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Vier Quadratmeter für jedes Huhn: Seniorchef Josef Braun (M.) mit Tochter Bettina und Schwiegersohn Sebastian Braun auf dem Freigelände ihres Bio-Betriebs in Adlberg. Er ist vergleichbar mit dem in Salmannskirchen.

Konflikt in Salmannskirchen

Jeder neue Hühnerstall ist ein Eiertanz

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Josef Braun hat in Salmannskirchen einen Legehennenstall gebaut – gegen den Widerstand der Nachbarn und des Gemeinderats. Der Landwirt schildert seine Sicht.

Salmannskirchen/Sonnendorf– Als Legehennenhalter ist Josef Braun Gegenwind gewöhnt. Ausgehend vom Hof des Vaters in Sonnendorf (Gemeinde Inning), hat der heute 56-Jährige seine Eierproduktion kontinuierlich ausgebaut. An fünf Standorten im Landkreis hat Braun mittlerweile rund 100 000 Hühner – in Boden-, Freiland- und auch Biohaltung. Den Großteil der jährlich 28 Millionen Eier verkauft Braun an Rewe, unter dem Regional-Label der Supermarktkette. Ein gern gesehener Nachbar ist der Eierproduzent häufig aber nicht. Die Vorbehalte gegen seinen neuen Hühnerstall in Salmannskirchen haben sich zu einem echten Konflikt ausgewachsen. Seit Mitte August läuft der dortige Betrieb aber.

„Einerseits wollen die Kunden regionale Bio-Eier. Andererseits will keiner die Produktion vor seiner Haustür haben“, sagt Braun. Durch die Verschärfung der Bestimmungen in seiner Branche habe er expandieren müssen. „Wenn wir nix gemacht hätten, würde es uns nicht mehr geben“, meint der Landwirt.

Der Platzbedarf sei nach dem Verbot der Käfighaltung anfang des Jahrtausends gestiegen. An seinen beiden Bio-Betrieben in Adlberg (Gemeinde Inning) und jetzt in Salmannskirchen seien vorschriftsgemäß maximal sechs Hühner pro Quadratmeter Stall untergebracht. Außerdem gebe es eine Freifläche von vier Qudratmetern je Tier. „Da können die jeden Tag von 10 Uhr bis Sonnenuntergang raus“, erzählt der Legehennenhalter.

Ein Hühnerzüchter sei er nicht, darauf legt Braun Wert. „Wir bekommen die Junghühner schon legereif.“ Diese Unterscheidung hat den Brauns bei ihrem Projekt in Salmannskirchen aber nicht geholfen. Zuletzt haben sich Mitglieder des Gemeinderats Bockhorn öffentlich über das Vorgehen Brauns bei der Genehmigung des Stalls für 15 000 Hühner empört. Die Kritik: Der Sonnendorfer Landwirt habe die schriftliche Zusicherung gebrochen, den Zaun des Freilaufbereichs um 50 Zentimeter von der Grundstücksgrenze abzurücken.

„Das stimmt“, gibt Braun ohne Zögern zu. Rechtlich sei aber weder an seinem privilegierten landwirtschaftlichen Bau insgesamt noch an dem Zaun etwas auszusetzen. Die Entscheidung, das Grundstück doch komplett auszunutzen, habe der Bauherr erst getroffen, als sich der Streit immer weiter zugespitzt habe. „So wia ma an Woid eineschreid, so kimds a wieder zruck“, hat der Sonnendorfer in einem zweiseitigen Brief an Bürgermeister und Gemeinderäte geschrieben.

Dabei habe im Frühjahr 2016 alles positiv angefangen, berichtet Schwiegersohn Sebastian Braun. „Als wir das Bauprojekt begonnen haben, haben wir alle Gemeinderäte zu unserem Bio-Betrieb in Adlberg eingeladen“, erzählt der 28-Jährige, der wie die ganze Familie im Betrieb mitarbeitet. In der folgenden Sitzung habe der Bockhorner Bauausschuss den Bau gebilligt. Im Gemeinderat gab es anschließend aber kein Grünes Licht – mit der Begründung, dass die Privilegierung erst überprüft werden müsse.

„Wenn die Nachbarn da sind, fallen die Gemeinderäte alle um“, sagt der Senior-Chef. So sei es damals gewesen. Mittlerweile hatte sich eine Protestfront gebildet: angefangen von monatelangen Verhandlungen über die Verlegung von Leitungen durch Nachbargrundstücke bis hin zu Plakaten an der Straße.

Als das Landratsamt die Privilegierung bestätigt habe, hätte der Gemeinderat nach Ansicht von Josef Braun in der Folge nur noch zustimmen können. Doch das Gremium lehnte ab. „Ohne Begründung!“, ärgert sich der 56-Jährige. Das sei der Zeitpunkt gewesen, an dem er sein Versprechen zum Zaun zurückgezogen habe. Anschließend seien ihm Kontrolleure des Landratsamts vorbeigeschickt worden. Baustopp, weil für den Zaun mit betonierten Fundamtenten eine offizielle Genehmigung notwendig gewesen wäre. Die erlangte Braun, indem das Landratsamt wieder die Gemeinde überstimmte. Am 10. August sind schließlich die 15 000 Hühner in Salmannskirchen eingezogen – laut Braun fast ein halbes Jahr später als geplant.

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