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Verband für landwirtschaftliche Fortbildung

„Immer nur abwärts, ohne Licht am Horizont“

Kirchasch - Preiseinbrüche, Absatzrückgang wegen des Russland-Embargos und „Meinungsmache" gegen den Verzehr von Fleisch - VLF-Vorsitzender Martin Hartl sieht die gesamte Landwirtschaft in der Krise.

"Wir sorgen uns um unsere Zukunft und um unsere Höfe“, erklärte Martin Hartl, Vorsitzender des Verbandes für landwirtschaftliche Fortbildung in der Jahreshauptversammlung im Gasthof Bauer in Kirchasch. Grund zur Sorge gebe es allenthalben, berichtete Hartl vor rund 60 Mitgliedern. „2015 war ein sehr schlechtes Jahr“ mit Preiseinbrüchen bei Milch, Fleisch und Getreide bis zu 30 Prozent. Dabei ist es nicht allein der Preisverfall, der die Landwirte umtreibt, sondern auch die „Meinungsmacher“, die empfehlen, immer weniger Fleisch zu essen, und dies schon in Kindergärten.

Die Produktionsmethoden würden mehr und mehr angezweifelt und in Frage gestellt. „Es ist schon erstaunlich“, so Hartl, „das diejenigen, die von der Landwirtschaft keine Ahnung haben, plötzlich mehr verstehen als wir, die die Landwirtschaft gelernt haben“. Zu alldem falle einem auch die Politik in den Rücken, etwa mit dem Lebensmittelembargo gegenüber Russland.

Ebenso werde die Erzeugung von Biotreibstoffen, Photovoltaik- und Biogasanlagen „abgewürgt“. Letztlich bringe auch das TTIP-Abkommen mehr Nachteile als Vorteile. „Die Politik setzt um, was die Großindustrie fordert, da wird auf uns Bauern wenig Rücksicht genommen“, schimpfte Hartl. Es gehe „immer nur abwärts, ohne Licht am Horizont“.

In den schweren Zeiten scheint der Zusammenhalt im VLF umso größer zu sein. Dies bewiesen nicht nur die Ehrungen der Mitglieder, die bereits 50 Jahre dabei sind und die Auszeichnung der Meister, sondern auch Hartls Rechenschaftsbericht. Angefangen von der viel beachteten Vorstellung der Meisterprojekte im März vergangenen Jahres über die Maiandacht in Buch am Buchrain, bei der die Kirche voll gewesen sei. Ein Höhepunkt war die viertägige Reise nach Wien, die sehr gut angekommen sei. Heuer soll es einen Ausflug ins Ruhrgebiet geben.

Großes Interesse fand im Dezember das Referat zur Stellung der Landwirtschaft in Dorf und Gesellschaft mit Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmaier. Mit mehr als 100 Besuchern sei heuer die Veranstaltung zum internationalen Agrarhandel gut angekommen.

Gute Nachrichten hatte Kassier Martin Franz mit der Kapitalmehrung auf etwas mehr als 21 000 Euro. Nachdem er nach der letzten Jahreshauptversammlung zunächst vom Vorstand in seinem Amt bestätigt wurde, erfolgte nun das offizielle Votum der Mitglieder.

Großes Lob sprach Hartl den Absolventen zur Meisterprüfung aus. „Damit ist ein Haufen Arbeit verbunden, es kostet Anspannung, aber es ist schon etwas Besonderes“, erklärte er. „Man ist eben Meister seines Faches.“ Auch die Mitglieder, die dem Verband seit 50 Jahren treu sind, ehrte der Vorsitzende - mit wenigen Ausnahmen, für die er jedoch „eine kleine Landkreisrundfahrt unternehmen wird“, um nachträglich die Urkunde und den Ehrenkrug zu überreichen.

50 Jahre beim VLF:

Simon Adelsberger aus Emling, Josef Bauer (Schwaigermoos), Georg Berger (Aham), Johann Biller (Altham), Martin Bürger (Flaring), Albert Deutinger (Langenpreising), Johann Drexler (Wetzling), Michael Gruber (Windham), Josef Hintermaier (Grucking), Johann Huber (Emling), Matthias Jell (Lindegraß), Michael Kronseder (Kleinköchlham), Wilhelm Lämbgen (Aurlfing), Hans Laurent (Eicherloh), Ludwig Lechner (Frauenvils), Martin Neumüller (Langenpreising), Gerhard Nußrainer (Katterloh), Hans Nußrainer (Kolbing), Konrad Pichlmaier (Bachham), Josef Reischl (Keckmühle), Alois Seilbeck (Großstürzlham), Georg Tafelmeier (Adlstraß), Klaus Tafelmeier (Sinsöd), Franz Wenhart (Langengeisling), Anton Wenhart (Grafing) und Franz Widmann (Ottenhofen).

Gert Seidel

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