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Ortstermin am Feld bei Emling: Bernadette Lex (l.)und ihr Vater Lorenz Lex (r.) mit den Vertretern des Landesvereinigung für ökologischen Landbau und Experten.

Ökologischer Landbau in Bayern durch Corona im Aufwind

Biohof Lex in Emling: Eine Vielfalt, die Früchte trägt

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Optimistisch schauen die bayerischen Biobauern in die Zukunft. Ein Pionier des ökologischen Landbaus ist der Biohof Lex in Emling bei Bockhorn. 

Emling Die bayerischen Biobauern können recht optimistisch in die Zukunft schauen. Das machte am Dienstag die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) deutlich. Geschäftsführerin Cordula Rutz und Vorsitzender Hubert Heigl hatten auf den Biohof Lex in Emling bei Bockhorn eingeladen, seit Ende der 1970er Jahre ein Pionier des ökologischen Landbaus.

Der Biohof nutzt 150 Hektar für die Landwirtschaft. Angebaut werden Dinkel, Sojabohnen, Buchweizen, Speisemais, Quinoa, Braunhirse und Hanf, außerdem befasst sich der Betrieb mit der Saatgutvermehrung von Sojabohnen, Lupinen, Erbsen, Dinkel, Spelz- und Nackthafer. „Wir sind ein sehr vielfältiger Betrieb“, sagt Bernadette Lex, die mit ihrem Vater Lorenz und Schwester Raphaela an der Spitze des Betriebsleiter-Teams steht. 15 bis 20 Kulturen werden angebaut, außerdem 400 Legehennen gehalten – und einige Schafe.

Dass die Vielfalt Früchte trägt, zeigt sich auch heuer. Während, wie Lorenz Lex erklärt, der viele Regen in den vergangenen Wochen für den Hafer ein Wunderelixier war und ihn auch die Sojabohnen gut vertragen haben, hat der Buchweizen sehr gelitten. Ein Teil muss neu angebaut werden. „Es ist jedes Jahr irgendwas, das besser gedeihen könnte“, sagt Lex. „Manchmal ist das Wetter schuld, manchmal weiß man nicht so genau, was. Wenn das Wetter so bleibt, haben wir in diesem Jahr eine gute Ernte.“ Eine vielfältige Fruchtfolge habe Vorteile, betont Bernadette Lex. „Man setzt nicht nur auf ein Pferd. Etwas wird immer super, etwas immer mittel und irgendwas ist manchmal ganz dahin.“

Für die Einschätzung der Marktlage hatte der LVÖ Experten mitgebracht. Es gibt bei Ökoerzeugnissen seit Jahren einen Trend nach oben, aber Corona hat den Biobauern noch einmal in die Karten gespielt. Beim Getreide wächst die Nachfrage bei Dinkel, Weizen und Hafer wieder. „Vor allem heimischer Hafer hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt“, sagt Wilhelm Heilmann von der Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG aus Hohenkammer. Die meisten Lager seien derzeit ebenso leer wie die von Weizen und Dinkel. Der Fachmann rechnet bis zur neuen Ernte mit weiterer Nachfrage von Verarbeitern. „Für die kommenden Jahre haben große Abnehmer des Lebensmitteleinzelhandels bereits angekündigt, die Mengen zu steigern“, so Heilmann.

Auch Andreas Hopf, Geschäftsführer der Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern mbH, sieht einen wachsenden Trend zu Bioerzeugnissen. Vor allem bei den so genannten Ölsaaten und Speise-Leguminosen – das sind in erster Linie Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen – ist die Nachfrage nach heimischen Erzeugnissen so groß, dass sie der Markt derzeit nicht in ausreichender Menge bedienen kann. Sie werden aus EU-Staaten und Drittländern importiert. Hier suchen die Erzeugergemeinschaften nach wie vor Landwirte, die solche Früchte anbauen. „Bei Sonnenblumen und Sojabohnen konnte der Anbau in den letzten Jahren ausgedehnt werden.“

Bei den Kartoffeln sei die Nachfrage in den vergangenen fünf Jahren gestiegen, aber auch die Zahl der Erzeuger. Während Corona dem Handel einen massiv gestiegenen Kartoffelabsatz beschert hat, ist die Gastronomie als Abnehmer völlig weggebrochen. Neue Kunden sollen gewonnen werden, um noch mehr Landwirten den Umstieg auf Öko-Kartoffeln zu ermöglichen.

Wie Corona das Interesse an Bio-Produkten gesteigert hat, hat Familie Lex vor einigen Wochen erfahren. Neben der Genossenschaft Tagwerk als wichtigstem Vermarktungspartner spielen der eigene Hofladen und der Online-Handel eine bedeutende Rolle. Lex berichtete von einem Hof voller Autos, von Hamsterkäufen von haltbaren Produkten. Zeitweise sei der Online-Shop zusammengebrochen. „Die Kunden haben auch nach Rezepten fürs Brotbacken gefragt oder wollten aus Sojabohnen Tofu herstellen.“ Das Interesse am Urprodukt sei auf einmal wieder da gewesen, zu Hause selbst Kochen angesagt. Mittlerweile habe sich die Lage wieder normalisiert.

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