Das ist meine Gemeinde: Bürgermeister Lorenz Angermaier vor einem Foto von Bockhorn im Rathaus.
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Das ist meine Gemeinde: Bürgermeister Lorenz Angermaier vor einem Foto von Bockhorn im Rathaus.

Bockhorns Bürgermeister Angermaier über sein erstes Jahr im Amt und kommende Projekte

Großaufgabe Ganztagsbetreuung

  • Friedbert Holz
    vonFriedbert Holz
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Seit nun einem Jahr leitet Lorenz Angermaier die Geschicke der Gemeinde Bockhorn als Bürgermeister. Mit der Heimatzeitung blickt der 61-Jährige, früher als Ingenieur in der Autozuliefer-Industrie tätig, auf sein erstes Jahr in der Verantwortung zurück.

Bockhorn - Er ist angetreten als gemeinsamer Kandidat der Freien Wählerschaft Bockhorn und der Bürgerliste Kirchasch mit Umgebung, konnte sich gegen zwei Mitbewerber durchsetzen. Er löste Hans Schreiner ab, den langjährigen Rathauschef, dessen Stellverteter er zuvor gewesen war.Mit der Heimatzeitung blickt der 61-Jährige, früher als Ingenieur in der Autozuliefer-Industrie tätig, auf sein erstes Jahr in der Verantwortung zurück.

Nach einem Wahlkampf, der von Seiten Ihrer Wettbewerber mit teils großem Aufwand geführt wurde, sind Sie Bürgermeister geworden. War das letztlich ein gutes Gefühl?

Selbstverständlich waren Emotionen mit im Spiel. Doch die meisten Bürger haben sich davon nicht beeindrucken lassen, haben mir ihr Vertrauen geschenkt.

Sie waren sechs Jahre Stellvertreter des Bürgermeisters. Jetzt sind Sie selbst Chef im Rathaus. Was ist nun anders?

Alles ist ganz anders. Jetzt stehe ich in der Verantwortung, im Großen wie im Kleinen. Und ich muss sehr bedacht sein in der Wahl meiner Worte. Früher war ich etwas freier.

Wie genau drückt sich der Wechsel vom Vize zum Chef in der Akzeptanz der Bürgerschaft aus? Ist die Resonanz eine andere?

Ich fühle mich akzeptiert und auch wohl in meiner neuen Rolle. Nun bin ich Bürgermeister und in allen Situationen anders betroffen als zuvor. Diese Position ist aber kein Lehrberuf, man ist von Anfang an auch als Meister gefordert. Darum bin ich sehr dankbar für Unterstützung jeglicher Art. Dabei vermisse ich die Kommunikation mit den Bürgern und die Gelegenheit, bei öffentlichen Terminen mit den Leuten zu reden. Auch die Vernetzung mit den Bürgermeisterkollegen leidet unter der Corona-Situation seit Amtsbeginn. Sehr hilfreich ist die Zusammenarbeit im Kreisverband des Bayerischen Gemeindetags. Unser Kreisverbandsvorsitzender Hans Wiesmaier wirkt hier sehr integrierend und aktiv.

Wie kommen Sie mit der Mannschaft im Rathaus zurecht, hat sich hier etwas verändert?

Von Beginn an wusste ich, dass ich auf ein gut funktionierendes und professionell arbeitendes Team treffe. Daher fühle ich mich gut aufgehoben hier, weiß um die Unterstützung und jahrelange Kompetenz der Mitarbeiter. Vor kurzem haben wir uns personell noch verstärkt. Aber auch bei allen übrigen Gemeinde-Mitarbeitern, ob im Bauhof, in Kindergarten und Schule oder beim Wasserzweckverband, haben wir eine sehr gute Besetzung, auf die ich mich verlassen kann. Zudem schätze ich sehr und baue stark auf alle, die im Ehrenamt und in Vereinen tätig sind, auch wenn sie derzeit nicht so viel bewegen können wie sonst.

Sie wollten einige Verwaltungsvorgänge digitaler gestalten, auch um den Bürgern manches zu erleichtern. Wie weit sind Sie da gekommen, und was steht noch an?

