Die Schäden an der Fichte zeigte Rainer Mehringer den Waldbesitzern beim Rundgang im Forst auf.
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Die Schäden an der Fichte zeigte Rainer Mehringer den Waldbesitzern beim Rundgang im Forst auf.

Waldbesitzervereinigung empfiehlt Mischbestände – Was ist mit Buche und Douglasie?

„Die Fichte passt nicht mehr in unsere Gegend“

Die Fichte ist dominant, doch eigentlich passt sie nicht mehr in unsere Gegend. Die Waldbesitzervereinigung setzt lieber auf Mischbestände. Was ist mit Douglasie und Buche?

VON FRIEDBERT HOLZ

Grünbach – Wenn sich trotz nur einstelliger Temperaturen und Nieselregen immerhin ein Dutzend gestandener Männer mitten im Wald trifft, muss der Anlass wohl ein wichtiger sein. Es handelte sich um eine Waldbegehung im Forst zwischen Grünbach und Großhündlbach, geladen hatte die Waldbesitzervereinigung (WBV) Erding. Neben einem allgemeinen Austausch zwischen Experten und Waldbesitzern stand ein hochaktuelles Thema an: die Behandlung junger Mischbestände.

Der deutsche Wald krankt bekanntlich auch im Landkreis. Denn der Klimawandel, viel zu trockene Sommer, der Schädling Borkenkäfer sowie orkanartige Stürme, haben den Baumbeständen arg zugesetzt und die Bestände teilweise stark reduziert. Und so bleibt manchen Forstbesitzern nur noch die Erkenntnis, dass ihr einst so wertvoller Wald manchmal gerade noch zur Herstellung von Holzpaletten taugt.

Das liegt auch, aber nicht nur an den überwiegenden Fichten-Beständen, wie Rainer Mehringer, Vorsitzende und Geschäftsführer der WBV, vor der Begehung erklärte. „Obwohl wir schon von Berufs wegen Optimisten sein müssen, braucht es ganz neue Wege in der Bewirtschaftung unserer Wälder. Es gilt, unsere überwiegenden Fichten-Forste in naturnahen Wald umzubauen; wir brauchen mehr und andere Sortimente“.

Denn speziell die dominierende Fichte, wie Marcus Nißl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) erklärte, passe gar nicht mehr in unsere Gegend. „Sie ist ein Nadelbaum, der viel Wasser braucht, der eigentlich aus dem Norden Europas stammt, wo es deutlich kälter ist, und sie fühlt sich vor allem in höheren Lagen wohl“. Hier bei uns, in einer einstigen Sumpflandschaft aus tertiärem Hügelland, habe der Boden keine optimale Nährstoffversorgung mehr.

Auch WBV-Förster Martin Rehmann sieht keine gute Zukunft für diese Baumsorte: „Ihr Anbau ist schon vor Generationen aus einer Notlage heraus entstanden, es geht ihr mittlerweile aber gar nicht gut. Für sie ist es nicht mehr kalt genug und wir müssen einsehen, dass ihre Existenz hier bei uns kein gottgegebener Normalzustand ist.“ Momentan, ergänzte Mehringer, würden immerhin 90 Jahre alte Bestände für wenig Geld verkauft, weil sie schadhaft seien. Auch er sehe mittlerweile die Notwendigkeit für andere Baumarten, vor allem für Mischsorten, die zudem klimaresistenter seien. „Ein guter Baum ist etwa die sehr hoch wachsende Douglasie, die aber viel Pflege bedarf und oft geastet werden muss. Dabei wollen wir aber niemanden sehen, der selbst auf lange Leitern steigt und sich gefährdet – das ist eine Arbeit für Profis mit Profi-Gerät“.

Förster Rehmann versteht auch nicht, weshalb die Buche, ein Baum mit langer Tradition und gutem Holz, hier nicht stärker verbreitet ist. „Dass sie heimisch ist, zeigen doch viele Ortsnamen aus der näheren Umgebung. Sie sollte in ihrem Anbau ebenso gefördert werden wie Linde, Ahorn oder die Weißtanne, zudem gibt es dafür Zuschüsse pro Baum.“

Wichtig in diesem Zusammenhang sei, dass die jungen Stämme gut gegen Wildverbiss geschützt würden, eventuell auch in einem Areal, das eingezäunt sei. „Und sie sollten mit den Jägern in ihrem Wald reden“, ermunterte der Experte, „denn es gilt, ein gemeinsames Bewusstsein für den Erhalt unserer Wälder zu schaffen“.

Schließlich gab Mehringer den mittlerweile nachdenklicher gewordenen Waldeignern ein wichtiges Motto mit auf den Weg: „Die entscheidende Frage unseres Handelns darf nicht allein der Gelderwerb sein. Vielmehr sollten wir umdenken und überlegen, welche Waldungen wir über eine längere Zeit durchbringen. Denn unser Holz sollte so lange wie möglich stehen bleiben können.“

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