Los geht’s: Das Bild zeigt die Ferienprogramm-Gruppe, wie sie sich gerade vom Hohenlindener Pointnerhof mit den Alpakas und Lamas auf Wanderschaft begibt. Sieben Mädchen und drei Buben nehmen an der Bockhorner Ferienaktion teil.
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Los geht’s: Das Bild zeigt die Ferienprogramm-Gruppe, wie sie sich gerade vom Hohenlindener Pointnerhof mit den Alpakas und Lamas auf Wanderschaft begibt. Sieben Mädchen und drei Buben nehmen an der Bockhorner Ferienaktion teil.

Lamas und Alpakas helfen bei Stress – Bockhorner Ferienprogramm-Kinder auf Wanderung

Flauschige Ruhestifter

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Zehn Ferienprogramm-Kinder aus Bockhorn haben sich auf große Wanderung mit Alpakas und Lamas gemacht. Wie man mit den Tieren umgehen muss, und was eigentlich der Unterschied zwischen den beiden Kamelarten ist, erklären wir hier.

Bockhorn – Auf ihre großen dunklen Kulleraugen und ihr kuscheliges Fell stehen nicht nur kleine Mädchen: Lamas und Alpakas, eigentlich in Südamerika zuhause, gewinnen immer mehr Freunde. Mit ihnen zu wandern, sie friedlich fressen zu sehen, das hat eine beruhigende Wirkung. Und so machten sich im Rahmen des Bockhorner Ferienprogramms sieben Mädchen und drei Buben im Alter zwischen zehn und 13 Jahren auf zum Pointnerhof bei Hohenlinden (Kreis Ebersberg). Dort gibt es die Möglichkeit, die exotischen Tiere auf einem längeren Spaziergang kennen zu lernen.

„Diese Tiere sind wirklich sehr speziell. Denn sie wollen im Gegensatz zu unseren heimischen Vierbeinern weder angefasst noch gestreichelt werden, sie berühren sich auch gegenseitig nicht“: Ein erster Schock in den Augen der Kinder, die vor einer Scheune im Halbkreis um Daniela Schürger herum sitzen und gespannt ihren einführenden Worten lauschen. Sie ist Ergotherapeutin und beschäftigt sich schon länger mit den insgesamt 24 Alpakas und acht Lamas auf dem Hof.

In der Runde wusste niemand, dass die flauschigen Wiederkäuer nach der Geburt nicht wie andere Säugetiere von ihren Müttern abgeschleckt werden. Sie kennen Körperkontakt nicht und dulden „Streicheln nur ganz kurz“, wie die Leiterin der Exkursion betont. Sie findet einen griffigen Vergleich: „Das ist für sie etwa so, wie wenn ihr ganz lange euer Zimmer aufräumen müsstet.“

Dass sie spucken könnten, wie einige Kinder befürchten, deutet Schürger ganz anders: „Wegen ihrer sehr kurzen Zunge geben sie kaum Laute von sich. Spucken ist für sie daher Körpersprache, ihre gegenseitige Kommunikation.“

Bevor es endlich in den Stall geht, um die Tiere für die Wanderung durch Wald und Feld zu holen, gibt die Expertin noch ein paar Tipps zum Führen. „Die Tiere sollen eigentlich laufen und nicht nebenher fressen, was sie allerdings gerne versuchen. Ihr müsst das Seil, das am Kopfgeschirr befestigt ist, mit beiden Händen locker halten. Wenn ihr ruhig bleibt, sind es die Tiere auch. Sie sind wirklich einfach zu führen, wollen nie Chef sein.“ Umso mehr drängt es die mittlerweile etwas aufgeregte Kinderschar, „ihr“ jeweiliges Lama oder Alpaka in Empfang zu nehmen. Noch schnell ein Erinnerungsfoto von den begleitenden Müttern, und los geht’s.

Der Unterschied zwischen Lamas und Alpakas

Sowohl Alpakas als auch Lamas gehören zur Gruppe der Kamele. Jedoch haben weder Lamas noch Alpakas Höcker. „Sind das jetzt Lamas oder Alpakas?“ Diese Frage stellt man sich immer wieder, wenn man die Tiere sieht. Eines der Hauptmerkmale für die Unterscheidung ist die Größe. Während die Lamas eine Schulterhöhe von 120 Zentimetern erreichen können, bringen es Alpakas in der Regel nur auf rund 90 Zentimeter. Entsprechend sind Letztere deutlich zierlicher und wiegen rund 60 Kilogramm, während Lamas bis zu 140 Kilo auf die Waage bringen. Insgesamt wirken Lamas gröber und eckiger als die feingliedrigeren Alpakas, deren Fell meist gleichmäßiger und feiner strukturiert ist. Deswegen werden Alpakas insbesondere für die Wollgewinnung gezüchtet. Während die Ohren der Alpakas gerade nach oben stehen, haben Lamas eine leicht gebogene Form, vergleichbar mit Bananen. Beide Tierarten drücken mit den Ohren jedenfalls ihre Gefühle aus. Sind sie flach nach hinten gelegt, zeigt das, dass sie etwas stört oder ihnen etwas nicht ganz geheuer ist. Sind die Ohren nach vorne gestreckt, deutet das auf Neugierde hin.

