Zwei Alternativen zum Gewerbegebiet: Bürger haben neue Standorte ins Gespräch gebracht.
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Zwei Alternativen zum Gewerbegebiet: Bürger haben neue Standorte ins Gespräch gebracht.

Bürger kritisieren Standort und schlagen zwei Alternativen vor

Flugblätter gegen 30-Meter-Funkmast im Mauggener Gewerbegebiet

In Bockhorn regt sich Widerstand gegen den im Mauggener Gewerbegebiet geplanten Funkmast der Telekom. Bürger äußern ihre Sorgen und schlagen Alternativen vor.

VON FRIEDBERT HOLZ

Bockhorn – Wer in der Gemeinde Bockhorn mobil telefonieren möchte, ärgert sich schon lange über die schlechte Netzversorgung. Daher haben alle Parteien im Wahlkampf eine Verbesserung versprochen. Es gibt zudem bekanntlich das Angebot der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm GmbH, auf dem Gelände des Wasserzweckverbands Erding-Ost im Gewerbegebiet Mauggen einen Mobilfunkmast zu erstellen. Doch das gefällt nicht jedem. Eine kleine Gruppe hat sich nun formiert und bringt Alternativstandorte ins Spiel.

Von dem Standort in Mauggen sollen nicht nur große Teile der Gemeinde versorgt werden, zusätzlich hat die Telekom auch für Kirchasch Standort-Ideen. Nun aber regt sich in der Bevölkerung Widerstand gegen dieses angeblich 30 Meter hohe Bauwerk. Nachdem Bürgermeister Lorenz Angermaier sich mit den direkten Anliegern im Gewerbegebiet unterhalten und ein Vertreter der Telekom in der Gemeinderatssitzung am 24. September Infos zur Mobilfunk-Situation gegeben hatte (wir berichteten), verteilte besagte Gruppe im Ort Flugblätter, auf denen sie ihre Argumente gegen das Bauwerk formuliert.

So mutmaßen die Initiatoren Werner Nominacher, Anja Schreiber, Ilse Duscher (alle aus Mauggen) und Hermann Pröll (Grünbach), „dass dieser Mast am wenigsten für Bockhorns Bürger, sondern eher überregional genutzt werden soll“. Die Reichweite des neuen Mobilfunk-Formats 5G betrage zudem maximal nur 800 Meter, was weitere Masten auch in Kirchasch, Maierklopfen und Grünbach erforderlich mache. Schließlich bestehe das grundsätzliche Risiko, dass bei der Genehmigung für einen Masten bei öffentlichen Gebäuden dies andernorts in der Gemeinde nicht mehr abgelehnt werden könne.

„Ganz generell sehen wir den Standort Gewerbegebiet nicht gut, weil es dort auch Wohnbebauung gibt“, argumentiert etwa die dortige Anwohnerin Anja Schreiber. Ihre Mitstreiterin im Thema, Ilse Duscher, die sich als Heilpraktikerin vor allem mit den gesundheitlichen Risiken durch Strahlung beschäftigt, ergänzt: „Wir schaffen mit einem solchen Mast unkalkulierbare Risiken für unsere Umwelt, werden massiv und dauerhaft einer Strahlenbelastung ausgesetzt. Die möglichen Schäden durch 5G sind auch noch überhaupt nicht wissenschaftlich erforscht“.

Eher technische Argumente führt Hermann Pröll an: „Die Telekom verfolgt doch mit einem solchen Mast, der das Landschaftsbild erheblich verschandeln würde, eigentlich ganz andere Ziele. Sie will eine Zwischenstation für andere Funkzwecke bauen, wahrscheinlich sind am Ende dort sehr viele Antennen verbaut, die mit der Versorgung Bockhorns nichts zu tun haben“. Und er bemängelt, dass von Seiten der Gemeinde keine oder nur spärliche Informationen zu diesem Thema geflossen seien.

Mittlerweile hat sich Rathauschef Angermaier im Gemeindeblatt geäußert und stellt selbst fest, „dass die Telekom in den Gesprächen eine wenig flexible Gesamtposition einnimmt“. Nun waren aber die vier Bockhorner Initiatoren, die sich „keinesfalls als Mobilfunk-Gegner“ sehen, nicht untätig. Sie bieten zwei mögliche Alternativorte an, „denn einen hohen Mast in eine Senke zu setzen (wie in Mauggen) anstelle eines kleineren Masts auf einer Anhöhe erinnert stark an einen Schildbürgerstreich“, meint Werner Nominacher.

Er habe bereits mit Grundstückseignern gesprochen, die jeweils Flächen für einen alternativen Standort anbieten, weit entfernt von Bebauung: Eine Fläche befindet sich am Rande eines Waldstücks zwischen den Orten Mauggen und Kirchasch, die zweite auf einer Anhöhe zwischen Bockhorn und Riedersheim. „Im Kirchascher Wald“, so Nominacher, „sind sogar bereits eine Glasfaserleitung und Leerrohre für Versorgung mit Strom an der dortigen Öl-Trasse verlegt“.

Mit diesen Vorschlägen wollen die vier Bockhorner zur erneuten Diskussion anregen. Sie möchten „aber keine überstürzte Entscheidung im Eiltempo“ für den finalen Standort, sondern vor allem eine rege Anhörung auch der Bürgerschaft. Und sie zitieren Jörn Gutbier, den Vorsitzenden und Experten der Vereinigung „diagnose:funk“, die sich schon andernorts mit Einwohner-Bedenken gegen Mobilfunkanlagen auseinandergesetzt hat: „Es liegt längst nicht mehr in den Händen von Betreibern, darüber zu bestimmen, wo eine Sendeanlage konkret gebaut wird, wenn die Kommune dieses Recht aktiv aufgreift“.

Am morgigen Donnerstag will der Gemeinderat beschließen, ein Ingenieurbüro damit zu beauftragen, die geplante Mobilfunkversorgung zu überprüfen.

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