+
Sie geben anderen Eltern Freiräume: die betreuenden Mütter (hinten, v. l.) Bernadette Sedlmeier, Kathrin Geuder, Angelika Schweiger, Mathilde Glockshuber, Christiane Butz, Christine Schöfer, (vorne v. l.) Yvonne Gawlitza-Merkl, Bianca Landau, Corinna Roth und Magda Winkler. Nicht auf dem Bild: Heidi Huber.

Kinderbetreuung in Bockhorn, Watzling und Walpertskirchen

Bockhörnchen e.V.: Damit Eltern mal durchschnaufen können

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
    schließen

Damit auch junge Eltern mal zum Kaffee trinken oder Shoppen gehen können bietet Bockhörnchen e.V. eine Kinderbetreuung an drei Standorten.

Bockhorn/Watzling/Walpertskirchen – Spontan mal schnell mit Freunden zum Kaffee trinken oder Shoppen gehen. Was für den einen ganz selbstverständlich klingt, ist für Eltern kleiner Kinder im Alltag schlichtweg nicht möglich. Beispielsweise für die Mutter, deren Mann in der Arbeit ist und die ihren kleinen Sprössling nicht einfach unbeaufsichtigt daheim lassen kann. Abhilfe schafft in solchen Fällen der seit 2016 bestehende private Verein Bockhörnchen. Unter seinem Dach übernehmen Frauen – alle selbst Mütter – für ein paar Stunden die Betreuung und geben so den Eltern etwas Freiraum. Das Angebot an drei Standorten im Landkreis erfreut sich immer größerer Beliebtheit – auch in der Corona-Krise.

„Wir geben den Eltern Zeit zum Einkaufen, für Arztbesuche oder einfach, um einen Kaffee zu trinken, und gewöhnen die Kinder daran, mit ihresgleichen zu spielen, sich anzufreunden und erste gemeinsame Erlebnisse schon vor der Kindergartenzeit zu machen“, sagt Kathrin Geuder, die ausgebildete Erzieherin und Vorsitzende der Bockhörnchen ist.

Los ging’s vor vier Jahren –wie der Vereinsname schon verrät – in Bockhorn. „Wir sind mit zehn Kindern gestartet und Jahr für Jahr gewachsen“, berichtet Matthias Geuder, Schriftführer und Gatte der Vorsitzenden, mit der er drei Kinder hat. Mittlerweile betreut der Verein rund 55 Kinder nicht nur in Bockhorn (Bockhörnchen), sondern auch in Walpertskirchen (Zwergerlgarten) und Watzling (Watzlinger Kitz). Die jeweilige (Pfarr-)Gemeinde stellt dem Verein eine Räumlichkeit zur Verfügung – in Bockhorn im Pfarrheim, in Watzling im Bürgerhaus und in Walpertskirchen in der Grundschule. Die Trägerschaft des Zwergerlgartens hat der e. V. erst zum laufenden Schuljahr übernommen.

Die kleinen Kinder sind in der Regel zwei oder drei Jahre alt, also aus dem gröbsten Windelalter raus, aber noch nicht alt genug für den Kindergarten. Mittlerweile sind es fünf Gruppen mit jeweils rund zehn Kindern, die von je zwei Müttern zweimal die Woche (Montag bis Freitag) für zweieinhalb Stunden betreut werden. Mehr geht laut Matthias Geuder aus rechtlichen Gründen nicht. „Das wäre dann Kita-Bereich“, erklärt er. Das Angebot seines Vereins sei freizeitorientiert ausgelegt, auch Mütter ohne pädagogische Ausbildung dürften die Betreuung übernehmen. Der Unterschied zu Eltern-Kind-Gruppen: „Die Kinder sind als Gruppe allein mit ihren Betreuerinnen. Das ist gut für die soziale Eingewöhnung“, sagt Matthias Geuder.

Die Kosten für die Eltern – knapp 90 Euro im Monat – liegen ihm zufolge deutlich unter dem, was für eine Kita anfallen würde. Ganz kostenfrei gehe es aber auch nicht, da der Verein geringe Beträge für Material, Veranstaltungen, Raummiete und Taschengeld der betreuenden Mütter aufbringen müsse.

Angelika Schweiger, Vorstandsmitglied und Initiatorin der ersten Stunde, dankt den Gemeinden, der Pfarrei Bockhorn und dem Watzlinger Bürgerhausverein für ihre Unterstützung. Und fügt an: „Wir sind schon etwas stolz darauf, aus dem privaten Umfeld heraus so viel Unterstützung zu erfahren. Alle ehrenamtlichen Gruppenleiterinnen bringen sich für unsere Kinder mit viel Liebe und Herzblut ein. Dadurch lebt unser kleiner Verein so richtig auf“, lobt Schweiger. Der Verein zählt übrigens keine zehn Mitglieder, Betreuerinnen oder Eltern müssen dem Verein nicht beitreten.

„Gerade heuer, wo in Kindergärten und Kitas einige Plätze gefehlt haben, konnte der Verein zumindest ein klein wenig unterstützen und noch einige Kinder mehr aufnehmen. Für das Schuljahr 2021/22 gibt es sogar schon erste Vormerkungen“, sagt Matthias Geuder, demzufolge eine Anmeldung auch während des Schuljahres möglich ist. Und auch für Kinder, die nicht in der jeweiligen Gemeinde wohnen. „Wir haben in Bockhorn zum Beispiel auch einen Erdinger in der Gruppe“, berichtet Geuder. Priorität habe aber die jeweilige Gemeinde, diese stelle schließlich auch nicht zuletzt für die eigenen Kinder einen Raum zur Verfügung.

Alles bestens also, wäre da nicht Corona. Von März bis Juli hatten die Bockhörnchen wegen der Pandemie ausgesetzt, nach dem erfolgreichen Re-Start mit dem neuen Angebot in Walpertskirchen droht nun aber eine erneute Zwangspause. Derzeit laufe noch alles gut, berichtet Geuder, die Betreuung erfolge entsprechend der Hygienevorgaben des Gesundheitsministeriums. Die Eltern seien noch recht entspannt. „Wir müssen uns aber eventuell darauf einstellen, dass mal was ausfällt“, befürchtet Geuder. Derzeit würden die Betreuerinnen Masken tragen, die Eltern dürften den Gruppenraum nicht betreten.

Neben der Hoffnung, dass nichts ausfallen muss, wünscht sich Geuder in Zukunft einen weiteren Standort. In seinem Wohnort Lengdorf habe es bislang nicht geklappt, weil kein verfügbarer Raum gefunden worden sei.

Markus Schwarzkugler

Informationen zum Angebot und zur Anmeldung gibt es im Internet unter www.bockhoernchen.de.

Auch interessant

Kommentare