Die Kinder versuchen, anfangs noch etwas verkrampft, neben den Tieren her zu gehen, haben sich entweder Flippo oder Django als Weggefährten ausgesucht, auch die zwei Lamas Quallas und Taliska sind sehr begehrt. In der Menge der Tiere sind sie aufgrund ihrer Größe und ihrer Ohren, die wie Bananen geformt sind (siehe auch Kasten), leicht auszumachen, sie schauen scheinbar gelangweilt etwas erhöht über das bunte Gefolge.

Martin Haindl, Gemeinderat in Bockhorn und Mitorganisator, freut sich: „Nicht nur das Wetter passt heute, die Kinder haben auch viel Spaß mit den Tieren. Wir wollten schon lange einmal eine solche Tour unternehmen, ich kenne den Hofbesitzer Leonhard Pointner schon länger.“

Endlich hat die Gruppe eine mit Gras bewachsene Lichtung am Waldrand erreicht – Pause für Tiere und Menschen ist angesagt. Darauf haben wohl vor allem die Lamas und Alpakas gewartet, die jetzt, ähnlich wie Kühe, sich auf das saftige Grün stürzen, es mit ihren starken Kauplatten zermahlen. Nun hat auch die Führerin etwas Zeit, über die Tiere und ihre Haltung zu erzählen. „Wir haben seit 2009 unser Herz an diese Exoten verloren, züchten sie mittlerweile selbst. Sie werden im Stall und auf einer Koppel gehalten, sind aufgrund ihres sehr dichten Fells sehr temperaturresistent. Und wir nutzen auch ihr Fell, aus dem wir beispielsweise besonders weiche Wolle produzieren“, sagt Schürger.

Mittlerweile ist auch bei den Kindern die Scheu gewichen. Valentin (12) etwa meint, dass er Alpakas schon einmal in Österreich gesehen habe, „damals aber keines führen durfte“. Die zehnjährige Amelie kannte sie „bisher nur aus dem Zoo“, und Maja (11) ist sich ganz sicher, dass ihr Alpaka Chino „besonders cool“ aussieht.

Mit beiden Händen locker halten muss man beim Führen das am Kopfgeschirr der Tiere befestigte Seil. Der zwölfjährige Valentin macht’s genau richtig. Er übt mit einem Lama vor dem Stall, bevor die Wanderung beginnt.

Langsam geht es zum Pointnerhof zurück, vorbei an Feldern und Wiesen, es herrscht friedliche Atmosphäre. Da wundert es nicht, dass Schürger ins Schwärmen gerät. „Diese Sanftheit der Tiere bringt selbst gestresste Zeitgenossen ganz schnell wieder zur Ruhe. Und so gehen wir mit ihnen manchmal zum Wald-Baden. Dabei lernen sie aber nicht nur die Tiere und ihr fast stoisches Gemüt kennen. Wir vermitteln ihnen auch Techniken zur Entspannung, zur ganz persönlichen Entdeckung der Langsamkeit.“ Für die Kindergruppe aber hat an diesem Vormittag der Spaß überwogen, manch eines will wieder kommen.

Sowohl Alpakas als auch Lamas gehören zur Gruppe der Kamele. Jedoch haben weder Lamas noch Alpakas Höcker. „Sind das jetzt Lamas oder Alpakas?“ Diese Frage stellt man sich immer wieder, wenn man die Tiere sieht. Eines der Hauptmerkmale für die Unterscheidung ist die Größe. Während die Lamas eine Schulterhöhe von 120 Zentimetern erreichen können, bringen es Alpakas in der Regel nur auf rund 90 Zentimeter. Entsprechend sind Letztere deutlich zierlicher und wiegen rund 60 Kilogramm, während Lamas bis zu 140 Kilo auf die Waage bringen. Insgesamt wirken Lamas gröber und eckiger als die feingliedrigeren Alpakas, deren Fell meist gleichmäßiger und feiner strukturiert ist. Deswegen werden Alpakas insbesondere für die Wollgewinnung gezüchtet. Während die Ohren der Alpakas gerade nach oben stehen, haben Lamas eine leicht gebogene Form, vergleichbar mit Bananen. Beide Tierarten drücken mit den Ohren jedenfalls ihre Gefühle aus. Sind sie flach nach hinten gelegt, zeigt das, dass sie etwas stört oder ihnen etwas nicht ganz geheuer ist. Sind die Ohren nach vorne gestreckt, deutet das auf Neugierde hin.

Friedbert Holz, Markus Schwarzkugler

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