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Selbstbehauptungskurs: Frank Gründel (l.) zeigt den Kinder, wie sie sich aus ungewollten Griffen eines Erwachsenen befreien können. 

Interessantes Ferienprogramm des FC Hörgersdorf

Sag deutlich „Nein!“: So können sich Kinder am besten selbst verteidigen

„Lass das, ich hass’ das!“ So lautete das Motto eines Kurses im Ferienprogramm der Gemeinde Bockhorn, angeboten vom FC Hörgersdorf für Kinder zwischen sieben und elf Jahren. Unter der Anleitung von Angelika und Frank Gründel lernten die Kinder, sich in Situationen zu behaupten, in denen viel Selbstbewusstsein nötig ist. Zum Beispiel, wenn es um die eigene Sicherheit geht.

VON FRIEDBERT HOLZ

Bockhorn– Eine Rasselbande von rund 20 Schulkindern, alle in ausgelassener Ferienlaune, unter Kontrolle zu haben, ist keine leichte Aufgabe. Doch die zwei erfahrenen Trainer, beide Jahrgang 1963, wissen, wie sie die Aufmerksamkeit auf ihr Thema lenken. Sie haben die Mädchen und Buben aus Dorfen, Taufkirchen und Bockhorn im Gymnastikraum des Sportheims versammelt. Alle sitzen barfuß vor einer großen Spiegelwand auf dem Boden und lauschen gespannt Trainerin Angelika. Die Sozialpädagogin weiß, wie wichtig es ist, als junge Frau auf unschöne Situationen vorbereitet zu sein. „Als ich vor vielen Jahren noch im Hasenbergl-Viertel in München gearbeitet habe, gab’s noch keine U-Bahn. Ich musste also auch noch spät abends auf die Straßenbahn warten, und es war mir nicht wohl dabei. Also besuchte ich einen Selbstbehauptungskurs bei der Volkshochschule und fühlte mich damit deutlich sicherer. Heute gebe ich diese Erfahrungen an Kinder und Erwachsene weiter“, erzählt sie.

Auch ihr Mann Frank, eigentlich Flugzeug-Techniker, kam über Aikido – eine defensive Art der Verteidigung, bei der nicht geschlagen oder getreten wird – zu diesem Thema. Hier wird Wert auf die gewaltfreie Lösung von Konflikten gelegt, es wird gegen und nicht mit Aggression gearbeitet. So lautet auch das Rezept beim Kurs in Hörgersdorf: lautstarke Ablehnung bei Angriffen, gekonntes Entkommen aus brenzligen Situationen.

Ein Kind zu einem deutlichen „Nein“ aufzufordern, klingt leicht, ist es aber gar nicht. Doch nach wenigen Versuchen schreien die Jugendlichen eine Absage in den Raum, dass die Ohren gellen. Dann lernen sie, richtig zu reagieren, wenn sie auf einem simulierten Schulweg, dargestellt mit einer Reihe von Turnmatten, von einer Person plötzlich angesprochen oder abgelenkt werden. Egal, ob Angelika Gründel mit einer Frage nach dem Bäcker stört, angeblich ihre Kontaktlinsen verloren hat, ein schickes T-Shirt lobt oder zur Besichtigung junger Kätzchen lockt: Die Kinder sollen höflich, aber doch bestimmt alle Angebote und Anfragen abweisen, sollen ihren Weg weiter gehen. Nach wenigen Versuchen klappt das schon ganz gut, erst allein, dann in der Gruppe.

Nach einer kleinen Pause im Freien, in der sich die Kinder austoben können, ist wieder Disziplin gefragt. Jetzt lautet die Aufgabe: Wie löse ich mich aus dem Griff eines Erwachsenen, der mich an der Schulter packt? Die Trainer führen es vor, die Kinder machen es nach: Ein resolutes Rückwärts-Drehen des betreffenden Arms löst die Greif-Blockade im wahrsten Wortsinn schlagartig, schon sind sie frei.

Die Kinder sollen aber auch lernen, Unterstützung von anderen Passanten einzufordern, wenn sie eine Situation zu überfordern droht. Sie sollen lernen, ihre eigene Wahrnehmung im Alltag zu schärfen, sich gezielt zu wehren und Eigenverantwortlichkeit zu entwickeln. Dass so etwas auch funktioniert, berichtet die Trainerin: „Erst vor Kurzem hat sich eine Mutter aus Neuperlach bei uns bedankt. Denn ihre Tochter, die hier einen solchen Kurs belegt hatte, wurde auf dem Schulweg verfolgt. Schließlich erinnerte sich das Mädchen an das Gelernte und folgte ihrem Gefühl, dass etwas nicht stimmen konnte. Sie ging in eine nahe Pizzeria und rief von dort ihre Mutter an. Die wiederum informierte die Polizei, und nach kurzer Zeit konnte der Verfolger gestellt werden.“ Solche Erfolge in der realen Welt machen auch den Trainern Mut, bestätigen sie in ihrem Wunsch, schon bei Kindern mit Persönlichkeitsbildung anzufangen. Und sie zeigen, dass es gerade bei den vielen Ablenkungen, denen sie ausgesetzt sind, wichtig ist, den Blick auf Wesentliches zu lenken. „Aufmerksamkeit ist der Grundstein für erfolgreiche Abwehr“, weiß Frank Gründel.

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