Schwierige Zeiten hat die erst ein paar Monate alte Französische Bulldogge Charly (l.) hinter sich. Sie wurde im Alter von acht bis zwölf Wochen über Ebay Kleinanzeigen gekauft und nach zwei Monaten im Tierheim Hamburg abgegeben. Auch Heime im hohen Norden befürchten eine Abgabewelle von in der Pandemie angeschafften Haustieren. Davon muss Alexandra Wendelken (r.) mit Blick auf Erding derzeit nicht berichten. F.: Marcus Brandt(DPA)/Privat
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Schwierige Zeiten hat die erst ein paar Monate alte Französische Bulldogge Charly hinter sich. Sie wurde im Alter von acht bis zwölf Wochen über Ebay Kleinanzeigen gekauft und nach zwei Monaten im Tierheim Hamburg abgegeben. Auch Heime im hohen Norden befürchten eine Abgabewelle von in der Pandemie angeschafften Haustieren. Davon muss Alexandra Wendelken mit Blick auf Erding derzeit nicht berichten.

Erdinger Tierschutzverein hofft, dass eine Abgabewelle von Lockdown-Vierbeinern im Heim ausbleibt

„Die Erdinger kümmern sich gut um ihre Tiere“

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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In vielen Tierheimen in Deutschland geht die Angst um, sie könnten von einer Abgabewelle von „Lockdown-Tieren“ vor allem jetzt dann in den Sommerferien überschwemmt werden. Beim Erdinger Tierschutzverein ist man dagegen noch entspannt.

Kirchasch/Landkreis – Die Rede ist schon von den „Corona-Tieren“. Deutschlandweit geht vielerorts in den Tierheimen die Sorge um, dass sie in dem Sommerferien geradezu überflutet werden könnten von zurückgegebenen Viecherln. Während die Urlaubszeit dafür ohnehin schon anfällig ist, kommt diesmal ein Faktor noch erschwerend hinzu: So manche Person hat sich ihr Tier vielleicht doch nur angeschafft, um sich im Lockdown über die triste Zeit zu retten. Nun, da wieder mehr erlaubt ist, hat man keinen Bedarf mehr für einen flauschigen Seelentröster –das Tier muss wieder weg.

Im Freisinger Tierheim gibt es bereits jetzt Rückgaben mit dem Hinweis: „Wir haben keine Zeit mehr“ oder „Wir sind überfordert“. Im Landkreis Erding sieht es glücklicherweise noch nicht nach einer solchen Entwicklung aus. „Aktuell – toi, toi, toi – haben wir noch kein Problem“, sagt Alexandra Wendelken, Vorsitzende des Erdinger Tierschutzvereins. Sie hat sogar ein Lob übrig für die Tierhalter im Landkreis.

Wendelken muss derzeit „keine exorbitanten Abgaben“ feststellen. Und wenn aktuell mal ein Tier zurückgegeben werde, sei es nicht erst in der Corona-Zeit adoptiert worden. „Wir rechnen damit, dass was kommen könnte, aber es kann gern so bleiben“, hofft die 48-Jährige.

„Wir achten sowieso darauf, dass wir die Leute gut briefen“, betont sie mit Blick auf die Vermittlungsgespräche im Kirchascher Tierheim. Da sei aber auch keiner dabei gewesen, der sich ein Zamperl speziell wegen der Pandemie zugelegt habe.

Was sich Wendelken aber vorstellen kann: Dass das eine oder andere Tier abgegeben wird, das privat übers Internet – beispielsweise über Ebay Kleinanzeigen – gekauft worden ist. „Vielleicht kommt da noch was“, so die Vorsitzende, die hofft, dass es nicht so sein wird.

Corona mal außen vor: Auch in den vergangenen Jahren seien die Sommerferien hinsichtlich Tier-Rückgaben nicht zum Problem geworden. „Das kann man an einer Hand abzählen“, sagt Wendelken und lobt: „Die Erdinger scheinen sich gut darum zu kümmern, dass ihre Tiere im Urlaub untergebracht und versorgt sind.“

Aktuell sei das Tierheim „gut voll“, allzu viele Kapazitäten seien nicht mehr frei. „Sommerzeit heißt immer Kittenzeit“, sagt Wendelken. Um die 45 Katzen und fünf Hunde, insgesamt zwischen 60 und 70 Tiere seien es derzeit in Kirchasch.

Unter der Obhut des Tierschutzvereins stehen aber noch viel mehr Viecherl. Zum Beispiel gibt es vier Hundepflegestellen, unter anderem bei der 3. Vorsitzenden Angelika Schöner in Kirchberg. Hinzu kommen vier bis fünf Pflegestellen für Katzen und das „Wilde Kinderzimmer“ von Michaela Maier in Walpertskirchen, eine Auffangstation vor allem für Igel, Wildvögel oder Eichhörnchen. Ein Großaufgebot an Katzen wohnt bei Alexandra und ihrem Mann Maik Wendelken zuhause in Erding. Die Bürokauffrau bezeichnet sich als katzennarrisch.

Wie Wendelken unserer Zeitung schon zu Beginn des Jahres berichtet hat, haben die pandemiebedingten Sicherheitsvorkehrungen die Vermittlung der Tiere erschwert, nicht zuletzt, weil die öffentlichen Besuchszeiten weggefallen sind. Gibt’s die nun wieder angesichts der derzeit niedrigen Inzidenzzahlen? „Wir sind aktuell noch a bissi vorsichtig“, antwortet Wendelken. Nach wie vor verzichte man darauf – die Termine waren immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Einzeltermine vor Ort würden weiter online oder per Telefon vereinbart. Die Pforten des Tierheims für zahlreiche Besucher auf einmal zu öffnen, das wolle man aktuell nicht riskieren, auch um zu verhindern, dass das Personal sich ansteckt und ausfällt.

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