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Familie und Musik unter einem Dach: Martina Eisenreich lebt und arbeitet in Maierklopfen. In ihrem Tonstudio hat Eisenreich auch an der 50-minütigen Sinfonie für den Tatort „Waldlust“ gearbeitet. Auf dem Monitor eine Szene mit Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts.

Erfolgreiche Filmkomponistin 

Ein Tatort nach Martina Eisenreichs Noten

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Komponistin Martina Eisenreich ist 36 und bereits eine Größe in der deutschen Film- und Fernsehbranche. Unter vielen spannenden Projekten war für sie die Musik für einen Tatort eines der aufregendsten. Kommissarin Lena Odenthal ermittelt hier nach Eisenreichs Notenpartitur.

Maierklopfen Spürnase und forensischer Hokuspokus – schon ist der TV-Krimi gelöst. Beim SWR-Tatort „Waldlust“ war das etwas anders. Für den Dreh der übernächsten Episode mit Ermittlerin Lena Odenthal war die Musik eine ganz heiße Spur für die Schauspieler. Eigentlich fast die einzige: Am Set wussten nur wenige Eingeweihte, wie der Fall ausgeht. Regisseur Axel Ranisch hielt die Spannung hoch. Am Morgen jedes Drehtages rief er die Darsteller zusammen und setzte ihnen Kopfhörer auf. Dann hörten sie einen Teil der Sinfonie an, die speziell für diesen Tatort geschrieben worden war, und der Regisseur sagte: „Das ist jetzt die Stimmung.“ Die Komponistin ist eine Musikerin aus dem Landkreis, die sich Renommee in der Film- und Fernsehbranche erarbeitet hat: Martina Eisenreich.

Wunderkind und Jungstudentin

Diese Herangehensweise war für die 36-Jährige etwas Besonderes. Häufig ist ihre Kreativität erst gefragt, wenn alles andere schon fertig ist. Bei dem Tatort mit Kommissarin Lena Odenthal hat die studierte Filmkomponistin so aber quasi am Kriminalfall mitgeschrieben. „Die Darsteller haben sich bis zum Ende der Dreharbeiten gefragt: Wer ist jetzt eigentlich der Mörder?“, erzählt sie. „Ich bin stark an der Figurenentwicklung interessiert. Ich will nicht nur dekorieren und illustrieren.“

Der Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest. Erst wird im Januar 2018 noch eine andere Folge mit Ulrike Folkerts in der Hauptrolle gesendet. Bei den Hofer Filmtagen und beim Kino-Fest in Lünen wurde „Waldlust“ aber bereits gezeigt – und gefeiert. „Die Premiere war euphorisch“, erzählt Eisenreich.

Einer breiten Öffentlichkeit ist die 36-Jährige bisher vor allem als Bühnenmusikerin bekannt. Mit ihrem Martina-Eisenreich-Quintett tourt sie schon seit Jahren. 2012 und 2013 seien es jeweils 150 Konzerte gewesen. „Heute sind es nur noch 40 oder 50 im Jahr“, erzählt die Mutter von Ferdinand (5) und Leo (2). Ihr Mann Wolfgang Lohmeier ist der Schlagzeuger der Gruppe. Aufnehmen und Komponieren im heimischen Tonstudio in Maierklopfen (Gemeinde Bockhorn) ist für beide besser mit dem Familienleben vereinbar.

„Die Bühne war eher ein Unfall. Ich habe mich immer als Komponistin gesehen“, erzählt Eisenreich, die von vielen zunächst als improvisierende Violinistin wahrgenommen wird. „Dabei bin ich ja keine ausgebildete Geigerin.“ Eisenreich spielt unzählige Instrumente – und setzt sie auch selbst bei ihren Filmmusiken ein.

„Mit drei hat mir mein Papa ein Akkordeon mitgebracht, und ich habe gleich was rausgebracht“, erzählt Eisenreich von ihrem Werdegang als musikalisches Wunderkind. Ab der ersten Klasse bekam sie Geigenunterricht. „Dann habe ich jedes Jahr ein Instrument dazugenommen. In den Orchestern der Kreismusikschule habe ich oft das Instrument gespielt, wo gerade jemand ausgefallen ist.“

„In der Filmmusik darf alles passieren“

Aufgewachsen in Salmannskirchen, besuchte das Mädchen zunächst das Gymnasium in Erding, dann das musische Camerloher Gymnasium in Freising. Im Alter von 13 Jahren wurde sie Jungstudentin an der Hochschule für Musik und Theater in München und lernte klassische Komposition. Nach dem Abitur studierte sie dort Filmkomposition.

