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Erdinger Milchbauern: Keine Gülle auf Grünland

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Von: Friedbert Holz

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Ein Teil des neu gewählten BDM-Kreisteams (v. l.): Hans Altmann, Wahlleiter Michael Hamburger, Kreisvorsitzender Mathias Lohmeier, Landrat Martin Bayerstorfer, Hans Eicher, Mathias Anzinger, Philipp Greimel (ausgeschieden), Konrad Brenninger und Korbinian Taubenthaler.
Ein Teil des neu gewählten BDM-Kreisteams (v. l.): Hans Altmann, Wahlleiter Michael Hamburger, Kreisvorsitzender Mathias Lohmeier, Landrat Martin Bayerstorfer, Hans Eicher, Mathias Anzinger, Philipp Greimel (ausgeschieden), Konrad Brenninger und Korbinian Taubenthaler. © Friedbert Holz

Die Milchbauern im Landkreis Erding kritisieren die neue Düngeverordnung und sehen ihre Tiere gefährdet.

Hörgersberg – „Jedem Landwirt muss es erlaubt sein, individuelle Einzelmaßnahmen zur Nitratsenkung auf seinen Feldern vorzunehmen.“ Dies ist eines der Ergebnisse aus dem Vortrag von Biobauer Jens Keim von der Interessengemeinschaft (IG) gesunde Gülle. Er sprach am Montagabend in der Mitgliederversammlung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Kreisverband Erding, im Gasthaus Obermeier. Rund 40 Landwirte waren nach Hörgersberg gekommen.

In der Versammlung wurde auch Mathias Lohmeier aus Dorfen für weitere drei Jahre als BDM-Kreisvorsitzender bestätigt. In einem flammenden Plädoyer zeigte Landwirt Keim aus Feuchtwangen auf, „dass Gülle eben nicht gleich Gülle ist, wie unsere Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gerne glauben macht“.

Die Problematik: Von 2025 an sollen laut aktueller Düngeverordnung Landwirte verpflichtet werden, Gülle auch auf Grünland, auf Wiesen mit wichtigem Viehfutter, streifenförmig auszubringen. Dagegen formiert sich bei den Milchbauern Widerstand, denn sie sehen die Gesundheit ihrer Tiere durch Verschmutzungen in der Gülle gefährdet. Jetzt, so Keim, soll die Politik dazu bewogen werden, diese bodennahe Gülleausbringung wieder zurückzunehmen. „Wir sind in einem konstruktiven Dialog mit Politikern, auch mit der EU, denn wir sitzen alle in einem Boot“, sagte er.

Keim plädiert für Alternativen und vor allem für ein allgemein gültiges Messverfahren, um für Ammoniak – „das doch augenscheinlich CO2-Emissionen nach oben drückt“ – einen konkreten Referenzwert zu ermitteln. „Zwar untersucht die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft ebenfalls dieses Problem. Doch sie geht nach anderen Kriterien vor.“ Ein verärgerter Landwirt meinte dazu: „Sie macht nur Versuche, deren Ergebnis bereits vorgegeben ist.“

Schützenhilfe bekam Jens Keim von Landwirtin Ingrid Bauer aus dem Landkreis Rottal-Inn. Sie befasst sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit Gülle, hat daheim sogar einen eigenen Kühlschrank mit Gülle-Proben. Sie zeigte auf, wie viele verschiedene Farben diese teils umstrittene Flüssigkeit als tierisches Ausscheidungsprodukt haben kann. „Jede Gülle ist anders, ihre Konsistenz hängt maßgeblich davon ab, wie wir sie pflegen.“

Diese Aussage warf bei vielen Milchbauern Fragen auf, und so gab die Expertin Tipps: „Gute Gülle lässt sich nur erreichen mit einem guten Futter für die Tiere.“ Aber auch die Hygiene im Stall sei wichtig – wie die Lagerung dieser Flüssigkeit. „Beim Blick in die meisten Gruben wird schnell klar, dass sie, je tiefer es geht, immer mehr verdickt. Hier könnte regelmäßiges Umrühren der Masse wahrlich etwas bewegen“, sagte Bauer.

Immer wieder rückt die Landwirtin mit ihrem roten Koffer aus, ein Mini-Labor, um das Emissionspotenzial von Ammoniak zu untersuchen. Sie ist überzeugt, dass sich durch gute Aufbereitung der Gülle auch ihre Fließgeschwindigkeit verbessern lässt.

Grundsätzlich vertritt sie wie Keim die These, „dass wir ganz neu über den Aufbau unserer landwirtschaftlichen Flächen nachdenken sollten“. Sie bietet übrigens Landwirten gegen eine Gebühr an, die Gülle zu untersuchen.

Beeindruckt von den über zweistündigen Referaten zeigte sich auch Landrat Martin Bayerstorfer, selbst Landwirt. Er stelle fest, dass die rund 470 Milchvieh-Betriebe im Landkreis Erding, die täglich etwa 8400 Kilogramm Milch produzieren, „am Puls der Zeit arbeiten“. Immerhin stehe viel hinter deren Engagement, „denn nur eine Kuh, die gut gepflegt und gefüttert wird, gibt auch gute Milch“, betonte er.

Das BDM-Landkreisteam:

Vorsitzender: Mathias Lohmeier (Dorfen), Stellvertreter: Hans Altmann (Pastetten), Konrad Brenninger, Hans Eicher, Bernhard Lanzinger, Korbinian Taubenthaler, Florian Wegmann (alle Dorfen), Markus Haunolder (St. Wolfgang), Mathias Anzinger (Hohenpolding) und Thomas Zollner (Eitting).

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