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Der Harvester im Einsatz: Pro Baum weniger als zwei Minuten. Darauf basiert die Wirtschaftlichkeit dieses 450 000 Euro teuren Großgerätes für die Forstwirtschaft.

Harvester im Einsatz

Baumfällen im Minutentakt

Harvester sind nützliche Helfer. Sie fällen Bäume vollautomatisiert und verarbeiten sie vor Ort weiter. Für Waldbesitzer lohnt sich der Einsatz, wenn sich mehrere Auftraggeber zusammentun.

Bockhorn – Wenn Waldarbeit nur immer so leicht ginge. 1:50 Minuten pro Baum braucht ein Harvester. Das Gefährt, dessen Schneidkopf allein 1,6 Tonnen wiegt, legt eine 30 Meter lange Fichte mit einem Stammumfang von 60 Zentimetern einfach um, entastet sie, schneidet sie zurecht, wie es der Waldbesitzer bestellt hat, und legt die Stämme abholbereit auf den dafür vorgesehenen Platz.

Diese Form der vollautomatisierten Holzernte präsentierten die Waldbesitzervereinigung und das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Erding bei einer Fortbildungsveranstaltung. Rund 30 Teilnehmer konnten das Gerät bei der Arbeit beobachten. Aus sicherer Entfernung, versteht sich.

Das auf acht Rädern stehende Gerät kann noch mehr: Es holt die Bäume mitten aus einem Bestand junger Buchen heraus, ohne größere Schäden zu verursachen: Zehn Meter Reichweite hat der mächtige Arm, der von einem 280 PS starken Diesel angetrieben wird.

Daran hängen gewaltige Hydraulik-Pumpen. Was über diese zehn Meter hinaus geht, wird von einem sogenannten „Beifäller“ der Maschine zugearbeitet. Das heißt: Ein Waldarbeiter fällt die Bäume so, dass sie auf die Maschine zufallen, so dass diese sie greifen und aufarbeiten kann.

So bleibt zwischen den sogenannten Rückegassen, in denen sich der Harvester bewegt, ein Abstand von 40 Metern möglich. „Da werden wir empfindlich“, warnte Forstanwärter Georg Hohmann. Das Gerät habe sich in den Rückegassen zu bewegen und nur dort. Wo Bestand befahren werde, leide der Waldboden gewaltig. Später bei der zweistündigen Führung konnte er an einer Stelle vorführen, wie es aussieht, wenn sich der Maschinenführer nicht daran hält.

Sechsmal so schnell wie ein Waldarbeiter

Auch hat es an diesem Bestand den einen oder anderen „Fällschaden“ gegeben: Ein Baum hat beim Umfallen einen anderen gestreift, die Rinde schwer beschädigt. „Da geht dann die Fäule rein und entwertet das Holz“, so Hohmann. Hohmann betonte aber sofort: „Das ist wirklich die Ausnahme. Hier ist sonst richtig gut gearbeitet worden.“

Die Maschine schafft etwa die sechsfache Menge dessen, was ein Waldarbeiter leisten kann, erläuterte einer der Maschinenführer auf Nachfrage. Darauf basiere die Wirtschaftlichkeit des Maschineneinsatzes. Revierförster Stefan Klutschewski und Alexandra Hörand von der Waldbesitzervereinigung konnten sich auf die praktischen Informationen für Waldbesitzer konzentrieren, die sich für einen solchen Maschineneinsatz interessieren.

Lehrstunde im Wald. Die Waldbesitzer erkunden einen Harvester, dessen Räder teilweise mit sogenannten Moorbändern (vorne) überzogen sind, um den Bodendruck zu verringern.

So macht dieser nach den Worten von Alexandra Hörand nur dann wirklich Sinn, wenn sich mehrere Waldbesitzer zusammentun. Dann lohne sich das, denn der Harvester müsse ja auf einem Tieflader angefahren werden. „Wir koordinieren das dann gern“, bot sie an.

Der Maschinenführer brauche dann einen klaren Arbeitsauftrag. Welche Bäume sind zu entnehmen, und vor allem: Welches Sortiment ist bestellt? Darunter verstehen die Waldbauern die Unterscheidung zum Beispiel zwischen Lang-, Papier- und Brennholz. Der Harvester kann mit einer erstaunlichen Genauigkeit die Bäume an Ort und Stelle ablängen, weil in dem gewaltigen Kopf auch noch ein Messrad untergebracht ist, anhand dessen der Führer ablesen kann, wann er die integrierte Kettensäge ansetzen muss.

„Bevor der Käfer wieder fliegt“

Rückgegassen müssen im Wald ebenso gekennzeichnet werden wie die zu entnehmenden Bäume. Die Erschließung müsse stimmen, so der Förster weiter: Das bedeute, dass auch genügend Lagerflächen da sein müssen, die ein Lastwagen anfahren könne.

Immer wieder warnte Klutschewski auch vor dem Borkenkäfer. Er riet dringend, sich im zeitigen Frühjahr die Bestände daraufhin noch einmal anzuschauen, und zwar „bevor der Käfer wieder fliegt“.

Klaus Kuhn

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