Schon in jungen Jahren kam das Mädchen aus Salmannskirchen so mit der Avantgarde der Neuen Musik zusammen. „Da haben sich ganz neue Welten aufgetan“, erinnert sich Eisenreich. Dass diese Kunst sperrig und schwer vermittelbar ist, habe sie nicht zuletzt an ihren Eltern gemerkt, die erste Konzerte an der Hochschule eher erduldeten als genossen.

„Musik muss die Leute packen und irgendwie kriegen“, meint die Komponistin. Bei Neuer Musik gelinge das aber oft nur mit kundigem Publikum. Anders bei Filmmusik – das merkte sie als Zwölfjährige beim Film „Edward mit den Scherenhänden“. Der Soundtrack hat Eisenreich gezeigt, dass gerade Filmmusik sogar mit avantgardistischen Klängen ein breites Publikum erreichen kann. „Da habe ich gemerkt, dass Musik in Verbindung mit Bildern anders wahrgenommen wird.“ Die Grenzen zwischen U- und E-Musik fallen. „Da darf alles passieren.“

Ein anderes Schlüsselerlebnis sei der Soundtrack zu „Matrix“ gewesen – „ein streng atonales Orchestererlebnis“. Nur ganz wenige Menschen würden nach Eisenreichs Ansicht freiwillig in ein solches Konzert gehen – in Verbindung mit dem düsteren Science-Fiction-Film war die Musik für Millionen Menschen ein Erlebnis.

Musikalische Brüche mit Spieluhr und singender Säge

„Bei Musik geht es doch immer darum: Hast du eine Geschichte zu erzählen?“, sagt die Komponistin. Das tut sie schon in der Wahl der Instrumente. Singende Säge, Spieluhr und Glocken setzen zu den Orchesterklängen der 50-köpfigen Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mysteriöse und dramatische Akzente. „Das ist bei der Filmmusik wichtig, einen Dreh reinzubringen, den man nicht erwartet – Elemente, die das brechen.“

Eine besondere Instrumentierung hat Eisenreich auch bei der ARD-Komödie „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ gewählt, die im Winter ausgestrahlt werden soll. Es ist eine leicht irrwitzige Geschichte in beige-grauer Rentner-Optik. Dafür hatte die Musikerin ein spezielles Streicherquartett im Kopf: ein Ensemble aus vier Kontrabässen. Die Bassgeigen brechen die bürgerliche Harmonie schon in ihrem Klang. Die Musik wirkt gleichzeitig lieblich und schrullig. Manchmal kommt die 36-Jährige auch als Statistin in Filmproduktionen vor – so auch im „Lotzmann“. Für eine irrwitzige Verfolgungsjagd treten die vier Kontrabassisten vom Quartett „Bassiona Amorosa“ als Straßenmusiker auf. Eisenreich steht davor und wirft eine Münze in den Hut.

Die 36-Jährige hat in der Branche auch eine besondere Stellung. „Es gibt sehr wenige, die symphonisch schreiben. Da bin ich zwischen den Welten.“ Diesen Weg beschreitet die Filmkomponistin schon seit gut zehn Jahren. Mit dem orchestralen Soundtrack zu „Mondmann“ sowie der Musik zu den Spielfilmen „Nimmermeer“ und „Reine Geschmackssache“ feierte Eisenreich erste Erfolge. „Ab dann lief’s“, erzählt sie.

Erste Aufträge aus Hollywood

Und wie es läuft. Im Sommer 2017 war auf ZDF Neo die Serie „Blaumacher“ mit Musik von Eisenreich zu sehen. Im Kasten ist der Film „Endlich Witwer“, der mit Joachim Krol in der Hauptrolle im Zweiten ausgestrahlt wird. Aktuell ist Eisenreich in der Kompositionsphase für zwei Folgen ZDF-Herzkino mit dem Titel „Ella Schöne“. 2016 hat die Musikerin aus Maierklopfen für einen US-Kinofilm mit Liv Tyler komponiert. In den Staaten hat sie auch eine Agentin und bereits erste Kontakte zur Hollywood-Musikszene. „Ich bin immer wieder in L.A.“, erzählt die 36-Jährige.

Konzert in der Stadthalle

Unter dem Motto „Musikalische Traumlandschaften aus 1001 Nacht“ tritt das Martina-Eisenreich-Quintett am Samstag, 9. Dezember, um 20 Uhr in der Stadthalle Erding auf. Das Ensemble musiziert beim Weihnachtskonzert mit dem marokkanischen Sänger Mohcine Ramdan und dem syrischen Trio Jisr. Eisenreich hatte die hochkarätigen Musiker 2016 bei einer BR-Fernsehsendung kennengelernt.

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