Bürgerversammlung Bockhorn

„Wir wollen eine langsame Entwicklung“

Bockhorn hat nun über 4000 Einwohner. Beim Bauland will der Bürgermeister künftig nicht zu viel Gas geben. In der Bürgerversammlung musste Landrat Martin Bayerstorfer zu Streitthemen Stellung nehmen.

VON FRIEDBERT HOLZ

Bockhorn – Für einen Moment schaute Landrat Martin Bayerstorfer etwas verdutzt. Hatte ihn doch Walter John, Gemeinderat der Grünbacher Liste, bei der Bürgerversammlung im Schützenhaus in Mauggen gefragt: „Was ist denn mit Strabs?“ Erst schallendes Gelächter im Raum, dann nahm der Landrat Stellung zu diesem heißen Thema – der Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs). „Persönlich halte ich nichts von dieser Satzung“, sagte Bayerstorfer.

„Jede Gemeinde soll selbst entscheiden“

Im Landkreis Erding müsse man aufpassen, „dass wir nicht einen Großteil anderer Gemeinden in Bayern vergraulen“. Viele Kommunen seien finanziell nicht so gut gestellt wie die rund um Erding und müssten diese Satzung anwenden, um ihre Straßen in Ordnung zu halten. „Wir sind der Meinung, dass jede Gemeinde hier selbst entscheiden soll“, erklärte Bayerstorfer. Ministerin Ulrike Scharf wird demnächst dazu eine Info-Veranstaltung abhalten. Dieser Punkt interessiert in Bockhorn besonders: „Wir hatten mal eine solche Satzung, haben sie aber nie angewendet und dann wieder abgeschafft“, erinnerte Bürgermeister Hans Schreiner.

Auch zum Thema Flüchtlinge nahm der Landrat Stellung. „In einer offenen Gesellschaft ist Hilfe notwendig, die Unterstützung durch Ehrenamtliche ist zu loben. Wir halten uns aber an geltende Gesetze und Bedingungen, was Arbeitserlaubnisse angeht“, sagte er. Auf die Frage von Bernhard Stein (CSU), wann denn die Behelfsbrücke an der B 388 verschwinde, sagte Bayerstorfer, dass dies im Ermessen des Leiters im Camp Shelterschleife liege. Dazu kenne er kein Ergebnis, auch nicht auf die Frage von Franz Auer jun. (CSU), wann denn nun die Konversion des Fliegerhorsts erfolge. „In Erding weiß man dazu anscheinend immer mehr als hier“, sagte Auer.

Bei zukünftigen Plänen der Gemeinde nannte Schreiner den Bau eines zweiten Kindergartens, den Umbau der ehemaligen Arztpraxis, Straßen-Wartungsarbeiten und die Erhaltung von Kläranlage und Kanalnetz. Zudem stehen der Radweg zwischen Neu- und Unterstrogn und die Erweiterung des Bauhofs an. „Außerdem brauchen unsere Feuerwehren neue oder erweiterte Häuser und eventuell neue Fahrzeuge.“

Zuvor hatte der Gemeindechef in wenigen Zahlen das Jahr 2016 Revue passieren lassen. „Derzeit leben hier 4122 Einwohner, darunter 281 Ausländer aus 39 Nationen. Wir haben immerhin 298 Neubürger und eine erfreulicherweise steigende Anzahl an Kindern.“

Auch Bockhorns Haushalt sei gesund: Bei einem Gesamtvolumen von 8,3 Millionen Euro und Rücklagen in Höhe von 3,9 Millionen Euro könne gut gewirtschaftet werden. Hauptinvestitionen seinen Straßenbau (36 Prozent) und Breitbandausbau (24 Prozent). Die Gemeinde habe eine halbe Million Euro für die Ersterschließung mit schnellem Internet ausgegeben, aber die Akzeptanz sei bisher schwach. 250 Haushalte müssten noch versorgt werden, was weitere 280 000 Euro koste.

Erstes Rathaus mit Internet per Funk

Schreiner sprach sich eher verhalten für den Ausbau weiterer Baugebiete aus. „Unsere derzeitigen Flächen sind nahezu vollständig bebaut. Wir hätten noch mehr Parzellen verkaufen können, wollen aber eine langsame Entwicklung der Gemeinde und keine reinen Reihenhaus-Siedlungen – wir müssen auch an den Bau von Wohnungen denken.“ An den Landrat gewandt, lobte er die Anbindung Bockhorns im Öffentlichen Nahverkehr, und er verwies auf ein Pilotprojekt: „Wir sind die erste Gemeinde, die über Funk eine zweite Internetanbindung zum Landratsamt hat.“

Im Rahmen der Bürgerversammlung wurden auch drei Feuerwehrleute geehrt. Für jeweils 40 Dienstjahre bekamen Johann Altmann aus Emling und Georg Mayr aus Kirchasch einen Teller mit Urkunde, für 25 Jahre Andreas Huber aus Hecken einen Krug und Urkunde.

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