern vor Ort“, erzählt sie. Der Verdacht auf einen Schlaganfall bestätigt sich nicht, es folgen Wochen voller Untersuchungen, die als Auslöser sogenannte Gefäßspasmen, also krampfhafte Verengungen der Blutgefäße, ergeben. „Damals haben wir natürlich alle gehofft, dass sich die Lähmungserscheinungen wieder bessern“, sagt Ehemann Reinhard.

Ungebrochener Lebenswille

Während Hanni noch in der Klinik ist, werden die Pflichten bei den Rampfls neu verteilt. Reinhard, der zu der Zeit selbstständig ist, kann sich die Arbeitszeit weitgehend einteilen. Oma Rosi übernimmt die Hauptlast mit der Kinderbetreuung, Wäsche und Kochen, obwohl sie mit Reinigungsarbeiten im Rathaus und ihrem Nebenjob im Service beim Erdinger Mayr-Wirt bereits voll ausgelastet war. „Die Kinder mussten schnell selbstständig werden“, sagt ihre Mama. Doch auch ihr Bruder Hubert, der mit seiner Familie in Forstinning wohnt, steht seiner großen Schwester zur Seite. Freundinnen, Nachbarn und Opa Jakob springen spontan ein, wenn Hilfe nötig ist.

Nach Wochen in der Klinik kommt die damals 39-Jährige zurück nach Hause. Sie kann nicht mehr gehen, auch keine Treppen steigen, doch ihr Lebenswille ist ungebrochen. „Mein Pflegebett stand mitten im Wohnzimmer“, erzählt sie. Ihren 40. Geburtstag verbringt sie in der Rehaklinik am Bodensee, doch das ist kein Grund, die Feier ausfallen zu lassen. Mit dem Zug reist die ganze Familie an.

„Das war eine anstrengende Zeit für uns alle, aber irgendwie ging es weiter, und wir haben uns nicht unterkriegen lassen“, blickt Reinhard Rampfl zurück. Weitere Glücksmomente folgen daheim, als Hanni in ein kleines Zimmer neben dem Wohnzimmer ziehen kann: „Ich hatte im Wohnzimmer überhaupt keine Privatsphäre“, erklärt sie. Auch die Kinder sind froh über den Umzug der Mutter, denn „wir konnten nur noch fernsehen, wenn die Mama wach war“, schmunzelt Sohn Christoph.

In Eigenregie wird das Haus nach und nach barrierefreier für Hannis Rollstuhl umgebaut, auch eine Gegensprechanlage zum „Hauptgewinn aus der Losbude“ wird installiert, damit Ehemann Reinhard jederzeit für Hanni erreichbar ist. Glücklich ist Hanni auch, als sie anstelle des alten, riesigen Rollstuhls, den sie kaum selber bewegen konnte, von der Krankenkasse einen wendigen Aktivrollstuhl bewilligt bekommt. Wie ein Wirbelwind kann das Energiebündel jetzt durch den Haushalt kurven, den sie nach wie vor weitgehend alleine bewältigt.

„Wir müssen uns alles hart erkämpfen“

Weniger glücklich sind die Rampfls über die zögerliche Unterstützung durch Behörden und Kassen: „Wir müssen um alles hart kämpfen“, erklärt Reinhard. Ob Schwerbehindertenausweis, Parkausweis oder Zuschüsse zu Umbauten – die Bewilligung gestaltet sich schwierig, da Hannis Krankheit nicht eindeutig zuzuordnen ist.

Hatten die Familie und die Ärzte anfangs noch auf Besserung gehofft, sind jetzt alle zufrieden, wenn die Verschlechterung nur langsam fortschreitet. „Durch die mangelnde Durchblutung sind nun schon die Gelenke wie Knie, Hüften und Schultern porös und brüchig“, sagt Hanni Rampfl. Nicht leichter macht es die noch dazu gekommene Rheuma-Erkrankung. Doch Hanni verliert nicht den Mut, sondern beherzigt einen Rat, den ihr ihre Oma als Kind mit auf den Weg gab: „Wenn du etwas nicht ändern kannst, nimm es an, wie es ist und mach das Beste daraus für dich.“

Sie, die früher für andere den Fahrdienst übernahm, entdeckt für sich das Fahren mit Bus und Bahn. Von Bockhorn mit seiner guten Busverbindung nach Erding startet sie den Weg in die Freiheit. „Mit dem Bus und der S-Bahn schaffe ich es alleine nach Erding und München, beim Fernverkehr bestelle ich mir die Umsteigehilfe der Bahn, das klappt perfekt. Ich musste erst lernen, um Hilfe zu bitten“ gibt die 51-Jährige zu. Doch inzwischen sind vor allem die jungen Asylbewerber stets zur Stelle und installieren ungefragt die Rampe für den Buseinstieg.

Schwieriger gestaltete sich für die aktive Frau die Rückkehr ins Arbeitsleben. „Oft scheiterte es an der mangelnden Barrierefreiheit der Arbeitsstellen, aber meistens schon an der mangelnden Bereitschaft der Arbeitgeber, sich auf eine Rollstuhlfahrerin einzulassen“, bedauert sie. Doch ihre Beharrlichkeit wurde belohnt, denn seit vorletztem Jahr hat sie dank ihrer Cousine Monika den perfekten Job gefunden. Vier Tage pro Woche arbeitet sie in der Grundschule am Grünen Markt in Erding in der Offenen Ganztagsschule. „Für die Kinder und meine Kolleginnen bin ich eine ganz normale Mitarbeiterin“ sagt die quirlige Hanni, die bei ihren Schützlingen sehr beliebt ist, „Für eine Kuscheleinheit auf dem Schoß stehen die Kinder mittags Schlange“, berichtet sie lachend. Die Kolleginnen nennen sie liebevoll „Rennschnecke“, die Kinder schätzen ihre „Bastelqueen Hanni“.

„Kann auch mit dem Rollstuhl tanzen“

Neben Arbeit und Familie nimmt sich die dreifache Mutter auch ihre Freiräume. „Der Samstagvormittag gehört mir“, sagt sie. Gestartet wird mit einem Kaffee bei McDonalds, dann steht eine Shoppingtour im Erdinger Westpark an. „Beim Kaufland darf ich meinen Einkaufswagen sogar in einem Nebenraum deponieren, damit mein Mann oder die Kinder die Sachen später abholen können“, freut sich die Rollstuhlfahrerin.

Keine Berührungsängste hat Hanni auch bei den Ü 30-Partys, die sie, natürlich schick gestylt, zusammen mit Freundin Andrea gerne besucht: „Man kann auch mit dem Rollstuhl tanzen“, versichert sie. Mit ihrer Kraft sorgt Mama Hanni für positive Stimmung im Familienclan und sagt mit Überzeugung: „Bei uns ist das Glas immer halb voll.“

Darüber freuen sich auch Großmutter Rosi und die Kinder: „Meine Freundinnen beneiden mich richtig um meine Mama, die meistens gut drauf ist“, erzählt die 24-jährige Vrone. Kein Wunder, denn Hanni hat doch schon vor 25 Jahren mit ihrem Reinhard den Hauptgewinn gezogen.

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