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Kinderbasar: 30 Engel für Bockhorn

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Bockhorn – Das Organisieren von Kinderbasaren ist Knochenarbeit. Die Mamas vom Engel & Bengel e.V. haben sich das jetzt schon zum zehnten Mal angetan. Die Erlöse spenden sie an Kinderprojekte in Bockhorn. Bis Ende 2016 sind es 7000 Euro.

Kinderbasar, das ist Ausnahmezustand. Pünktlich zum Start stehen Mamas und Papas vor der Bockhorner Turnhalle bis zur Straße hinaus. Der ganze Ort ist am Samstagvormittag zugeparkt. Und im Gedränge vor Babystramplern, Playmobil und Lillifee-Glitzer helfen sowieso nur sanfte Nahkampftechniken. Vor allem rotieren aber rund 30 Mamas, ein paar zwangsrekrutierte Ehemänner und eine fleißige Kinderschar: die Organisatoren vom Engel & Bengel e.V. Beim zehnten Kinderbasar des Vereins wurden 160 Verkaufsnummern ausgegeben – hinter jeder stehen bis zu 30 Kleidungsstücke plus weitere Artikel.

„Für uns ist klar, dass es für uns an diesem Wochenende nix anderes gibt als den Basar“, sagt Nicole Floßmann, die Vorsitzende des Vereins. Etwa 30 Frauen haben am Freitag und Samstag volle Arbeitstage absolviert, ein Dutzend Kinder half mit. Los ging es schon am Donnerstagabend. Da half ein Handvoll Männer beim Herrichten der Halle und dem Tischeschleppen. Sonntagmittag sah es dort dann wieder so aus, als ob es die Schnäppchenjäger-Massen am Samstag gar nicht gegeben hätte.

Vorzeitiger Einkauf als Helfer-Zuckerl

Bockhorn braucht einen Kinderbasar, da waren sich Nicole Floßmann und einige Freundinnen Anfang 2012 sicher. „Das war, als wir damals gemeinsam von der Kindergarteneinschreibung zurückgegangen sind“, erinnert sich die Schatzmeisterin des Vereins, Brigitte Floßmann, an das entscheidende Gespräch. Aus diesem Ratsch unter Müttern wurde ein großes Projekt. Und nach einem kleinen Wettbewerb hatte das Baby auch einen Namen: Engel & Bengel e.V.

Die Vorsitzende gibt zu: Etwas Eigennutz war schon auch dabei bei diesem Wunsch. „Ich wusste ja selber nicht, wohin mit dem ganzen Krusch.“ Als dürfen Helferinnen provisionsfrei verkaufen. Wer einen Basar veranstaltet, ist zudem ganz nah an den besonders begehrten Stücken. Vorzeitiger Einkauf am Abend vorher ist daher ein wichtiges Zuckerl für die Aktiven. Da ist die Chefin aber strikt. Eine Stunde ist dafür reserviert – die Freigabe gibt sie erst, wenn die Arbeit am Freitagabend getan und danach noch eine Jahreshauptversammlung abgehalten ist.

Und am Markttag selbst dürfen nicht nur schwangere Frauen eine Stunde früher hinein, sondern auch Kuchenbäckerinnen. „Seitdem bekommen wir ganz viele Kuchen gespendet“, erzählt Floßmann schmunzelnd.

Früher einkaufen, ob das als Lohn ausreicht? So ein Basarwochenende ist für die Organisatoren Knochenarbeit. Die meisten Helferinnen sind Mütter wie Nicole Floßmann, sie arbeitet auch noch als Schulsozialarbeiterin in Fraunberg. Am Ende bleibt ihnen aber jedes Mal auch die große Genugtuung, mal wieder im Kleinen etwas Großes geleistet zu haben. „Für mich ist das so ein Trümmerfrauen-Feeling. Die Zufriedenheit, dass wir das alles geschafft haben“, sagt Birgit Eichner, die als Lehrerin in Moosinning arbeitet. Sie ist Beisitzerin im Vorstand.

Mit der offiziellen Vereinsgründung im März 2013 kam auch die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Doch einen amtlichen Stempel braucht der Verein für dieses Prädikat eigentlich nicht. Die Frauen engagieren sich rundum für ihren Heimatort. Nicht nur, dass sie den Terminkalender der Gemeinde um jährlich zwei bis drei Fixpunkte für junge Familien bereichert haben. Auch die Erlöse kommen von Anfang an den Kindern aus Bockhorn zugute.

