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Austern-Verkauf am stilechten Stand in Bockhorn: Hinterm Tresen stehen Josef Pommer, Markus Binding und David Dupuy (v. l.), davor warten schon die Genießer auf die Köstlichkeiten, zu denen trockener Weißwein passt. 

Austernverkauf 

Essen wie Gott in Bockhorn

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Bockhorn - Eine Austernbar in Bockhorn? Das ist zwar ungewöhnlich, hat aber gute Gründe – wie die Erkenntnis, dass Völkerverständigung besonders gut kulinarisch gelingt.

Ein Hauch von Atlantikluft wehte an Silvester durch Bockhorn. Dort verkaufte der Verein für die Gemeindepartnerschaft mit dem westfranzösischen Magnac-sur-Touvre Austern – mit guter Resonanz.

Die frischen Austern knacken leise beim fachmännischen Öffnen, Weißweingläser klirren, und Menschen lachen entspannt vormittags um zehn beim zweiten Frühstück. Diese Szene würde gut in jedes Luxushotel passen, doch sie ist in Bockhorn vor der Bäckerei Neumaier zu erleben. Dort werden an einem Stand frische Austern probiert und verkauft. Da breitet sich schon ein bisserl Urlaubsfeeling aus. Dass die Wärme aus einem Gasheizer strömt, stört nicht weiter.

Der Andrang ist groß. David Dupuy und Markus Binding kommen kaum mit dem Öffnen der harten Schalen und dem Herauslösen des Weichtieres nach. „1000 Stück haben wir ganz frisch aus Frankreich geholt“, erzählt Dupuy. Er stammt aus der Gegend von Magnac und ist Initiator und Motor des Vereins Komitee Bockhorn Magnac-sur-Touvre. Dupuy lebt seit zwei Jahrzehnten in Bockhorn, spricht perfekt Deutsch, ist aber seiner Heimat treu geblieben.

Vor gut zwölf Jahren wurde der Verein ins Leben gerufen, der den intensiven Kontakt zwischen den beiden Gemeinden pflegt und damit zur Völkerverständigung beitragen will. 50 Familien aus allen Gemeindeteilen Bockhorns sind aktiv, ebenso viele in Frankreich. „Besonders schön ist, dass sich so viele Jugendliche engagieren“, sagt Schriftführerin Odile Binding. Um die Jugendarbeit zu unterstützen, gibt es Aktionen wie den Austernverkauf.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Dupuy die Idee, Austern aus seiner Heimat in Bockhorn zu verkaufen. „Man hat mich für verrückt erklärt“, erzählt er mit trockenem Humor. „Wenn ich 200 Stück los würde, wäre ich gut“, hieß es. Doch die Zweifler haben die Rechnung ohne die Bockhorner gemacht. 600 Austern hatte Dupuy im Angebot. Sie waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.

„Also hab ich die Menge in diesem Jahr fast verdoppelt“, erzählt der rührige Franzose. Die Muscheln hat er direkt vom Erzeuger aus der bekannten Austerngegend Marennes-Oléron geholt. Sie liegt im Küstengebiet der französischen Region Charente-Maritime, eine Autostunde von der Partnergemeinde Magnac entfernt. Marennes-Oléron ist mit 60 000 Tonnen die größte Austernkultivierungsregion Europas.

Die Kunden kamen aus dem ganzen Landkreis. „Es hat sich herumgesprochen, dass wir frische Austern haben. Allein 600 Stück wurden vorbestellt“, freute sich Dupuy. Wer sich an den Geschmack herantasten wollte, konnte einen Probierteller mit einer Auster, einem Stück gebuttertem Baguette, Zitrone und einem Glas Weißwein bekommen. Die Delikatessen aus dem Meer wurden in Bockhorn übrigens standesgemäß verkauft. „Den selbst gezimmerten Verkaufsstand haben wir zusammen mit speziellen Tellern und Austernbesteck im vergangenen Jahr als Gastgeschenk von Freunden aus Magnac bekommen“, erzählt Binding.

Dass im Gegenzug auch die bayerische Kultur an den Atlantik gebracht wird, zeigt sich beim Christkindlmarkt, den die Franzosen bei sich veranstalten – inklusive allem, was dazu gehört. Der Kontakt wird übrigens rege gepflegt. Die Partner besuchen sich im jährlichen Wechsel. Die Vorfreude bei den Bockhornern ist schon groß: Heuer reisen sie nach Frankreich. 

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