Einiges, wie etwa unser neuer Bau-Pilot, mit dem wir Baugrund digital vergeben können, hat sich bereits bewährt. Auch unser neues Rats-Infosystem läuft sehr gut, damit versorgen wir die Gemeinderäte schnell und umfassend mit Informationen und Unterlagen. Wir haben uns im Rathaus alle Homeoffice-tauglich gemacht. Unser digitales Bürger-Portal wird gut angenommen, darüber können beispielsweise Briefwahlunterlagen oder Meldebescheinigungen beantragt, Umzüge gemeldet oder Lastschriftmandate ausgefüllt werden. Zeiterfassung und Urlaubs-Pläne laufen auch ohne Papier.

Was noch?

Demnächst werden wir die Digitalisierung der Kassenanordnungen umsetzen, und außerdem soll in Kürze ein digitaler Bauantrag möglich sein. Im letzten Jahr haben wir für die Grundschule einen Glasfaseranschluss eingerichtet, demnächst auch für das Rathaus. Selbst die Kläranlage wurde mit einem modernen Prozessleitsystem ausgestattet, die Außenpumpwerke sind nun digital an das System angebunden.

Welche Vorgänge nehmen momentan Ihre meiste Aufmerksamkeit in Anspruch?

Neben dem Tagesgeschäft ist das eine ganze Menge: der neue Kindergarten in Grünbach und bald auch ein neues Haus für die Feuerwehr dort, neue Baugebiete in Grünbach und Kirchasch, Mobilfunk in der Gemeinde, das Gewerbegebiet Unterstrogn, die Dorfstraße in Kirchasch sowie die Unterstützung für ein neues Sportheim dort. Aber auch ein neues Schulkonzept beschäftigt mich: Denn von 2025 an werden wir den Anspruch auf Ganztagesbetreuung umsetzen müssen und so unsere Schule entsprechend erweitern – für unsere Gemeinde ein großes Projekt.

Was ärgert Sie noch immer bei manchen Vorgängen, wo würden Sie persönlich vielleicht stärker durchgreifen wollen?

Die Verbesserung der Nahversorgung in der Gemeinde, Tagesbetreuung für unsere älteren Bürger und die Versorgung mit Breitband und Mobilfunk gehen immer noch sehr schleppend voran. Hier ist noch Luft nach oben. Auch wünsche ich mir mehr Radwege in der Gemeinde. Bei vielen dieser Punkte sind wir aber fremdgesteuert, brauchen viel Geduld. Und manchmal wünsche ich mir mehr Bürgerbeteiligung, gerade, wenn es um neue Ideen geht. Die unzureichende Einflussmöglichkeit unserer Gemeinde bei den Verkehrsprojekten Walpertskirchener Spange und der Nordumfahrung Erding bedauere ich sehr – diese Infrastrukturprojekte werden Bockhorn nachhaltig belasten.

Was sind die Themen, die Sie unbedingt noch in dieser Amtsperiode erledigt haben wollen?

Für unsere Schule soll das erwähnte Konzept fertig stehen. Auch das Gewerbegebiet und neue Bauflächen möchte ich bis dahin erledigt haben, ebenso Kindergarten und Feuerwehrhaus in Grünbach.

Wo sehen Sie Bockhorn in fünf Jahren?

Es sollte eine Gemeinde mit ländlich-gewachsener Struktur in einem wirtschaftlich starken Umfeld bleiben. Wir sind eine starke Gemeinde mit gesunder finanzieller Lage, die alle Kernaufgaben erfüllen kann und hoffentlich noch lange ein sehr lebenswertes Umfeld für ihre Bürgerschaft bietet.

Sie hatten gleich zu Beginn angekündigt, nur eine Amtszeit Bürgermeister sein zu wollen/zu können. Hat sich daran etwas geändert, was könnte Sie doch noch umstimmen?

An diesem Plan hat sich nichts geändert. Aber da ist noch lange hin, und davor gibt es viel zu tun. Ich habe volles Vertrauen darin, dass sich bis zum Ende meiner Amtsperiode Bewerberinnen oder Bewerber für das Amt gefunden haben werden. Und dann kann ich mich mit gutem Gewissen zurückziehen.

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