Alexandra Wendelken vom Tierschutzverein Erding und Tierheim Kirchasch Frau mit Katze auf dem Arm
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Katzen, Hunde und Nager warten in Kirchasch auf eine neue Familie. Alexandra Wendelken, Vorsitzende des Tierschutzvereins, sucht händeringend Tierfreunde.

Tierschutzverein Erding: Corona erschwert die Tiervermittlung

Tierheim Kirchasch schlägt Alarm: „Irgendwann laufen wir an Tieren über“

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Der Erdinger Tierschutzverein schlägt Alarm: Wegen der Corona-Krise ist die Vermittlung von Tieren kompliziert. Es fehlen Tierfreunde, die ein Zuhause bieten, und Geldspenden.

Kirchasch – Drei Ratten gibt’s in Kirchasch. Keine Sorge, es geht ums Tierheim dort und nicht um ungebetene Gäste in einem Privathaus. Mit der Vermittlung der kleinen Nager tut sich der Erdinger Tierschutzverein nicht gerade leicht. Aber auch mit possierlicheren Tierchen haben Alexandra Wenelken und ihre Kollegen derzeit Schwierigkeiten. Corona macht die Tiervermittlung kompliziert.

Die Suche nach Familien für die Tiere ist durch Corona schwierig.

„Ich finde unsere drei Rattenmädchen sehr nett“, wirbt Wendelken. Sie hofft auf besondere Tierliebhaber. Die Suche nach neuen Familien für „ihre“ Tiere ist durch Corona ohnehin schwieriger geworden. Das macht die Vorsitzende im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Ein weiteres Problem: Die Spendenbereitschaft hat in der Pandemie abgenommen. „Es ist weniger geworden“, sagt Wendelken. Viele Menschen hätten Kurzarbeit oder sogar ihren Job verloren, erklärt sich die 47-Jährige diesen Umstand. „Was uns außerdem fehlt: Wir können keine Veranstaltungen durchführen, bei denen wir auf uns aufmerksam machen können.“

Ein großes Problem für die Vermittlung sind die coronabedingt weggefallenen öffentlichen Besuchszeiten – samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Einfach mal spontan am Wochenende mit der Familie im Tierheim vorbeischauen und die süßen Viecherl begutachten, sich vom Personal beraten lassen. Das alles fehlt derzeit.

Besuche im Tierheim nur zu zweit und nur nach Absprache

Besuche im Tierheim sind zwar noch möglich, aber nur nach vorheriger Terminabsprache und mit maximal zwei Personen. Es ist schon passiert, dass mehr Menschen als erlaubt gekommen sind. „Sie mussten dann draußen bleiben“, berichtet Wendelken,

Die Organisation der Termine im Stundentakt laufe an sich ganz gut – per E-Mail oder telefonisch. Auch unter der Woche kämen Besucher. Nur: Ihre Zahl ist insgesamt zurückgegangen. „Irgendwann laufen wir an Tieren über“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins, die sich aber an noch schwierigere Zeiten erinnert, als das Heim regelrecht aus den Nähten platzte. „Die Zahl der Tiere hängt immer davon ab, was grad reinkommt“, erklärt Wendelken. „Ganz extrem“ sei es im Sommer gewesen, als die Menschen in Zeiten von Lockerungen fleißig in den Urlaub fuhren – und ihre Tiere teilweise loswerden wollten.

„Die Laufkundschaft fehlt uns.“

„Die Laufkundschaft fehlt uns“, sagt Wendelken und meint das. Sie bezieht sich auf Besucher, die beim spontanen Schlendern durchs Heim auch mal sagen: „Mensch, ich wollte ja eigentlich gar keine Katze mehr, aber die da ist sooo schön!“

„Wir konnten bislang irgendwie noch immer alle Tiere vermitteln, aber es ist jetzt schon schwieriger“, bilanziert Wendelken. Derzeit gibt es rund 30 bis 40 Katzen im Kirchascher Tierheim, hinzu kommen zwölf Kaninchen, fünf Hunde, fünf bis sechs Mäuse, vier Meerschweinchen und besagte drei Ratten.

Außer dem Tierheim gibt es Pflegestellen und eine Wildtier-Auffangstation.

Unter der Obhut des Tierschutzvereins stehen aber noch viel mehr Tiere. Zum Beispiel die vier Hundepflegestellen, unter anderem bei der dritten Vorsitzenden Angelika Schöner in Kirchberg. Dort leben derzeit unter anderem zwei Hundemütter mit insgesamt 15 Welpen. Hinzu kommen Wendelken zufolge vier bis fünf Pflegestellen für Katzen und das „Wilde Kinderzimmer“ von Michaela Maier in Walpertskirchen, eine Auffangstation vor allem für Igel, Wildvögel oder Eichhörnchen.

Ein Großaufgebot an Katzen wohnt bei Wendelken zuhause in Erding. Die Bürokauffrau hat zusammen mit ihrem Ehemann Maik, der im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, 13 Katzen. Fünf davon haben sie aus dem Tierheim adoptiert. Keine der 13 ist zu vermitteln, stellt die Katzenfreundin schmunzelnd klar.

Spendenbereitschaft hat klar abgenommen.

Insgesamt hat die Spendenbereitschaft klar abgenommen, aber an einen ganz besonderen Spendenfall erinnert sich Wendelken. Die Tierschützer hatten um Bettwäsche gebeten, als Unterlage für unter Durchfall leidende Welpen. Um die Waschmaschine nicht kaputtzumachen, mussten die Laken jedes Mal entsorgt statt gewaschen werden. „Wir wurden regelrecht bombardiert mit Bettwäsche“, berichtet Wendelken begeistert.

Ein Beispiel für Hilfsbereitschaft ist das Verhältnis zum Gnadenhof des Münchner Tierschutzvereins, der sich direkt neben dem Tierheim in Kirchasch befindet. Man unterstützt sich gegenseitig, beispielsweise wenn das Tierheim viel Futter übrig hat oder umgekehrt. Dann bringt man dem Nachbarn gerne mal was vorbei.

Das Tierheim

des Erdinger Tierschutzvereins befindet sich Am Jagdhaus 3 unweit von Kirchasch. Es ist erreichbar unter Tel. (0 81 22) 9 59 75 00 oder per E-Mail an kontakt@tierheim-erding.de. Weitere Infos auf www.tierschutzverein-erding.de.

Dramatischer Einbruch der Kundenzahlen wegen Corona und deutlich weniger Fluggästen: Viele Parkservice-Unternehmen im nördlichen Landkreis Erding bangen um ihre Existenz.

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