+
Protest gegen Lockdown (stehend, v. l.): Martina Brandhofer, Floristin Steffi Beisser und Andrea Bauer; (sitzend, v. l.) Maria Bauer, Enkel Andi und Andreas Bauer. 

Kirchasch: Gasthaus Bauer beteiligt sich an bayernweiter Aktion gegen Corona-Lockdown

Wirte-Protest am gedeckten Tisch

„Jetzt ist es Fünf vor Zwölf, bald können wir nicht mehr!“ „Keine Perspektive! Uns geht die Luft aus!“ Mit deutlichen Worten und einer pfiffigen Aktion haben am Montag auch einige Gastronomen im Landkreis Erding gegen die monatelange Zwangsschließung ihrer Betriebe im Corona-Lockdown protestiert.

VON FRIEDBERT HOLZ

Kirchasch/Erding– In Kirchasch hat die Wirtsfamilie Bauer vor ihrem Gasthaus einen gedeckten Tisch aufgebaut, quasi als Einladung an mögliche Gäste. Zu dieser Aktion unter dem Motto „Gedeckter Tisch & Gemachtes Bett“ hatte der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband alle seine Mitglieder und Partner aufgerufen.

„Seit 2. November haben wir geschlossen. Wir durften seitdem keine Gäste mehr bewirten“, beschreibt Martina Brandhofer die missliche Lage im Gasthaus Bauer. Nicht nur die Gaststätte samt großem Saal durfte seither nicht mehr geöffnet werden, auch die 15 Gästezimmer für Handwerker oder andere Geschäftsreisende standen meist leer. „Da momentan keine Messe in München stattfindet, haben wir kaum Übernachtungsgäste. Und Handwerker, die beispielsweise in Erding arbeiten, bleiben auch über Nacht dort“, sagt Brandhofer.

Wenigstens die Küche hat noch etwas Arbeit, denn Essen kann im Gasthof bestellt werden, freitags und sonntags gibt’s einen Abholservice. Fünf Personen, also der engste Familienkreis, der auch vor Ort wohnt, sind direkt von der Zwangsschließung betroffen. Aber auch 20 weitere Helfer, die sich üblicherweise um die Gäste kümmern, die Zimmer reinigen, als Bedienung oder in der Küche mitarbeiten, müssen warten, bis es eine Öffnungsperspektive gibt. „Unter den Frauen sind auch viele Mütter, die nun zu Hause sind. Vier von ihnen wurden in der Zwischenzeit schwanger“, erzählt Brandhofer. Andere, etwa Studenten, räumen jetzt im Supermarkt Regale ein, um sich etwas Geld verdienen zu können.

Am morgigen Mittwoch kommen die Ministerpräsidenten wieder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Gastronomie und Hotellerie hofft zumindest auf eine Perspektive.

Familie Bauer hat die Corona-Pandemie auch gesundheitlich getroffen. Vier Erwachsene und drei Kinder waren vor Weihnachten Corona-positiv getestet worden. Zudem mussten zwei Familienmitglieder operative Eingriffe über sich ergehen lassen. „Wenigstens konnten sie sich in dieser Zeit wieder gut erholen“, sagt Wirtstochter Brandhofer.

Dem Aufruf ihres Berufsverbands ist sie gerne gefolgt, „denn wir wollen ja eine Perspektive haben und dies auch mitteilen. Im vergangenen Jahr konnten wir von 20 geplanten Hochzeiten nur drei im August und Oktober bei uns ausrichten. Viele Paare sind verzweifelt und fragen ständig nach möglichen Nachholterminen. Auch einige Geburtstagsfeiern mussten storniert werden“, erzählt Brandhofer.

Sie hatte ursprünglich geplant, zusammen mit anderen Kollegen vor dem Bockhorner Rathaus einen gedeckten Tisch als Symbol des Protestes aufzustellen. Als sich jedoch kein Interesse regte, beschloss sie, ihre eigene Aktion daheim auf die Beine zu stellen. „Wir wollen zeigen, dass wir Wirte unsere Hygienekonzepte einhalten, auf Abstände achten und verantwortungsvoll mit der Gesundheit unserer Gäste und unseres Personals umgehen“, betont Brandhofer. „Wir stehen jedenfalls parat für Öffnungen und peilen voller Freude die Osterfeiertage an“, sagt sie optimistisch.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare