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Kasperl und Krokodil dürfen von den Kindern auch weiterhin bewundert werden, derzeit im Internet. Einen entsprechenden Livestream bietet Beate Welsch an, auf dem Bild mit ihren Puppen und Ehemann Michael. 

Kostenloses Angebot inklusive Spendenaufruf

Puppenspielerin bietet Live-Stream an: Kasperl kommt auch in Corona-Zeiten

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Puppenspielerin Beate Welsch aus Kirchasch kann wegen der Corona-Krise derzeit nicht wie gewohnt Kindern in Schulen oder Kindergärten mit ihrem Theater ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Doch nun trotzt sie dem Virus und bietet einen kostenlosen Live-Stream, der seit Dienstag mit einem Spendenaufruf verbunden ist.

Kirchasch – Tri tra trallala, der Kasperl ist auch in schwierigen Zeiten für die Kinder da. So oder so ähnlich dachte es sich die Kirchascher Puppenspielerin Beate Welsch. Sie kann derzeit wegen der Corona-Krise nicht direkt vor Ort die Kinder in Schulen oder Kinderhäusern mit ihrem Theater begeistern, hat sich dafür aber etwas anderes einfallen lassen: Sie zeigt ihre Stücke seit kurzem aus ihrem Wohnzimmer zweimal die Woche, dienstags und donnerstags ab 11 Uhr, kostenlos per Livestream im Internet. Bei der Vorstellung am gestrigen Dienstag kam noch ein Spendenaufruf hinzu.

Die 60-Jährige selbst ist „nicht so technisch“, berichtet ihre Tochter Johanna Welsch (31). Doch in einer intakten Familie hilft man sich bekanntlich gegenseitig. „Meine Schwester Caroline, mein Vater Michael und ich haben eine technische Lösung Lösung ausgetüftelt, die Puppentheater live online zu übertragen, womit wir vergangene Woche offiziell angefangen haben. Bei den ersten zwei Vorstellungen haben wir über 500 Zuschauer erreicht“, berichtet Johanna Welsch begeistert.

Das war anfangs schon fast zu viel, bei 280 Zuschauern bei der Premiere. Da musste die überlastete Seite durchaus öfter geladen werden. Instagram, YouTube & Co.: Familie Welsch hat viel hin und her probiert, was am besten funktioniert. Am Ende überzeugte sie die Handy-App Twitch am meisten. Um das Theater zu verfolgen, brauchen die Zuschauer lediglich einen Link oder gehen einfach auf die eigens dafür kürzlich eingerichtete Facebook-Seite der Puppenspielerin (siehe Textende).

Die Technik dahinter ist recht einfach: Auf eine Leiter sind Bücher gelegt, daran ein Buchhalter angebracht, an den ein Handy geklemmt ist. Mit diesem wird gefilmt. Hinzu kommen Lampen zur Ausleuchtung.

Die Technik hinter den Übertragungen ist relativ einfach: Auf eine Leiter hat Familie Welsch ein paar Bücher gelegt, daran einen Buchhalter angebracht, an den ein Handy geklemmt ist. Mit diesem wird gefilmt. Hinzu kommen noch Lampen für die Ausleuchtung. „Das ist relativ laienhaft“, sagt Johanna Welsch. Aber maximal effektiv. Begeisterte Reaktionen seitens des Publikums sind die Folge. „Die Kinder singen zuhause mit, begreifen aber noch nicht, warum meine Mutter jetzt auf dem Bildschirm zu sehen ist“, erzählt Johanna Welsch.

Die halbstündigen Theaterstücke sind darauf ausgerichtet, möglichst viele Altersgruppen ansprechen zu können, das ideale Alter liegt zwischen zwei und acht Jahren. Beate Welsch erzählt immer andere Geschichten, für die sie aus ihrem Repertoire schöpft. 30 bis 40 Geschichten hat sie im Kopf. Hauptfigur ist immer der Kasperl. Es gibt viele Tiere und immer einen pädagogischen Hintergrund. Am morgigen Donnerstag steht zum Beispiel eine Zahnputzgeschichte auf dem Programm.

Um die Vorstellungen sehen zu können, muss man nicht live dabei sein. Sie stehen danach den Rest des Tages unter dem gleichen Link zur Verfügung. Erst dann werden sie gelöscht, damit sie nicht in alle Ewigkeit im Internet kursieren.

Zahlreiche Zuschauer haben sich laut Johanna Welsch gemeldet, weil sie für das Theater bezahlen wollten. „Deswegen haben wir am Dienstag einen unkonventionellen Spendenaufruf gestartet, um drei Projekte, die uns am Herzen liegen, zu unterstützen“, berichtet die Volkswirtin. Und ihre Mutter Beate ergänzt: „Aktuell sind in Deutschland und weltweit viele Freiwillige im Einsatz, um im Zuge der Corona-Pandemie zu helfen. Auch ich möchte meinen Beitrag zur Bewältigung dieser Krise leisten.“

Wer möchte, kann via Paypal spenden. Das Geld geht zu gleichen Teilen an die Flüchtlingshilfe Erding, die derzeit auch fleißig Schutzmasken schneidert, an den Corona-Nothilfefonds des Roten Kreuzes und an eine private Direkthilfe in Indien. Durch die verhängte Ausgangssperre sind dort viele Familien, die von ihren Tagesverdiensten abhängig sind, in große finanzielle Not geraten. „Eine befreundete Familie in Jaipur, bei der meine Tochter Johanna im Januar für einen Monat gelebt hat, hat es sich zur Aufgabe gemacht, in ihrer Nachbarschaft möglichst viele Familien in Not mit Essenspaketen zu versorgen“, sagt Beate Welsch dazu.

Der Livestream ist am einfachsten über die Internetseite der Puppenspielerin zu finden. Dort geht es auf der Startseite zu entsprechendem Link. Direkt anschauen kann man sich den Stream auch auf der Facebook-Seite „Puppentheater Beate Welsch“.

Spenden kann man via Paypal. Wer kein Paypal hat, schickt eine E-Mail an an puppentheaterwelsch@gmx.de für weitere Infos. Wichtig bei Paypal: bitte nicht das optionale Feld „Sie zahlen für Waren oder Dienstleistungen?“ anklicken. So kämen nur 67 Cent bei einer Überweisung von einem Euro bei Welsch an. Wer eins der drei Projekte besonders unterstützen will, vermerkt das unter „Mitteilung hinzufügen“.

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