Diverse Standorte für den Masten waren im Gespräch, nun wird es der am Mauggener Gewerbegebiet (roter Punkt Bildmitte). Die Bürgerinitiative hatte eine Anhöhe an einem Waldstück Richtung Kirchasch bevorzugt (südlicher Punkt).
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Diverse Standorte für den Masten waren im Gespräch, nun wird es der am Mauggener Gewerbegebiet (roter Punkt Bildmitte). Die Bürgerinitiative hatte eine Anhöhe an einem Waldstück Richtung Kirchasch bevorzugt (südlicher Punkt).

Fast 70 Prozent stimmen gegen Bürgerinitiative

Bürgerentscheid: Klares Votum für Funkmast in Mauggen - Laut Rathaus braucht‘s aber weitere Standorte

  • Friedbert Holz
    VonFriedbert Holz
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Im Gewerbegebiet Mauggen darf ein Mast zur besseren Mobilfunk-Versorgung gebaut werden. Das Votum beim Bürgerentscheid parallel zur Bundestagswahl war eindeutig: 69,7 Prozent haben sich für den Standort ausgesprochen und ihr Kreuzchen entsprechend bei „Nein“ gesetzt. Unsere Zeitung hat am Tag danach mit den Beteiligten gesprochen.

Bockhorn - Von 3282 Wahlberechtigten haben 2147 am Bürgerentscheid teilgenommen – eine Beteiligung von 65,5 Prozent. Davon stimmten 1483 gegen den Vorschlag der lokalen Bürgerinitiative, 647 drückten mit einem „Ja“ ihren Mast-Protest aus. Die Frage, die den Wahlberechtigten gestellt wurde, war von der Initiative schon beim Bürgerbegehren vorgegeben worden und lautete: „Befürworten Sie, dass der Beschluss des Gemeinderats Bockhorn vom 25. Februar über den Standortvorschlag für eine dauerhafte Funkfeststation der Telekom im Gewerbegebiet Mauggen auf dem Grundstück vom Wasserzweckverband Erding-Ost aufgehoben wird?“

Bürgermeister Lorenz Angermaier sagt am Montag: „Einerseits habe ich ein gutes Gefühl, dass wir in einem Projekt, das der modernen Kommunikation dient, nun endlich weiterkommen. Für uns im Rathaus ist dieser Mast aber kein Traum-Projekt, vielmehr ein Mittel zum Zweck. In der Gemeinde wird der Bau des Masts im Gewerbegebiet nicht alle gleich treffen, einige leben sehr nah, andere wiederum weit entfernt – da sind naturgemäß auch die Emotionen sehr unterschiedlich und verständlich.“ Ihm als Bürgermeister sei daran gelegen, Gemeinde und Bürger nicht durch einen Masten zu entzweien. „Daher mache ich an alle ein Friedensangebot: Wir sollten wieder zusammenkommen, bei aller sachlichen Dissenz. Zwar waren die Diskussionen um diesen Mast manchmal sehr emotional, aber wir wollen nicht nachkarten“, so der Gemeindechef.

Macht ein Friedensangebot: Bockhorns Bürgermeister Lorenz Angermaier.

Angesprochen auf das weitere Vorgehen erklärt Angermaier, der auch Vorsitzender des Wasserzweckverbands Erding-Ost ist: „Ich werde, wie schon in der jüngsten Verbandssitzung besprochen und genehmigt, zeitnah den Vertrag zwischen Verband und Telekom unterschreiben. Im Anschluss daran wird die Telekom einen Bauantrag für den Mast stellen, den wir dann im Gemeinderat zu behandeln haben.“

Auch Heinz Schoder, Leiter der Verwaltung, betrachtet das Ergebnis mit Erleichterung. „Es ist ein eindeutiges Votum der Bürgerschaft für einen Mobilfunkmast. Offensichtlich sehen die Leute, dass wir in der Gemeinde ein Defizit haben, was die Versorgung angeht, und wollen jetzt eine schnelle Lösung.“ Selbst wenn der Mast im Gewerbegebiet Mauggen gebaut werde, könne das nicht die alleinige Lösung sein: Bockhorn mit seiner großen Gemeindefläche von 48 Quadratkilometern und einer teilweise schwierigen Topografie werde mehrere Masten brauchen. „Die Telekom hat bereits für den südöstlichen Gemeindebereich einen so genannten Suchkreis eröffnet, von dem aus auch Maierklopfen profitieren könnte. Grünbach schließlich ist mit insgesamt drei Masten, davon einem im Wald Richtung Großhündlbach, bereits versorgt“, berichtet Schoder.

Schon konkreter ist ein Funkmast in Kirchasch. Auf dem Gelände von Hubert Strasser soll bald gebaut werden, „vielleicht sogar schon 2022 und etwa 25 Meter hoch“, wie der Gemeinderat (Bürgerliste Kirchasch mit Umgebung) auf Anfrage bekanntgibt. „Ich wollte erst das Votum des Bürgerentscheids abwarten und werde nun die Verhandlungen mit Betreiber Vodafone vorantreiben, mit dem ich schon seit sechs Jahren im Kontakt bin. Deren Projekt ist vor allem die Versorgung der Staatsstraße 2084, aber davon profitieren wir als Anlieger mit, wahrscheinlich sogar noch Maierklopfen“, sagt Strasser.

Enttäuscht: Martin Mair von der Bürgerinitiative.

Erwartungsgemäß ist die Seite der Bürgerinitiative Bockhorn enttäuscht über den Ausgang des Entscheids. Sie hätte einen alternativen Standort an einem Waldrand zwischen Mauggen und Kirchasch bevorzugt. Doch ihr Sprecher Martin Mair aus Mauggen relativiert auch: „Immerhin war die Wahlbeteiligung mit 65,4 Prozent sehr hoch, was uns als Signal klar zu erkennen gibt, dass dieses Thema den Leuten wichtig ist. Wir hatten mit Bürgerbegehren und Bürgerentscheid ein Projekt gestartet, von dem wir sehr wohl wussten, dass es auch scheitern könnte. Doch wir sind Demokraten und akzeptieren das Ergebnis, auch wenn ich mich künftig bei jeder Fahrt Richtung Bockhorn über einen hohen Masten wohl ärgern werde.“

Damit ein Bürgerentscheid überhaupt zustande kommen konnte, war zuvor ein Bürgerbegehren notwendig gewesen. Wie berichtet, hatte die Initiative über 520 Unterschriften in der Gemeinde für ihr Vorhaben gesammelt und dann einen Entscheid beantragt. Bei diesem hätten über 50 Prozent, also die Mehrheit, dafür stimmen müssen, damit die Initiative mit ihrem Vorhaben durchgekommen wäre.

Interessant sind die Ergebnisse der Stimmbezirke, und zwar der beiden ohne Briefwahl: Im Bereich Nord-West (Bockhorn/Grünbach) stimmten 78,2 Prozent gegen die Initiative, im Bezirk Süd-Ost (Kirchasch/Maierklopfen) „nur“ 59,0 Prozent. Die weitaus meisten Wähler hatten ihre Stimme aber per Briefwahl abgegeben (1013, also 70 Prozent).

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