U2 und U7: Zugausfälle, Unterbrechungen und Verzögerungen

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Volles Haus, ernüchterte Blicke: Keine guten Nachrichten gab es für die Milchbauern in der Generalversammlung der Molkereigenossenschaft.

Molkereigenossenschaft Erding

Der Milchpreis ist im freien Fall

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Kirchasch - Der Milchpreis rauscht nach unten. Im April bekommen die Bauern bei zweitägiger Abholung 27,65 Cent pro Kilogramm. „Im Mai wird er nochmal gscheid fallen“, kündigte Molkerei-Chef Hermann Jäger jun. in der Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Erding am Mittwoch im Gasthaus Bauer an.

„Ich bin der Überbringer der schlechten Nachricht. Aber einer muss es ja machen“, sagte Hermann Jäger jun. in der Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Erding und meinte damit die Milchpreisentwicklung. Welchen Preis die Landwirte im Mai erzielen, werden die Verhandlungen am 8. Juni zeigen. Die Tendenz geht weiter nach unten, auch wenn der Preis vorerst nicht unter 25 Cent fallen soll. „30 Cent werden heuer aus derzeitiger Sicht nicht mehr erreicht werden“, machte Jäger deutlich.

Trotz dieser Aussichten bezeichnete er Südbayern noch als die „Insel der Seligen“. Denn dort werden noch die höchsten Preise bezahlt. Überlieferungen macht Jäger für die Talfahrt des Milchpreises nicht verantwortlich. „Es ist nicht so, dass die Menge explodiert wäre“, meinte Jäger nach dem Wegfall der Milchquote im April vergangenen Jahres. 210 Erdinger Milcherzeuger lieferten im vergangenen Jahr gut 51,5 Millionen Kilogramm Milch. Das ist ein Minus von knapp 1,3 Millionen Kilogramm im Vergleich zu 2014. Der durchschnittliche Auszahlungspreis lag bei gängiger Abholung alle zwei Tage bei 31,28 Cent und bei täglicher Abholung bei 31,13 Cent.

Diese Preise sind längst Vergangenheit. Für tägliche Abholung wurden im April nur noch 27,50 Cent gezahlt. Dieser Preis gilt aber für jedes Kilogramm. „Wir machen keine Mengenbegrenzung. Unser Ziel ist es, die Wertschöpfung zu erhöhen“, stellte Jäger klar.

Die weltweit sinkende Nachfrage nach Milch ist laut Jäger ein Grund für die Talfahrt. „Russland fehlt komplett, China weitgehend“, so der Molkereichef. Konsummilch sinkt seit drei Jahren. „H-Milch-Molkereien zahlen keine 20 Cent mehr“, sagte er. Gute Geschäfte macht die Molkerei hingegen mit Butter. Auch der Käseverbrauch steigt. „Eine Kugel Mozzarrella kostet immer noch 55 Cent. Das war auch zu der Zeit so, als der Milchpreis höher war. Und wir kriegen jetzt nur noch 27,65 Cent“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Josef Eicher kopfschüttelnd. „Das Milchjahr 2015 war mehr als ernüchternd. Um unsere Höfe zu erhalten, können wir nicht zu Preisen von Osteuropa produzieren“, bilanzierte er. Eine Lösung hatte Jäger auch nicht parat. Er könne es jedoch verstehen, wenn die Bauern nach anderen Absatzmöglichkeiten suchen.

Bericht über die Verabschiedung von Vorstandsvorsitzendem Simon Selmeier und die Neuwahlen folgt.

Josef Eicher zur QM-Debatte: „Die größten Tierschänder sind Lidl und Aldi“

Sinkende Preise, steigende Auflagen: Den Bauern stinkt’s gewaltig. Ihren Unmut bekam Hermann Jäger jun., Chef der Molkerei Jäger, gewaltig zu spüren. Seit Juli 2006 liefern die Erdinger Bauern ihr weißes Qualitätserzeugnis an das Haager Unternehmen. Der Stein des Anstoßes hat genau zwei Buchstaben: QM, das für Qualitätsmanagement steht. Denn beim QM-Milch-Standard werden neben den ohnehin schon hohen gesetzlichen Vorgaben weitere Anforderungen gestellt. Das betrifft unter anderem Tierwohl oder die Auswahl der Futtermittel. Eine entsprechende Zertifizierung kostet jährlich 85 Euro plus Steuern. Und genau diesen QM-Standard fordert jetzt der Discounter Lidl, der auch von Jäger beliefert wird. Jäger möchte, dass alle Erzeuger der Molkereigenossenschaft Erding ihre Milch QM-zertifizieren lassen. Auf die Landwirte sollen laut Jäger keine Kosten zukommen. Denn die 85 Euro werden heuer vom Staat getragen. „Und wir zahlen die Steuer“, so Jäger. Den meisten Bauern ging es aber ums Prinzip. Wie sei es noch zu rechtfertigen, wenn der Milchpreis immer weiter in den Keller geht, aber gleichzeitig die Auflagen steigen? Und wer zahlt QM in den kommenden Jahren? Sollten die Bauern nicht mitmachen, machte Jäger unmissverständlich klar: „Langfristig führt es zum Ausschluss der Milchlieferung.“ Seine Aussage versuchte er zu entschärfen: „So wird es in anderen Molkereien gehandhabt. Aktuell passiert nichts.“ Auf die Frage, ob die Molkerei Jäger 100 Prozent mit QM-Milch plane, gab es von Jäger ein klares Ja. „Die Alternative ist, keinen Vertrag mit Lidl zu machen. Dann produzieren wir mehr Edamer, und der Milchpreis ist dann bei 18 Cent“, erklärte Jäger. Aufsichtsratsvorsitzender Josef Eicher fand deutliche Worte: „Die größten Tierschänder sind Lidl und Aldi, weil bei diesen Preisen keiner mehr bauen kann.“ Denn zum Tierwohl gehörte auch die artgerechte Haltung. Doch bei dieser Marktlage investiere derzeit kaum jemand in einen neuen Stall.

Daniela Oldach

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