Bisher hat Engel& Bengel bereits 3850 Euro gespendet. Immer haben Kinder in der Gemeinde davon profitiert – ob bei den Zuschüssen für den Spielplatz am Wolfanger (2000 Euro) und den in Grünbach (1000 Euro) oder kleineren Beträgen für Schule, Kindergarten, Bücherei, eine Flüchtlingsfamilie und die Hofzwerge in Flanning.

Sowohl bei Spenden als auch bei Einnahmen wird 2016 ein Rekordjahr. Am Wochenende hat der Verein 1600 Euro eingenommen. Dank Rücklagen sind die geplanten Zuwendungen viel größer. Schon vor dem Kassensturz des 10. Basars war klar: Die Grundschule soll 2222,22 Euro für das Zirkusprojekt im Juli bekommen. Weitere 1000 Euro gehen an den Kindergarten für ein Klettergerüst. Am Ende des Jahres wird eine gesamte Spendensumme von 7000 Euro stehen.

„Wir sind die Billigsten“

„Wir steigern uns ständig“, berichtet Schatzmeisterin Brigitte Floßmann über die Einnahmen. Beim ersten Basar im September 2012 blieben 600 Euro in der Spendenkasse. Bis 2015 hatte Engel & Bengel den Erlös pro Markt verdoppelt – jetzt waren es 1600 Euro. Auch die Einnahmen aus dem Kuchenverkauf halfen dabei.

Der Erfolg liegt ausschließlich im großen Zuspruch und der Masse an Waren. Denn weitaus der größte Teil des Verkaufspreises geht an die Besitzer der vielen Spielsachen, Kleidungsstücke, Bobbycars zurück. Engel & Bengel streicht nur 15 Prozent Provision ein. „Wir sind die Billigsten“, erzählt die Kassierin. Bei anderen Basaren würden zum Beispiel 19 Prozent einbehalten.

Der Ansturm beginnt am Freitagnachmittag. Viele stehen an, um ihre bereits mit den Verkaufsnummern versehenen Artikel abzugeben. Martha Goebel und Claudia Prostmeier sowie im Wechsel andere Duos nehmen die voll gepackten Kisten entgegen.

Der 20 Meter lange Gang zwischen dem Eingang und der Halle ist der Arbeitsplatz von ein paar fleißigen Kindern. Sie schieben den vollgestapelten Mattenwagen zur Sortier-Truppe. Sogar aussortiert wird notfalls, wenn die Verkäuferinnen finden, dass die Kleider zu alt oder schmutzig sind. „Das ist unser Anspruch“, erzählt Nicole Floßmann.

Die Engel & Bengel-Chefin und ihr Team sind stolz darauf, dass sie Kinderkleider nach Größen sortiert anbieten. Die Kunden können sich in der Turnhalle an Schildern orientieren. Auch das Angebot an Bücher, Brettspielen und vielem mehr ist ordentlich aufgeteilt. Und im Geräteraum der Turnhalle steht ein ganzer Fuhrpark an Dreirädern, Kettcars, Bobbycars und mehr.

Abrechnung mit Zettel und Karton

Am Markttag ist das Auseinanderdividieren der Verkaufserlöse eine Wissenschaft für sich. Engel & Bengel setzt dabei auf Zettel in Schuhkartons und eine alte Rechenmaschine. Die Kunden zahlen an bis zu vier Kassen. Die Helferinnen dort reißen die Verkaufnummern ab, auf denen der Kaufpreis notiert ist.

Gesammelt geht dieser Datenschatz in die „Registratur“ in einem Klassenzimmer der Schule. Dort ist das Töchter-Team von Engel & Bengel im Einsatz. Die Mädchen sortieren die Zettel. Hinter jeder Zahl steht ein Verkäufer. Später werden die Einnahmen unter einer Nummer addiert und 15 Prozent abgezogen. Am Sonntag bekommt dann jeder Verkäufer seine Einnahmen in einem Kuvert ausgehändigt.

Das System mit den Zetteln funktioniere für die Organisatorinnen, meint die Vorsitzende. Die Umstellung auf eine elektronische Lösung sei nicht unbedingt geplant. „Ich will nicht, dass jeder Basar für die Kunden anders ist. Aber mal schaun“, sagt Floßmann. Auch so ist für sie nach dem Basar vor dem Basar: Ein paar Monate hat sie Ruhe. Aber im Juli geht’s wieder los mit Werbung und dem Anschreiben von Helfern. Der Termin für den Herbst-/Winterbasar steht schon fest. Am Wochenende rund um den 10. September brauchen sich die Engel für Bockhorn nichts anderes vornehmen.

Serie Heimatgefühl

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von timo aichele

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