Eine Wortgottesfeier unter Leitung von Martin Haindl (am Pult) in der Bockhorner Pfarrkirche. Foto: (Pfarrgemeinde)
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Eine Wortgottesfeier unter Leitung von Martin Haindl (am Pult) in der Bockhorner Pfarrkirche.

Notlösung: Wortgottesfeiern

Urlaubsvertretung für Pfarrer darf nicht kommen: Bockhorner Pfarrgemeinderat sauer aufs Ordinariat

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Gerhard Lemmermeier vom Bockhorner Pfarrgemeinderat ist sauer auf das Ordinariat. Grund: Der beliebte Sommerpfarrer Andrzey Kopiczko darf heuer nach 25 Jahren erstmals nicht nach Bockhorn kommen.

Bockhorn – In den Sommerferien darf auch ein Pfarrer mal für eine Zeitlang abschalten. Bockhorns Pater Philipp Iwanowski hat sich nun für fünf Wochen in den wohlverdienten Urlaub verabschiedet und sollte eigentlich einmal mehr von einem altbekannten und beliebten Mann aus Polen vertreten werden. Doch wegen einer Entscheidung des Erzbischöflichen Ordinariats München-Freising kommt es nicht so weit. Der Pfarrgemeinderat übt daran scharfe Kritik. Die Bockhorner Notlösung für die pfarrerlose Zeit sind Wortgottesfeiern.

Seit über 25 Jahren wird der Pfarrverband Bockhorn seelsorgerisch durch den in Heilig Blut ansässigen Paulinerorden betreut. Genauso lange schon reist im August normalerweise Prof. Dr. Andrzej Kopiczko aus Polen an, um als Sommerpfarrer die Urlaubsvertretung des Seelsorgers in Bockhorn zu übernehmen. Für das Vierteljahrhundert lange Engagement dort wurde Kopiczko vergangenes Jahr groß ausgezeichnet (wir berichteten).

Auch in diesem Jahr hatte Pater Philipp frühzeitig seinen Jahresurlaub im August geplant und im Erzbischöflichen Ordinariat eine Vertretung angefordert. Auch Kopiczko hatte schnell signalisiert, dass er trotz Corona wieder gerne nach Bockhorn kommen würde. „Leider darf er aufgrund einer Anweisung des Ordinariats nicht zur Urlaubsaushilfe anreisen“, berichtet Pfarrgemeinderatsmitglied Gerhard Lemmermeier. „Sehr bedenklich ist, dass das Ordinariat davon ausgeht, dass ein Pfarrverband ohne einen verantwortlichen, hauptamtlichen und bezahlten Vertreter fünf Wochen seelsorgerisch überbrücken kann“, kritisiert Lemmermeier.

In anderen Pfarrverbänden, in denen sich mehrere Pfarrer oder Diakone die Seelsorge teilen, wäre dieses Vorgehen noch akzeptabel, findet Lemmermeier. „In Bockhorn ist Pater Philipp aber bekanntlich seit mehreren Jahren auf sich allein gestellt.“ Lemmermeier vermutet: „Die wollen bloß Geld sparen.“

Unsere Zeitung hat beim Ordinariat nachgefragt. „Es gibt, auch im Abgleich mit anderen Diözesen, eine Entscheidung der Ordinariatsleitung, dass in diesem Jahr keine Urlaubsaushilfen im Erzbistum München und Freising eingesetzt werden. So sollen angesichts der noch immer bestehenden Corona-Pandemie Risiken minimiert und Verantwortung gegenüber den Gemeindegliedern wie auch den ausländischen Priestern gezeigt werden“, teilt Hendrik Steffens, Redakteur der Pressestelle, mit.

Diese Erklärung überzeugt Lemmermeier nicht wirklich. Zumal Kopiczko ja alleine mit dem Auto aus Polen angereist wäre, sagt er.

Pfarrer, die im Erzbistum keine reguläre Vertretung hätten, seien gebeten worden, in diesem Jahr Vertretungen durch Absprachen vor Ort zu gewährleisten und sich insbesondere im Dekanat gegenseitig zu unterstützen, erklärt Steffens. Nach wie vor gelte die Befreiung von der Sonntagspflicht durch Kardinal Reinhard Marx, wodurch viele Gottesdienstformen statt der regulären Sonntagsmesse stattfinden und so das Gemeindeleben bereichern könnten.

Steffens betont, dass das Ganze heuer ein Ausnahmefall ist: „Beim Aussetzen der Urlaubsvertretungen handelt es sich um eine der besonderen Situation geschuldete Einzelfallentscheidung, aus der keine generelle Regelung für die kommenden Jahre abgeleitet werden soll“, sagt der Pressesprecher.

Lemmermeier hat jedenfalls zusammen mit zwei weiteren ehrenamtlichen Wortgottesdienstleitern, Maria Mayr-Lechner und Martin Haindl, aus der Not eine Tugend gemacht. Jeder übernimmt an den Sonntagen im August je zwei Gottesdienste mit Kommunionausteilung. „So kann hoffentlich sichergesellt werden, dass in den drei Hauptkirchen des Pfarrverbands – Bockhorn, Kirchasch und Hörgersdorf – der nach dem Lockdown langsam angelaufene Kirchenbesuch nicht erneut komplett abreißt“, so Lemmermeier.

Zu den August-Gottesdiensten sind nun auch erstmals ausgewählte Ministranten im Altarraum vertreten. „Sie werden damit nach einer fast halbjährlichen Corona-Pause endlich wieder langsam an einen geregelten Gottesdienstbetrieb herangeführt. Dies ist vor allem für die kleinen Ministranten wichtig, die den Kirchendienst erst kurz vor dem Corona-Ausbruch übernommen haben“, berichtet Lemmermeier.

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