Entwicklungshilfe-Projekt in Ghana 

Heißer Tipp aus Bockhorn: Bambus-Kohle

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Salmannskirchen – Abgeholzte Wälder, leer gefischte Gewässer, vergiftete Böden – Ghana geht es schlecht. Und doch hat das westafrikanische Land Selbstheilungskräfte. Die zu wecken und stärken hat sich ein Hilfsprojekt zur Aufgabe gemacht, das seinen Ursprung im kleinen Salmannskirchen hat.

Vor acht Jahren haben Claus und Ines Egger mit ihrer Tochter dem Erdinger Land den Rücken gekehrt und sind nach Afrika ausgewandert. Während Claus Egger immer noch dort ist, sind Mutter und Tochter vorläufig zurückgekehrt. Sie leben in Salmannskirchen (Gemeinde Bockhorn). Die Elfjährige soll die Schulzeit in ihrer Heimat verbringen. Und doch beschäftigt Ghana Ines Egger unentwegt. Mit ehrenamtlichen Mitstreitern will sie dem Land, aus dem viele Flüchtlinge nach Europa kommen, dauerhaft helfen.

Dazu gibt es Ankobra Farms, ein Programm zur Schaffung nachhaltiger Lebensgrundlagen in Ghana. „Wir verfolgen gleichzeitig soziale und ökologische Ziele“, berichtet Egger. In einem Pilotprojekt sei es Ankobra Farms schon einmal gelungen, „der lokalen Bevölkerung zu helfen und gleichzeitig den Raubbau an der Natur massiv einzudämmen“, berichtet sie. „Wir haben bewiesen, dass es geht.“ Dabei waren die Eggers vor acht Jahren nach Ghana gekommen, um eines der ersten Bio-Hotels in Westafrika zu betreiben. Das Resort bildet die Basis für etwas Größeres.

Den Eggers und ihren Unterstützern schwebt ein mehrstufiges Entwicklungskonzept für Erneuerbare Energien, Bio-Landwirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen vor. Das kostet Geld, viel Geld. 45 000 US-Dollar müssen sie zusammenbekommen. Den Betrag wollen sie per Crowdfunding einsammeln – eine relativ junge Form der Spenden-Akquise. Die Kampagne läuft auf der Online-Plattform Indiegogo.

Heimischer Bambus soll den Ghanaern helfen. Egger erklärt, dass Westafrika einen riesigen Bestand an Bambus habe, der fast nicht genutzt werde. Ankobra Farms nutzt diese Ressource, indem sie die Stämme in modernen Retortenöfen karbonisiert, sprich zu Kohle verarbeitet. „Die Vorteile sind vielfältig“, sagt die Initiatorin, „Bambus wächst bis zu 90 Zentimeter am Tag. Der Anbau stärkt die Gesundheit der Waldflächen und Böden. Die Herstellung der Bambuskohle ist emissionsfrei. Das fertige Produkt brennt heiß, lange und sauber.“ Jeder Ofen könne dutzende Familien mit einer nachhaltigen und umweltschonenden Lebensgrundlage versorgen.

Die Eggers und Ankobra Farms denken langfristig, in diesem Fall in vier Stufen. Die erste ist die Kohlegewinnung. In drei weiten sollen eine ökologische Plantage, eine Biogasanlage und ein grünes Innovationszentrum entstehen, eine Gründungsunterstützung für Nachahmer der Konzepte von Ankobra Farms. Dabei, so Ines Egger, entstehe ein System des geschlossenen Kreises.

System funktioniert in vielen Ländern

Grundsätzlich sei sie überzeugt, dass das System auch weltweit funktioniert. „Unser Ziel ist es, als Open Source Projekt so viele Nachahmer wie möglich zu finden“, erklärt Claus Egger. „Deswegen muss jetzt die Crowdfunding-Kampagne in die Welt getragen werden, damit in Ghana damit begonnen werden kann, die Erde zu retten“, sagt der Auswanderer.

Am Dienstag waren knapp über 3000 Euro zusammen – gut eine Woche nach dem Start der Kampagne.

Wie kann ich helfen?

Wer das Projekt der Eggers aus Salmannskirchen unterstützen will, geht im Internet auf die Seite www.indiegogo.com und gibt in der Suchmaske Ankobra Farms ein. Dort lernt er das Projekt kennen, unter anderem dank eines Videos. Es gibt einen roten Unterstützer-Button. Die Homepage hat die Adresse: www.ankobra-farms.com. Beide Inhalte sind jedoch englischsprachig. Ankobra Farms gibt es auch auf Facebook und Twitter.

Hans Moritz

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