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So sieht eine bereits bestehende Lernlandschaft im Gymnasium Geretsried aus. 

Neues Konzept 

Workshop für modernen Unterricht durch Lernlandschaften in Bockhorn

Moderne Schulen und moderner Unterricht erfordern neue Konzepte. Eines dieser Konzepte, die sogenannten Lernlandschaften, stellte die Entwicklerin im Bockhorner Gemeinderat vor. 

Bockhorn – „Die Schule des 21. Jahrhunderts braucht so genannte Lernlandschaften. Denn eine Entwicklung unserer Kinder kann nur gelingen, wenn sich Pädagogik, Architektur und Ausstattung an einer Schule miteinander verbinden.“ Unter dieses Motto stellte Karin Doberer von der Firma LernLandSchaft aus Röckingen ihren Vortrag in der Sitzung des Bockhorner Gemeinderats. Bürgermeister Hans Schreiner hatte die Expertin eingeladen, um dem Ratsgremium einen Eindruck davon zu geben, wie moderne Schule heute aussehen kann.

Schließlich will sich auch Bockhorn in eine neue Richtung bewegen. Schon seit 20 Jahren arbeiten Konzeptentwicklerin Doberer und ihr 17-köpfiges Team in ganz Deutschland, aber auch in Luxemburg, Österreich und der Schweiz. Sie beraten Lehrer, Eltern und Schüler bei neuen Schulen oder Kindertagesstätten, legen aber Wert darauf, kein Architekturbüro zu sein – „vielmehr suchen wir Lösungen stets individuell für die jeweilige pädagogische Aufgabe“.

Gemeinderat Thomas Fisch (FWG) hatte eine solche Umgestaltung in der umgebauten Schule am Lodererplatz in Erding gesehen und war sehr angetan. Von ihm kam der maßgebliche Vorstoß. Auch Doberer ist die Begeisterung anzumerken, wenn sie von den Lernlandschaften spricht. „Nicht nur jedes Kind hat einen eigenen Lebens- und Lernstil, wir haben heute auch einen Bedarf nach Aufgaben, der sich differenziert in Frontalunterricht, in die so genannte Still-Arbeit und in Projektmaßnahmen mit Teams.“

Längst sei bekannt, dass sich Menschen nur etwa 20 Prozent über das Gehör merken könnten, 30 Prozent über das Sehen, jedoch 80 Prozent über selbst Gesagtes oder getane Vorgänge. „Und solche Schlüsselergebnisse führen nachweislich zu besseren Ergebnissen.“

Damit komme eine veränderte Form der Lernräume ins Spiel. Hier gelte nicht mehr das klassische Schulzimmer mit Tafel und Lehrer vorne, sondern einem „Raum als drittem Pädagogen“ müsse viel mehr Bedeutung beigemessen werden. So schafft Doberers Firma vor allem Lern- und Aufenthaltsflächen, in denen es Spaß mache zu lernen, zu essen, gemeinsam zu spielen. „Wir haben bei jedem unserer Konzepte einen Platz in der Mitte, quasi der Treffpunkt für alle. Die anderen Räume sind darum herum angelegt, selbst Gänge dienen als Lernplätze. Und es kommt nicht auf die schiere Größe an, Quadratmeter allein sind nicht das Maß aller Dinge.“

Weit wichtiger, so Doberer, seien etwa verbindliche Ordnungssysteme bei der Ausstattung, passendes Arbeitsmaterial am richtigen Ort, nach Körpergröße schnell verstellbares Mobiliar und flexible Tischgruppen sowie ein modernes Digitalnetz in der Schule von morgen.

Doch bevor sich eine Gemeinde Gedanken zu einem solchen neuen Konzept mache, brauche es ein radikales Umdenken in der Pädagogik. Doberer: „Sie muss viel maßgeschneiderter sein für unterschiedliche Bedürfnisse. Neue Lernautonomie und neue Methoden sind gefragt. Lehrer müssen umdenken in ihrer pädagogischen Routine und ihrer Rolle. Transparenz und Teamorientierung sind maßgebliche Zielpunkte für einen neuen Weg des Lehrens und Lernens.“

Als nächste Maßnahme, so beschloss der Gemeinderat, soll nun in Workshops mit Beteiligten aus Schule, Verwaltung und Gemeinde ein Konzept erstellt werden. „Erst dann“, so Bürgermeister Hans Schreiner, „haben wir auch die Möglichkeit, Fördergelder für dieses Projekt zu bekommen“.

Friedbert Holz

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