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Gut besucht war die Versam mlung der Obmänner im Bayerischen Bauernverband in Riedersheim. 

BBV-Obmännertagung 

Kaum Ermutigendes für Landwirte: Der Konsument ist „extrem preissensibel“

Sie sieht schwierig aus, die Zukunft der heimischen Landwirte mit Tierhaltung. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls Isabella Timm-Guri, die in der Ortsobmänner-Tagung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Gasthaus Prostmeier in Riedersheim vor rund 50 Vertretern der Landwirtschaft über dieses Thema referierte.

VON FRIEDBERT HOLZ

Riedersheim  Unter den Gästen, die BBV-Kreisobmann Jakob Maier begrüßte, waren auch stellvertretende Kreisbäuerin Lore Hermannsdorfer und Sparkassen-Vorstand Michael Utschneider , der über Investitionsstrategien sprach.

Als BBV-Expertin für Erzeugung und Vermarktung ging Timm-Guri auf das Spannungsfeld von Tierhaltern mit Verbrauchern, Medien sowie Politik ein – und zeigte dabei spannende Hintergründe auf. „Der Verbraucher, der Fleisch, Eier oder Milchprodukte im Supermarkt kauft, hat sich gedanklich meist weit von Landwirtschaft entfernt. Seine Liebe zu Haustieren ist zwar oft groß, manchmal gar abgöttisch. Doch über das Wohl von Nutztieren wie Rindern, Schweinen oder Hühnern wird kaum reflektiert.“

Werden sie mit Missständen in der Tierhaltung konfrontiert und nach ihrem finanziellen Beitrag für eine Verbesserung der Situation befragt, sagen nur 16 Prozent der deutschen Kunden, dass sie Fleisch mit ausgewiesenem Tierwohl-Label kaufen und maximal 13 Prozent mehr für die Produkte bezahlen würden. „Dabei“, beklagt die Expertin, „sollten die Menschen nicht nur den Sinn von SUV, Mährobotern oder Kreuzfahrten hinterfragen, sondern auch den ihrer Lebensmittel“.

Von der Politik erwarte sie hier keine große Hilfe: „Die öffentliche Wahrnehmung der Landwirte ist zu klein, Politiker mögen kaum Verbindlichkeit in ihren Aussagen, manchmal drückt sie auch der Parteizwang. Und die Medien hängen sich natürlich bei populären Nahrungsthemen gerne mit dicken Schlagzeilen dran und lassen oft Kompetenz vermissen.“

Tatsächlich sei speziell der deutsche Lebensmittelkonsument „extrem preissensibel und permanent auf der Suche nach Sonderangeboten“. Die fünf größten Supermarkt-Ketten würden dies im gegenseitigen Wettkampf sogar noch fördern.

Timm-Guri ging auch auf die Möglichkeit ein, durch eine so genannte Kombinationshaltung der Tiere als „Maß-und-Ziel-Kompromiss“ zur häufigen Anbindehaltung in Ställen eine bessere Fleischqualität zu erreichen. „Der Lebensmittelhandel wäre hier schon gesprächsbereit, doch viele Molkereien mauern. Dabei wollen sie aber keinesfalls als Zerstörer kleiner Betriebe an den Pranger gestellt werden, die einen Auslauf für ihre Tiere oft gar nicht darstellen können.“

Was geplante oder bereits umgesetzte Tierwohl-Labels auf Fleischpackungen angeht, hat sie ebenfalls eine klare Meinung: „Siegel, egal welcher Art, werden heimischen Erzeugern immer Wettbewerbsnachteile bringen. Denn mittlerweile ist die ganze Welt unser Marktplatz.“ Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner plane zum Beispiel eine freiwillige Kennzeichnung. Das machten dann wohl nur wenige Erzeuger mit. Hingegen seien die Stufen eins bis vier des Handels schon verpflichtend. Was aber geschehe mit den vielen ausländischen Produkten? „Die haben oftmals noch nicht einmal eine Null verdient.“

Schließlich erwarte sie auch nichts vom so genannten Mercosur-Abkommen zwischen der EU und einigen südamerikanischen Fleisch-Produzenten. „Seit 20 Jahren wird verhandelt, ein Papier liegt auf dem Tisch, aber noch ist überhaupt nichts beschlossen. Und viele Verbraucher bei uns sind auch noch stolz darauf, ein argentinisches Steak zu essen“. Gerade hier aber sei der Genuss von Fleisch mit Naturfrevel verbunden, würden doch wertvolle Regenwälder abgeholzt, um für Rinderzüchter riesige Maisfelder als Futtergrundlage zu schaffen.

Vor diesem Hintergrund verwunderte es nicht, dass einige der vor allem jüngeren Landwirte Fragen nach der Zukunft ihres Berufsstandes stellten, dass sie den Sinn neuer Investitionen in Zweifel ziehen. Dazu die BBV-Expertin: „Wenn einer wirklich Lust hat, Landwirt zu werden oder zu bleiben, soll er es tun. Trotzdem muss die Politik endlich Entscheidungen treffen, die allen helfen: Tieren, Erzeugern und Verbrauchern.“

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