Stein des Anstoßes: die Bockhorner Rathaustür.
+
Stein des Anstoßes: die Bockhorner Rathaustür.

Reicht die Klingel, oder braucht es eine Automatik-Tür?

Bockhorner Rathaus-Eingang noch zeitgemäß? Hitzige Debatte im Gemeinderat um Barrierefreiheit

Nicht zum ersten Mal hat der Eingang zum Rathaus für lautstarke Diskussionen im Bockhorner Gemeinderat gesorgt. Erneut kam es nun zu Wortgefechten. Der Zugang ist nach Meinung der beiden Integrationsbeauftragten Franz Auer jun. und Michael Stock (beide CSU) immer noch nicht barrierefrei. Zwar hatte die Gemeinde bereits Angebote für eine Automatik-Tür eingeholt, diese aber wegen zu hoher Kosten verworfen. Nun liegen zwei neue Angebote, auch von heimischen Firmen, vor – eine Entscheidung jedoch nicht.

VON FRIEDBERT HOLZ

Bockhorn – Bisher gilt die Regelung, dass Menschen mit Behinderung an der Klingel neben der Tür läuten und ihnen beim Betreten des Rathauses von Verwaltungsangestellten geholfen wird. „Vor kurzem haben wir jemandem sogar aus dem Auto geholfen, ihn samt Rollstuhl ins Rathaus begleitet und auch wieder in sein Fahrzeug zurückgebracht“, schilderte Bürgermeister Lorenz Angermaier (Freie Wähler/Bürgerliste Kirchasch) eine offensichtlich probate Alltagslösung.

„Was eine elektrisch bedienbare Tür angeht, haben wir indes keine grundlegend neue Situation“, so der Rathauschef. Bisher gab es dazu das Angebot einer auswärtigen Firma zum Preis von rund 21 000 Euro, das vom Gemeinderat aber als zu teuer abgelehnt worden war. Auf die erneute Bitte der Integrationsbeauftragten hin wurden von der Verwaltung noch andere Angebote, auch von lokal ansässigen Firmen, eingeholt, in der Hoffnung auf möglicherweise etwas niedrigere Preise.

Und so legte Heinz Schoder, Geschäftsführer der Verwaltung, nun zwei andere Versionen zur erneuten Diskussion dem Gemeinderat vor: eine rund 20 000 Euro teure Lösung zum Umbau der bestehenden Türen mit automatischer Bedienmöglichkeit sowie eine zweite Variante für rund 25 000 Euro, bei der ein komplett neues, automatisch zu bedienendes Tür-Element die bisherige Lösung samt Windfang ersetzen würde. Hierzu ergänzte Franz Auer jun., dass der lokale Anbieter von der Verwaltung allerdings „keine präzisen Vorgaben“ erhalten habe. Das wies jedoch Angermaier scharf zurück: „Er wollte bei uns vorbeikommen, war aber bislang noch nicht da.“

Den Einwänden von Walter John (Grünbacher Liste) und Stock, dass öffentliche Gebäude ohne barrierefreien Zugang „nicht mehr zeitgemäß“ seien und nach dem Bundesteilhabegesetz alle Menschen selbstständig ein Rathaus betreten können müssten, entgegnete der Bürgermeister: „Da es sich beim Rathaus um ein bestehendes Gebäude und nicht um einen Neubau handelt, besteht für uns keine rechtliche Verpflichtung für einen solchen automatischen Zugang. Unsere bisherige Lösung mit der Klingel funktioniert sehr gut.“

Auch Edeltraud Kaiser (Freie Wähler) berichtete von guten Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung beim Zugang ins Rathaus, „außerdem ist allerorten zu hören, dass elektrisch bedienbare Türen oft kaputtgehen, weil sie von Nichtbehinderten falsch bedient werden“.

Um einem lokalen Anbieter eine nochmalige Chance zu geben, werden sich die Integrationsbeauftragten, der Bauausschuss und die Verwaltung nochmals am Rathaus treffen, um dann eine finale Entscheidung zu treffen.

Auch interessant

Kommentare